Experte klärt auf

Keuchhusten bei Erwachsenen: Bei diesen Symptomen sollten Sie hellhörig werden!

Was ist eigentlich eine Atemwegsinfektion? Wenn es vor Bakterien und Viren nur so wimmelt
01:15 min
Wenn es vor Bakterien und Viren nur so wimmelt
Was ist eigentlich eine Atemwegsinfektion?

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Der Hals kratzt, die Nase läuft und das Gefühl, husten zu müssen, wird immer größer. Schlechte Nachrichten: Sie sind höchstwahrscheinlich krank. Die gute Nachricht: Bald kommen auch wieder bessere Zeiten. Außer natürlich der lästige Husten will nicht verschwinden. Normal oder problematisch? Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Specht erklärt: bei langanhaltendem Husten unbedingt einen Arzt aufsuchen! Denn dann könnte Keuchhusten dahinter stecken. Warum auch dieser für Erwachsene gefährlich ist.

Aber wie genau kommt es denn jetzt eigentlich zu Atemwegserkrankungen? Das erklären wir Ihnen im Video.

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Was ist eigentlich Keuchhusten?

Eine Frau ist erkältet und hustet.
Keuchhusten kann nicht nur für Kinder gefährlich sein, sondern auch für Erwachsene.
BakiBG

Keuchhusten (Pertussis) ist hochansteckend! Es handelt sich um eine akute Atemwegsinfektion, die weltweit – besonders häufig bei Kindern – auftritt. Besonders für Neugeborene und Säuglinge kann die Krankheit im Ernstfall brandgefährlich werden. Aber: Auch Jugendliche und Erwachsene können sich mit dem Bakterium Bordetella pertussis infizieren. Wie? Meist wird das Bakterium über die Luft übertragen, zum Beispiel durch husten, niesen, sprechen oder küssen. Das Erschreckende: Eine Infektion dauert mehrere Wochen. Und: Nach Ausbruch der Krankheit ist der Patient für etwa fünf bis sechs Wochen ansteckend.

„Pertussis verbinden wir immer mit kleinen Kindern. Ja, da ist es auch gefährlich. Aber auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen, denn die Impfung – auch wenn man dagegen geimpft ist – hält nicht sehr lange an. Und dieser Husten, der kann sehr hartnäckig sein“, erklärt Dr. Specht im RTL-Interview. Daher sei es immer gut, nochmal draufschauen zu lassen.

Lese-Tipp: Die wichtigsten Impfungen für Babys und Kinder

Das sind die Symptome, die auf Keuchhusten hindeuten

Zu den Symptomen, die sich nach ein bis drei Wochen bemerkbar machen, zählen folgende Anzeichen:

  • Schnupfen
  • leichter Husten
  • Heiserkeit
  • Gerötete Bindehäute
  • Leichtes Fieber

In der zweiten Phase, die vier bis sechs Wochen andauert, kommt der charakteristische Keuchhusten, der sich in wiederholten krampfartigen Hustenanfällen bis hin zur Atemnot äußert, zum Vorschein. Oft dauert die stakkatoartige Hustenattacke minutenlang. Sie endet mit einem juchzenden Einatemgeräusch, das durch einen Kehlkopfkrampf verursacht wird. Meist würgen die Betroffenen anschließend zähen Schleim aus, manchmal erbrechen sie auch.

Erst danach, in der dritten Phase, die nochmal sechs bis zehn Wochen (!) andauern kann, nehmen die Anfälle langsam ab.

Heißt: Bis zur vollständigen Ausheilung kann bis zu einem Vierteljahr vergehen.

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Einmal infiziert? Keine Garantie für lebenslange Immunität!

