Experte schätzt ein

RS-Virus bei Babys: Darum ist eine Infektion so gefährlich

Eine Infektion mit dem RS-Virus ist besonders für Babys gefährlich.
Eine Infektion mit dem RS-Virus ist besonders für Babys gefährlich.
© Arkady Chubykin/arkadiic@mail.ru, Arkady Chubykin

03. Oktober 2021 - 8:39 Uhr

Babys und Kleinkinder besonders anfällig für eine Infektion mit dem RS-Virus

Frisch gebackene Eltern dürften diese Phase nach der Geburt kennen: Freunde und Familie würden am liebsten sofort zum Neugeborenen pilgern und sich das süße Baby aus der Nähe anschauen, inklusive Freudensbekundungen hier und Küsschen da. Dass das mitunter gefährlich werden kann, haben die wenigsten auf dem Schirm. Davor will die junge Mutter Jeni Beattie, deren Sohn Sam sich auf diesem Wegen mit dem potenziell tödlichen RS-Virus infiziert hat, jetzt warnen. Auch der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, Dr. Georg-Christian Zinn, weiß, wie gefährlich eine Infektion mit dem RS-Virus sein kann.

Übeltäter RS-Virus: Das hat es mit der Infektionskrankheit auf sich

Sollten Neugeborene etwa in Zukunft nicht mehr geküsst werden? Eltern dürfen ihre Babys selbstverständlich weiterhin mit ihrer Liebe überschütten, doch beim näheren Kontakt – besonders auch mit Fremden – sollte man trotzdem etwas vorsichtiger sein. Der Grund? Die bestehende Infektionsgefahr mit dem RS-Virus.

  • Das RS-Virus (Respiratorische Synzytial-Virus) löst Atemwegserkrankungen aus. Vor allem Babys und Kleinkinder sind von der Krankheit, deren Erreger dem Grippevirus ähnelt, betroffen. Trotzdem können Erwachsene auch erkranken. Die Symptome können einer einfachen Erkältung gleichen und sind daher zu Beginn schwer zu erkennen, schwere Verläufe sind dennoch möglich. Eine Infektion mit dem hochinfektiösen und weltweit verbreiteten RSV kann mitunter tödlich enden. Anstecken kann man sich via Tröpfcheninfektion, aber auch eine Schmierinfektion über beispielsweise kontaminiertes Spielzeug kann nicht ausgeschlossen werden. Der RSV-Patient ist etwa drei bis fünf Tage ab dem ersten Tag nach der Infektion ansteckend.

Lese-Tipp: Droht eine Infektionswelle durch das RS-Virus?

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Vor allem Babys und Säuglinge sind gefährdet

Laut Robert Koch-Institut haben etwa 50-70 Prozent der einjährigen Babys eine Infektion mit dem RS-Virus durchgemacht, bis zum Ende des 2. Lebensjahres nahezu alle Kinder. Eine langfristige Immunität besteht jedoch nicht, weswegen es häufig zu Reinfektionen kommt. "Das Virus sorgt gerade bei den Kleinen für schwere Erkältungskrankheiten und Lungenentzündungen", weiß auch Dr. Georg-Christian Zinn. "Das kann bei Neugeborenen und Säuglingen wirklich bis zum Atemstillstand führen. Und das Virus führt nicht selten – wenn es eine schwere Infektion ist – zu einer Hospitalisierung, gegebenenfalls auch zu einer Intensivbehandlung."

Aber der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia hat RTL gegenüber auch eine gute Nachricht offenbart: "Bei größeren Kindern, im Alter von drei bis sechs Jahren, ist das eine ganz normale Erkältungskrankheit." Während man den Kleineren also definitiv aufpassen sollte, sind die "ganz normal" infizierten, größeren Kinder von dem Virus zum Glück kaum beeinträchtigt.

Das können erste Warnzeichen einer Infektion sein

Jeni Beattie, eine Mutter aus Armagh, Nordirland, berichtet im Nachrichtenportal "Belfast Live" von ihrer Schockdiagnose, die ihre Familie vor kurzem erhalten sollte: Ihr Baby, Sam, hat sich mit dem RS-Virus infiziert – und kämpfte um sein Leben. Nachdem die Mutter bemerkte, dass ihr Kind immer wieder hustete und sich seine Nahrungsaufnahme und auch die Atmung verändert hatte, wusste sie: Hier stimmt etwas nicht.

"Am Dienstag fing Sam an, ein wenig zu husten, was für ein acht Wochen altes Kind nicht normal ist. Am nächsten Tag hatte er nicht gut gegessen, er nahm nicht so viel Nahrung zu sich wie sonst. Er atmete als er im Bett lag ein bisschen mehr als sonst, die Atemzüge waren besonders schnell", beschreibt die junge Mutter die Symptome. "Ich beobachtete ihn eine Weile und brachte ihn dann in die Notaufnahme." Dort sagte man der dreifachen Mutter, dass Sam bereits am dritten Tag der Infektionskrankheit angekommen war und dass dieser Tag am schlimmsten sein könnte. Dies bedeutete, dass es dem Säugling zunächst schlechter gehen würde, bevor sich sein Zustand zum Glück wieder verbesserte.

Dr. Zinn erklärt, dass man die Probleme beim Atmen als erstes Anzeichen glücklicherweise schnell feststellen kann. Man solle sowohl die Kinder als auch die Eltern genau beobachten: Kämpft das Baby offenbar stark gegen etwas an, ist Vorsicht geboten, und man solle einen Arzt aufsuchen. Ist der Säugling ansonsten quietschfidel und hustet "nur", solle man nicht sofort in Panik ausbrechen.

So kann man seine Babys vor eine Infektion schützen

Am Montagmorgen bestätigte sich, dass Sohn Sam mit einer RS-Infektion zu kämpfen hatte: "Er ist jetzt auf dem Weg der Besserung, aber es war eine wirklich beängstigende Woche für uns alle. Es war hart", so Jenni Beattie weiter. Der Dreifach-Mama aus Nordirland liegt es nun am Herzen, andere – vor allem frisch gebackene – Eltern aufzuklären. Die vergangene Woche habe sie dazu gebracht, sich intensiver mit RSV und den damit verbundenen Gefahren auseinanderzusetzen.

Aber wie kann sich ein Säugling überhaupt infizieren? "Die Infektion läuft meist im familiären Bereich ab. Gerade die engen Kontakte, die man mit einem Baby selbstverständlich hat", würden die Ansteckungsgefahr erhöhen, erklärt Dr. Zinn. Wenn ein Dreijähriger mit einer Schnupfnase das wenige Wochen oder Monate alte Baby knuddelt, wäre es kein Wunder, dass dieses dann mit dem RS-Virus infiziert sein könnte. "Für Frühgeborene oder gefährdete Gruppen, etwa für die Babys, die an einer Lungenerkrankung leiden, gibt es eine Impfung gegen die RS-Viren, und sie können so besser geschützt werden", führt der Mediziner weiter aus. Zudem sei es vernünftig, Abstand zu den Kleinen zu halten, wenn jemand in der Familie stark erkältet sei. (vdü)

Lese-Tipp: Diese Hausmittel helfen Kindern bei Erkältung wirklich