Was heißt das eigentlich?

Corona-Impfstoff AstraZeneca "weniger wirksam"

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29. Januar 2021 - 9:02 Uhr

Impfstoffstreit: AstraZeneca wehrt sich gegen EU-Vorwürfe

Heute will die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) über die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs entscheiden. Die endgültige Freigabe durch die EU-Kommission gilt erfahrungsgemäß als reine Formsache. Doch vorab gibt es neben Lieferengpässen noch andere Probleme: "Weniger wirksam" soll der nächste Impfstoff, der auf den Markt kommt, sein. Doch was heißt das eigentlich genau?

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Medienberichte schürten Zweifel am Nutzen für Senioren

Berichte tauchten auf, dass der Impfstoff nur eine achtprozentige Wirksamkeit bei Senioren aufweisen soll. EU-Gesundheitspolitiker Dr. Peter Liese sagt: "hanebüchener Unsinn". Diese Vorwürfe wies auch der Impfstoff-Hersteller selbst am späten Montagabend zurück. Die Angaben seien komplett falsch.

Dennoch gab es Irritationen um eine Wirksamkeitsstudie von AstraZeneca. Der Hersteller hatte die Resultate in dem Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht. Darin heißt es, der Impfstoff biete nach Gabe zweier Dosen einen Schutz von etwa 70 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung. Kritik gab es wegen eines Fehlers in der sogenannten Phase-3-Studie, in der zwei Imfdosen verabreicht wurden. Hier hatte ein Teil der Probanden unter 55 Jahren unbeabsichtigt einmal nur eine halbe Dosis gespritzt bekommen. Daraufhin hatte sich die Schutzwirkung auf etwa 90 Prozent erhöht. Probanden, denen zwei Mal die volle Dosis verabreicht wurde, kamen nur auf einen 62-prozentigen Schutz. Für welche Dosierung das Unternehmen nun die Zulassung beantragt hat, ist noch nicht bekannt.

Eine Schutzwirkung von 70 Prozent bleibt hinter den Werten der beiden bereits zugelassenen Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna zurück. "Das ist aber trotzdem für einen Impfstoff, den wir in der Breite benutzen können, ein sehr, sehr gutes Ergebnis." so Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia.

Günstiger und leichter in der Handhabung

Dennoch werden sich viele fragen: Warum soll ich ausgerechnet den "weniger wirksamen" Impfstoff bekommen, wenn es doch Impfstoffe gibt, die viel besser wirken? "Keiner von uns hat vor ein bis zwei Jahren jemals gefragt, was er für einen Impfstoff kriegt und zu wie viel Prozent dieser Impfstoff tatsächlich wirksam ist. Da haben wir uns auf die Fachleute verlassen. Ich rechne fest damit, dass wir vom AstraZeneca-Impfstoff noch weitere Studien kriegen, ob man eventuell nochmal nachimpfen muss, ob man Antikörper macht oder ob es doch eine Immunantwort gibt, die man nur bei den ersten Phase 3-Studien nicht gemessen hat", so Dr. Zinn weiter.

Gegenüber dem Impfstoff von Biontech und Pfizer hat der von AstraZeneca einige Vorteile. Anders als das Präparat des Mainzer Herstellers kann der AstraZeneca-Impfstoff bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und aufbewahrt werden. Außerdem ist er deutlich günstiger: Eine Dosis des Biontech/Pfizer-Vakzins kostet rund 12 Euro, das Mittel von AstraZeneca nur 1,78 Euro.

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