Irrtümer und Falschinformationen

Deutschland macht sich immun: 7 Mythen rund um die Corona-Impfstoffe

Wie lange schützen die Covid-19-Impstoffe?
Wie lange schützen die Covid-19-Impstoffe?
© dpa, Friso Gentsch, frg dul wst fgj fdt

29. Dezember 2020 - 9:44 Uhr

Impfungen haben endlich begonnen

Endlich geht es los: Die Impfungen gegen das Coronavirus sind bundesweit gestartet. In Berlin bekam am Sonntagmorgen eine 101 Jahre alte Seniorin im Beisein von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in einem Pflegeheim eine Spritze mit dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer. Zu den Impfstoffen kursieren aber leider – nicht nur im Internet – viele Falschinformationen. Wir haben uns 7 Impfstoff-Mythen angeschaut.

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 1: Der Impfstoff bringt nichts, weil sich Menschen trotzdem anstecken können

Zurzeit ist tatsächlich noch nicht bekannt, ob die Impfung nicht nur das Auftreten einer Erkrankung bei den Geimpften verhindert, sondern auch die Ansteckung anderer Menschen, informiert dazu die Bundesregierung in ihren FAQ zum Corona-Impfstoff. Und schreibt weiter: "Unsere Erfahrungen mit anderen Impfungen deuten jedoch darauf hin." Ebenfalls unbekannt ist demnach, wie lange der Corona-Impfschutz anhält und wie gut die Impfungen in besonderen Risikogruppen, wie etwa bei Menschen mit eingeschränktem Immunsystem, wirkt. Sicher sei aber, dass durch die Impfung das Risiko verringert werde, an Covid-19 zu erkranken.

LESE-TIPP: Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, geht davon aus, dass eine Impfung auch andere vor Ansteckung schützt. Mehr dazu lesen Sie hier!

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 2: Ein RNA-/DNA-Impfstoff manipuliert die Gene von uns Menschen

Klares Nein! Die Gefahr der Integration von RNA/DNA-Impfstoffen in das Genom menschlicher Körperzellen könne nach heutigem Wissensstand als nicht gegeben angesehen werden, betont die Infoseite der Bundesregierung.

Die Abkürzung mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, die auch als Boten-RNA bezeichnet wird. mRNA-Impfstoffe bestehen aus der genetischen Information für einen oder mehrere bestimmte Bestandteile der Viren, im Fall des Coronavirus ist es das Spike-Protein oder Teile davon. Bei der Impfung werden diese Erbinformationen in die menschlichen Zellen eingeschleust. Ist die mRNA in den menschlichen Zellen angekommen, können diese dank des darauf gespeicherten Plans das Virus-Protein nachbauen und dem Immunsystem präsentieren. Dadurch wird eine Immunantwort ausgelöst und der Geimpfte hat schließlich ein sehr geringes Risiko, an Covid-19 zu erkranken.

LESE-TIPP: Kann der mRNA-Impfstoff unser Erbgut verändern?

Auch in Sachen DNA-Impfstoffe wurde bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass eine Veränderung des menschlichen Genoms nicht stattfindet.

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Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 3: Impfstoffe enthalten gesundheitsschädliche Zusatzstoffe

Bereits während der klinischen Erprobung prüft und bewertet das Paul-Ehrlich-Institut Impfstoffkandidaten mit der notwendigen und gebotenen Sorgfalt, informiert dazu die Bundesregierung. "Anschließend prüfen Zulassungsbehörden weltweit seine Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit auf hohem Niveau. So wird sichergestellt, dass der Nutzen einer Impfung die möglichen Risiken deutlich überwiegt."

Um die Haltbarkeit zu erhöhen, wird im Falle des auf mRNA basierenden Impfstoffs tatsächlich eine Art Schutzhülle für den Wirkstoff angebracht. "Was diese Zusatzstoffe bewirken, müssen wir beobachten", sagt dazu Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München (TUM) und am Helmholtz Zentrum München. "Man geht von einer guten Verträglichkeit aus, aber da fehlen noch Langzeit-Erfahrungen."

LESE-TIPP: Wie sicher sind die Corona-Impfstoffe?