Das Problem: Nur weil man einmal Keuchhusten hatte, ist man nicht ein Leben lang immun dagegen. Dr. Specht sagt: „Man kann als Kind Pertussis gehabt haben oder dagegen geimpft gewesen sein und trotzdem im späteren Leben – gerade die Älteren kennen das – auftreten.“

Kinder sollten frühzeitig einen vollständigen Impfschutz gegen Keuchhusten erhalten. Im Alter von fünf bis sechs Jahren und als Jugendliche, im Alter von neun bis 17 Jahren, sollte sie aufgefrischt werden. Im Erwachsenenalter sollte einmalig, am besten in Kombination mit der nächsten fälligen Auffrischung gegen Diphterie und Tetanus geimpft werden, denn. Ein Einzelimpfstoff nur gegen Keuchhusten stehe bisher nicht zur Verfügung, wie es auf der Webseite der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ heißt. Außerdem wichtig: „Die STIKO empfiehlt vor allem auch allen Frauen mit Kinderwunsch sowie engen Kontaktpersonen von Säuglingen eine Impfung, um eine Gefährdung des Neugeborenen zu verhindern.“

Wie Sie Keuchhusten wieder loswerden

RTL-Interview mit Dr. Christoph Specht.
Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt, wieso auch Erwachsene die Krankheit Keuchhusten auf dem Schirm haben sollten.
RTL

Auch wenn es sich zwar um eine Bakterienerkrankung handelt, könne man nicht einfach so Antibiotika verabreichen. Dies mache nur in den ersten ein bis zwei Wochen Sinn, erklärt der Mediziner. Doch zu diesem Zeitpunkt gehen die meisten noch davon aus, dass man sich einen Virus eingefangen hat. „Und wenn das dann in die nächste Stufe übergeht, machen die Antibiotika leider keinen Sinn mehr.“

Bei der Keuchhusten-Therapie geht es insbesondere darum, Hustenanfälle abzumildern, die Ansteckungsgefahr zu senken und die Krankheitsdauer zu verkürzen. Hierbei helfen lindernde Maßnahmen und Antibiotika, die über vierzehn Tage eingenommen werden. Säuglinge sollten grundsätzlich ins Krankenhaus, da nur dort eine effektive Möglichkeit besteht, die Atemnot zu lindern, den Schleim abzusaugen und dem Erstickungsrisiko vorzubeugen.

Im Video: Nicht immer zum Antibiotikum greifen! Was bei Atemwegsinfektionen wirklich hilft

Was bei Atemwegsinfektionen wirklich hilft Nicht immer zum Antibiotikum greifen!
01:33 min
Nicht immer zum Antibiotikum greifen!
Was bei Atemwegsinfektionen wirklich hilft

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Vielen Erwachsenen ist das Keuchhusten-Risiko nicht bewusst

Laut einer Umfrage des Gesundheitsunternehmens GSK im Jahr 2020 unterschätzen viele Erwachsene Keuchhusten. 84 Prozent der befragten Bundesbürger glaubten, lediglich ein niedriges Risiko haben, an Pertussis zu erkranken. Ein Grund dafür: Noch immer gilt Keuchhusten für viele als eine Krankheit, die vor allem Babys, Kinder und Jugendliche trifft.

Insbesondere in der älteren Generation ab 60 Jahre geht eine deutliche Mehrheit davon aus, dass vor allem Neugeborene, Kinder und Jugendliche an Keuchhusten erkranken – bei den meisten eine Fehlwahrnehmung aus eigener Kinderzeit. Laut Ständiger Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut sind zwei Drittel der gemeldeten Infektionen heutzutage Erwachsene ab 18 Jahre. Von den rund 10.000 betroffenen Erwachsenen in 2019 war etwa jeder Fünfte 60 Jahre oder älter. Dabei haben ältere Menschen ein höheres Risiko für schwere Verläufe: 40 Prozent älterer Erwachsener werden im Rahmen ihrer Keuchhusten-Infektion wahrscheinlich Komplikationen erleiden. Diese können von Rippenbrüchen über Inkontinenz bis hin zu Lungenentzündungen reichen. Nicht selten erfolgt dann eine längere Behandlung im Krankenhaus.

Lese-Tipp: Erkältung geht nicht weg: Wann sollte ich zum Arzt?

Schutz vor einer Keuchhustenerkrankung kann eine Impfung bieten, für Erwachsene empfiehlt die STIKO eine Auffrischung dieser Impfung. Dennoch haben lediglich 32,4 Prozent der Menschen ab 18 Jahren eine solche in den letzten zehn Jahren erhalten. (vdü)