Go für Corona-Wirkstoff Nr. 3!

AstraZeneca-Impfstoff in der EU zugelassen

30. Januar 2021 - 10:15 Uhr

Dritter Corona-Impfstoff in der EU

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die bedingte Zulassung des Impfstoffes des Herstellers AstraZeneca für Personen ab 18 Jahren empfohlen. Eine Altersobergrenze nannte die EMA nicht, allerdings fehlen noch Daten über die Wirksamkeit bei älteren Menschen. Die EU-Kommission folgte am Freitagabend einer entsprechenden Empfehlung der EMA. AstraZeneca ist damit der dritte zugelassene Impfstoff gegen Covid-19 in der EU - und das ungefähr ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Krise in Europa. Das Statement der EMA dazu sehen Sie im Video.

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Biontech, Moderna und AstraZeneca im Vergleich

Bislang waren in der EU nur die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Gerade der Wirkstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca ist für viele EU-Staaten vielversprechend. Der Impfstoff, den der Konzern gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hatte, wird bereits in großem Stil seit Januar in Großbritannien eingesetzt.

Vor- und Nachteile von AstraZeneca

Vorteile des Präparates sind: Der Impfstoff ist vergleichsweise preiswerter als die beiden anderen und sehr viel handlicher gerade für Massenimpfungen. So muss er nicht tiefgefroren aufbewahrt werden. Doch es gibt Lieferprobleme, und unklar ist noch die Wirksamkeit bei Älteren.

Eine solche Altersbeschränkung hatte etwa auch die Ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Denn die derzeit verfügbaren Daten reichten nicht aus für eine Zulassung für Ältere. Der Hersteller AstraZeneca hatte aber zuvor entschieden Berichte als falsch zurückgewiesen, dass der Impfstoff bei über 65-Jährigen nur zu acht Prozent wirksam sei. Auch der britische Premier Boris Johnson wies Bedenken beim AstraZeneca-Impfstoff für über 65-Jährige zurück. Die britische Zulassungsbehörde sei der Meinung, dass das Vakzin in allen Altersgruppen eine gute Immunantwort erziele, sagte Johnson am Donnerstag.

Von der EMA heißt es, es habe zwar vergleichsweise wenige Testpersonen über 55 Jahren gegeben, es sei aber zu vertreten. Die EMA begründet diese Entscheidung mit den guten Test-Resultaten bei den übrigen Altersgruppen sowie Erfahrungswerten mit anderen Impfstoffen.

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Lieferprobleme sorgen für Streit

Noch ungelöst ist das Lieferproblem. Die EU-Kommission ist in einen heftigen Streit mit dem Hersteller verstrickt. Der hatte angegeben, wegen Produktionsproblemen etwa 60 Prozent weniger liefern zu können. Daher könnten große Mengen des Impfstoffes für Deutschland und andere EU-Länder erst Wochen oder Monate später zur Verfügung stehen. Dadurch aber drohen Impfprogramme vieler EU-Länder ins Stocken zu geraten. Die EU hatte insgesamt 400 Millionen Impfdosen geordert und besteht auf die Lieferung.

AstraZeneca muss weiter Daten liefern

Die EMA hatte schon seit Monaten die Studien und Daten von AstraZeneca im sogenannten Rolling-Review-Verfahren geprüft. Danach bewerten die Experten die Daten, auch wenn die Versuche noch nicht abgeschlossen sind und auch noch nicht der Antrag auf Zulassung gestellt wurde. Das Verfahren kann dadurch erheblich verkürzt werden. Die Prüfungen gehen übrigens auch nach Zulassung weiter. Denn Meldungen über Nebenwirkungen oder Daten zum Langzeitschutz werden weiterhin bewertet.

Die Daten zu diesem Wirkstoff seien gründlich geprüft worden, sagte EMA-Chefin Emer Cooke, "die wissenschaftliche Basis unserer Arbeit unterstreicht unsere feste Verpflichtung die Gesundheit von EU-Bürgern sicher zu stellen."

Die Behörde erteilt also zunächst nur eine bedingte Marktzulassung. Der Hersteller ist weiterhin verpflichtet, Daten anzuliefern.

Wer wird mit AstraZeneca-Wirkstoff geimpft?

Nach der Empfehlung der Stiko, mit dem AstraZeneca-Mittel nur Erwachsene unter 65 Jahren zu impfen, fordern Politiker in Deutschland Konsequenzen. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken und FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderten in den Zeitungen der Funke Mediengruppe, Klinik- und Pflegepersonal prioritär den AstraZeneca-Impfstoff zu verabreichen. FDP-Chef Christian Lindner empfahl im TV-Sender Phoenix, Erzieher und Lehrer eher zu impfen. "Das sind ultra-systemrelevante Berufe. Die sollten früher ein Impfangebot bekommen als geplant" sagte Lindner.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet, dass Medizinpersonal und Polizisten schneller geimpft werden, weil die ersten zwei Risikogruppen hauptsächlich aus über 70-Jährigen bestünden. "Aber auch die Bundestagsabgeordneten und die Regierungsmitglieder zählen zur dritten Impfgruppe. Ich selbst auch", sagte Lauterbach der "Augsburger Allgemeinen". Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bezeichnete es in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Freitag als ein vertrauenstärkendes Signal, "wenn sich zum Beispiel die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident öffentlich impfen lassen würde".

Impfgipfel soll Lösungen bringen

Mit einem Impfgipfel am kommenden Montag wollen Bund und Länder um Vertrauen der Bevölkerung für die schleppend anlaufenden Massenimpfungen werben. SPD-Chefin Esken nannte das Impftreffen dringlich. "Die Impfstoffbeschaffung und -verteilung muss endlich zur Chefsache gemacht werden", forderte sie. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte in der ZDF-Sendung "maybrit illner", das Treffen sei nicht symbolisch. Es gehe darum, dass neue Ideen und Lösungen gefunden werden. Aber man müsse auch realistisch sein, "es wird keine schnelle Lösung geben".

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, begrüßte den Impfgipfel, um mit den Impfstoffherstellern praktische Lösungen zu finden. "Dringend geprüft werden sollte zum Beispiel, ob und wie die EU-Kommission sowie Bund und Länder Kooperationen zwischen Pharmaherstellern unbürokratisch durch schnelle Genehmigungsverfahren für Produktionsanlagen fördern und intensivieren können", forderte Reinhardt in der "Rheinischen Post".

Im Video: Epidemiologe Klaus Stöhr über AstraZeneca

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Quelle: DPA/RTL.de