Mediziner weiß Rat

Erkältung geht nicht weg: Wann sollte ich zum Arzt?

Junge Frau hustet
Wenn Symptome wie Husten über Wochen andauern, machen sich viele Menschen Gedanken, ob nicht etwas Ernsteres dahinter stecken könnte.
Getty Images/iStockphoto, Wavebreakmedia

Corona, RS-Virus, Erkältungen und die Grippewelle, die uns überrollt: Gerade hustet und niest es an jeder Ecke. Doch nicht nur die Häufigkeit der Infekte scheint gerade auf dem Höhepunkt angelangt zu sein: Viele Erkältungen halten auch auffallend lange an. Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt, woran das liegt.

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Rebound-Effekt wenig überraschend: Viren erleben aktuell ihre Renaissance

„Der Husten wird momentan vor allem durch Infektionen hervorgerufen. Die Infektionserreger dabei sind meist Viren, es gibt aber natürlich auch Bakterien, wie zum Beispiel Pneumokokken, die uns aktuell zu schaffen machen“, erklärt Dr. Specht im RTL-Interview.

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Warum aber sind die Erkrankungen aktuell so stark? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: „Aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit und Verhinderungsmöglichkeiten wie Maske und Kontaktverbote hatten wir in den letzten zweieinhalb Jahren wenig Kontakt zu den Viren.“ Aber: Die Viren sind ja nicht einfach verschwunden.

Deswegen spreche man jetzt von dem sogenannten Rebound-, also Rückschlag-Effekt. „Es ist kalt, die Leute sind wieder viel drin, es gibt keine Schutzmaßnahmen mehr – es ist also kein Wunder, dass die Viren ihre Renaissance erleben und sogar noch stärker ihr Unwesen treiben, als sie es vielleicht getan hätten, hätte es keine Corona-Maßnahmen gegeben“, sagt Dr. Specht. Normalerweise haben wir jedes Jahr Kontakt mit den unterschiedlichsten Viren, infizieren uns und unser Immunsystem bekämpft sie für uns – und sind dann erst einmal wieder „geboostert“, sprich immun. „Das hat jetzt aber einfach gefehlt. Dadurch, dass wir keinen Kontakt mit den Atemwegserregern hatten, die üblicherweise kursieren, konnten auch keine Antikörper produziert werden.“ Dass es zu einem solchen Rebound-Effekt kommt, habe man aber erwartet.

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Dauern die Symptome länger als 14 Tage an, sollte man sie beim Hausarzt abklären lassen

Doch viele Menschen leiden in den letzten Woche nicht nur häufiger, sondern auch länger unter den typischen Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen. „Zwei Erreger können relativ lange Symptome verursachen, vor allem, was Husten angeht. Dazu zählt zum einen Pertussis (Keuchhusten), der auch bei Älteren vorkommen kann“, erklärt der Mediziner. Aber auch RSV verursache trockenen Reizhusten, vor allem bei älteren Menschen. „Da ist der Erreger vielleicht schon wieder weg, aber das, was er angerichtet hat, ist noch da“, erklärt Specht.

Eine Erkältung und die dadurch bedingten Symptome wie beispielsweise Husten können laut dem Allgemeinmediziner bis zu 14 Tage andauern. Sollten die Symptome jedoch darüber hinaus anhalten, spricht laut dem Experten auch nichts dagegen, die Symptome noch einmal beim Arzt abklären zu lassen. Denn dauerten Symptome wie Husten oder Schnupfen beispielsweise drei Wochen an, sei das schon sehr lange. „Das bedeutet nicht, dass es was Schlimmes sein muss. Aber dann sollte man es einfach beim Hausarzt abklären lassen“, empfiehlt Specht.

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Ist es noch der alte oder schon wieder ein neuer Infekt?

Wenn die Symptome sehr lange anhalten, stellen sich viele Menschen auch die Frage: Ist das noch der „alte“ Infekt oder schon wieder eine neue Erkrankung? Danach gefragt, sagt Specht ganz klar: „Das kann man nicht unterscheiden.“ Und fügt hinzu: „Letztlich kommt es darauf auch gar nicht an.“ Zum einen können sich die Symptome durch eine Behandlung lindern lassen, zu einem späteren Zeitpunkt aber wieder aufflammen. Zum anderen weise jeder Infekt andere Symptome auf. Und je nachdem, welche Vorerkrankungen jemand habe oder wie es um das Immunsystem des Einzelnen bestellt sei, könnten die Infekte wiederum von Person zu Person unterschiedliche Symptome hervorrufen.

„Um genau einordnen zu können, um welchen Erreger es sich handelt, müsste jedes Mal ein PCR-Test durchgeführt werden. Denn es gibt über 200 Erreger, die Erkältungserkrankungen auslösen können“, erklärt Specht. Lediglich bei Influenza würde oft noch per PCR-Test überprüft, um welchen Erreger genau es sich handele.

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Wenn man bereits krank ist, helfen dem Körper einmalige Aktionen nicht

Zu den grundsätzlichen Dingen, die Sie unternehmen können, damit Ihr Husten hoffentlich schnell wieder verschwindet, zählt Dr. Specht unter anderem Bewegung: „Rausgehen, sich bewegen und einen Spaziergang mit mäßiger Belastung helfen ungemein. So können wir aktiver einatmen, und es geht uns insgesamt schon viel besser, weil die Sauerstoffsättigung im Blut verbessert wird.“

Der Allgemeinmediziner rät hingegen von vermeintlich hilfebringenden Dingen aus dem Alltag ab: „Saunagänge und Wechselduschen zum Beispiel sind prinzipiell gut für die Immunabwehr. Aber ihre richtige Wirkung können sie eigentlich erst dann entfalten, wenn sie regelmäßig gemacht werden. Unser Körper reagiert leider nicht auf einmalige Aktionen. Was wiederum in die andere Richtung gut ist, wenn wir einen Burger oder eine Pizza essen. Aber er ist auf Langfristiges angelehnt.“

Besser: Wenn Sie gerne saunieren oder Ihnen Wechselduschen auch bei der Entspannung helfen, dann bauen Sie diese Unternehmungen weiterhin in Ihre Routine ein. Dann hat es vielleicht im nächsten Jahr, wenn die nächste Erkältungssaison in den Startlöchern steht, einen positiven Effekt auf Ihre Gesundheit. (nri/vdü)

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