Prozess um Chaosfahrt durch Fürth

Wohnstraße verwüstet – Lkw-Rambo: Nach dem Krebsschock für meine Frau trank ich noch mehr Wodka

Chaosfahrt durch Fürth
Flammen in Fürth, nachdem der Lkw in einem Wohngebiet Autos gerammt hat
NEWS5

von Sebastian Stöckmann

Ein Lkw donnert durch eine Wohnstraße in Fürth (Bayern) und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung: Autos geraten in Brand, Häuser werden beschädigt und mehrere Menschen verletzt –schließlich geht auch der Sattelzug in Flammen auf. Vor dem Fürther Amtsgericht hat am Montag der Prozess gegen den 51 Jahre alten Lkw-Fahrer begonnen, der bei der Chaosfahrt am 8. Februar 2022 stark betrunken gewesen sein soll. Er räumte die Vorwürfe ein und erklärte seinen Alkoholkonsum auch mit dem Schock über eine Krebserkrankung seiner Frau, wie RTL-Reporterin Michaela Johannsen aus dem Gerichtssaal berichtet.

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Krebsschock für Lkw-Fahrer "als ob die Welt über mir einstürzte"

Die Anwältin des 51-Jährigen schilderte am Montag dessen Version der Ereignisse. Demnach musste er am Tag vor der Irrfahrt auf einem Stellplatz auf Papiere für die Weiterfahrt warten. Deshalb blieb er über Nacht und trank abends mit Kollegen rund einen Liter Wodka. Am nächsten Tag telefonierte der Lkw-Fahrer mit seiner Frau, die ihm berichtete, sie sei wieder an Krebs erkrankt: schlimm für den 51-Jährigen – auch, weil er nicht für sie da sein konnte. "Es war so, als ob die Welt über mir einstürzte", erklärte er dazu.

Weil er damit rechnete, ein weiteres Mal übernachten zu müssen, trank er noch einmal etwa 0,7 Liter Wodka. Als gegen 16 Uhr überraschend doch die Papiere für die Weiterfahrt kamen, wollte er trotzdem auf dem Stellplatz übernachten, wurde aber von dort weggeschickt. Im Glauben, es würde "schon gut gehen", versuchte der 51-Jährige trotz des hohen Alkoholkonsums bis zum nächsten Parkplatz zu fahren. Er übersah die erste rote Ampel, "hörte einen Knall und fuhr trotzdem weiter". An der Stelle bricht die Erinnerungen ab.

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Prozess um Chaosfahrt durch Fürth: Mann rettete sich mit Sprung

Irrfahrt durch Fürth
Bei der Irrfahrt hinterließ der Lkw-Fahrer eine Schneise der Verwüstung.
RTL

Bei seiner Irrfahrt soll der Mann nach Angaben des Amtsgerichts Fürth rund 800.000 Euro Schaden verursacht haben. Er sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Ermittlungen zufolge fuhr der 51-Jährige abends mit seinem Sattelzug zuerst über die rote Ampel, rammte ein Auto und verletzte dessen Fahrerin. Dann donnerte er eine Wohnstraße herunter. Dabei schrammte er zahlreiche Autos, schob mehrere ineinander und kam vor einem Mehrfamilienhaus zum Stehen. Ein Mann konnte sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft nur durch einen Sprung auf die Motorhaube eines Autos vor dem Lastwagen retten.

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51-Jähriger hatte über zwei Promille Alkohol im Blut

Der mit schweren Maschinenteilen beladene Lkw ging in Flammen auf. Das Feuer griff auch auf das Haus über. Die Bewohner mussten sich in Sicherheit bringen. Dabei wurden einige verletzt. Das Mehrfamilienhaus war vorübergehend nicht zu bewohnen.

Ein Alkoholtest ergab nach Angaben der Ermittler später, dass der Fahrer mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hatte.

Prozess um Chaosfahrt durch Fürth: Zeugen und Experten werden gehört

Am ersten Prozesstag sollten nach Angaben eines Gerichtssprechers 13 Zeugen aussagen, darunter die Verletzten. Ein Gutachter sollte am Nachmittag eine Einschätzung dazu abgeben, inwieweit der Angeklagte wegen seiner starken Trunkenheit zur Tatzeit schuldfähig war.

Für den Prozess hat das Amtsgericht Fürth zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt. Am zweiten Prozesstag am Montag kommender Woche sollen dem Gerichtssprecher zufolge vor allem die Schäden im Mittelpunkt stehen. Wann das Urteil in dem Prozess fällt, ist noch unklar.