VIDEO: Corona in Deutschland - der erste Impfstoff ist da

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 4: Impfung bringt nichts, weil auch nach einer COVID-19-Infektion die Antikörperspiegel teilweise schnell abfallen

Auch wenn die erzeugten Antikörperspiegel nach der Impfung nach einigen Monaten abfallen, kann eine schützende Immunantwort durch eine Impfung erreicht werden, stellen dazu die FAQ der Bundesregierung klar. Und weiter: "Mit einer Impfung werden neben den Antikörpern auch Immunzellen trainiert, die Corona-infizierte Zellen erkennen und zerstören können." Wie lange der Schutz anhalte, werde im Rahmen der klinischen Prüfungen auch nach einer Zulassung weiter ermittelt.

LESE-TIPP: Antikörper nach Moderna-Impfung über Monate nachweisbar

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 5: Gegen Coronavirus-Mutationen hilft der Impfstoff nicht mehr

Corona-Virus
Ein Feind, den es zu besiegen gilt: Das Corona-Virus Sars-CoV-2
© iStockphoto, iStock, koto_feja

Die Meldung, dass sich aktuell eine mutierte Variante des Coronavirus verbreitet, sorgt für schlechte Stimmung. Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs gibt aber Entwarnung: "Es ist ein völlig natürlicher Vorgang, dass das Virus in Varianten auftritt", so der Epidemiologe. Im Hinblick auf Impfstoffe sagt er: "Wenn wir das mit dem vergleichen, was die Impfstoffe abdecken, können wir da auch eher beruhigt sein", so der Epidemiologe. "Weil die produzierten Antikörper bei der Immunisierung dann eben alle die Varianten gut abdecken und erfassen."

LESE-TIPP: Corona-Mutation – bringen die Impfungen jetzt nichts mehr?

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 6: Bei der Impfstoff-Zulassung ging Schnelligkeit vor Sicherheit

Nein, sagt die Bundesregierung. Ein Impfstoff werde in Deutschland nur dann zugelassen, wenn er an ausreichend vielen Personen getestet wurde und bestätigt wurde, dass die gewünschte Wirkung gegenüber den aufgetretenen Nebenwirkungen deutlich überwiegt.

LESE-TIPP: Üblicherweise vergehen bei der Entwicklung von Impfstoffen Jahre - wieso ging diesmal alles so rasend schnell? Und wirkt sich das auf die Sicherheit der Impfstoffe aus? Warum der Corona-Impfstoff so schnell da ist, lesen Sie hier!

Corona-Impfstoff-Mythos Nr. 7: Die gesetzliche Impfpflicht kommt doch eh

Die Bundesregierung bekräftigt hier zum wiederholten Mal: "Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig." Es werde jedoch eine starke Impfempfehlung ausgesprochen, um sich nicht nur selbst, sondern die Gemeinschaft zu schützen.

LESE-TIPP: Pro und Contra - brauchen wir eine Impfpflicht?

So bekommen Sie in Ihrem Bundesland einen Termin zur Corona-Impfung

Um 13.00 Uhr beginnt das Impfen in Duisburg , als erste Einrichtung in der Stadt bekommen die Bewohner im Christopheruswerk an der Bonhoefferstraße in Meiderich die Impfung gegen Covid-19.
Um 13.00 Uhr beginnt das Impfen in Duisburg , als erste Einrichtung in der Stadt bekommen die Bewohner im Christopheruswerk an der Bonhoefferstraße in Meiderich die Impfung gegen Covid-19.
© imago images/Reichwein, Christoph Reichwein (crei) via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Als Erstes sollen priorisierte Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit zur Corona-Impfung erhalten. Darunter fallen unter anderem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und die entsprechenden Mitarbeiter sowie medizinisches Personal auf Intensivstationen oder in Notaufnahmen. Sobald genügend Impfdosen zur Verfügung stehen, soll es weiteren Personengruppen möglich sein, einen Termin zur Impfung in den Impfzentren ihres jeweiligen Landkreises zu vereinbaren. Hier finden Sie eine Übersicht nach Bundesländern, wie und wo Sie an Ihren Termin zur Corona-Impfung kommen.