Attentäter laut Polizei radikalisiert und zum Islam konvertiert

DAS wissen wir über den mutmaßlichen Täter von Kongsberg

15. Oktober 2021 - 9:26 Uhr

Bogenschütze legt Geständnis ab

Eine Gewalttat mit fünf Toten und zwei Verletzten hat in Norwegen Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst. Ein Mann hatte mit Pfeil und Bogen in der Kleinstadt Kongsberg Menschen angegriffen. Der mutmaßliche Einzeltäter konnte gefasst werden. Es handele sich um einen 37-jährigen Dänen, der in Kongsberg lebe und polizeibekannt ist. Laut der Staatsanwaltschaft hat der Bogenschütze die Tat gestanden.Der norwegische Geheimdienst stufte die Tat indes als Terrorakt ein.

RTL-Reporter Bastian Vollmer in Kongsberg

Bluttat mit Pfeil und Bogen: 37-jähriger Däne festgenommen

Die Lage ist unter Kontrolle, heißt es von der Polizei in Kongsberg. Dennoch patrouillieren schwer bewaffnete Beamte durch die Straßen, ein Hubschrauber kreist über der Stadt. Fünf Menschen sind tot, zwei liegen schwer verletzt im Krankenhaus, darunter ein Polizist, der nicht bei der Arbeit, sonder zufällig vor Ort war.

Gegen 18:15 Uhr wurde die Polizei alarmiert, es gab gleich mehrere Tatorte. Kongsberg, ein beliebter Skiort, liegt rund 80 Kilometer südwestlich von Oslo.

Um 18:47 Uhr wird der Täter gestellt. Neben Pfeil und Bogen soll er mit einem Messer bewaffnet gewesen sein. Er soll sich jetzt im Gefängnis der Stadt Drammen befinden.

"Der Mann wurde festgenommen", sagte Polizeichef Øyvind Aas vor Reportern. "Nach unseren bisherigen Informationen hat er die Taten allein ausgeführt."

Laut der Staatsanwaltschaft hat der 37-Jährige die Tat gestanden.Der Verteidiger des Mannes, Fredrik Neumann sagte, sein Mandant erkläre den Vorfall ausführlich. Der Anwalt fügte außerdem hinzu, sein Mandant sei von der ganzen Situation betroffen.

Über den Werdegang des Mannes wolle der Verteidiger nichts sagen. Seine Mutter sei Dänin. Neumann sei sich aber unsicher, ob und wie lange der Mann in Dänemark gelebt habe.

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RTL-Reporter Martin Drohsel vor dem Haus des mutmaßlichen Täters

Polizei: Mutmaßlicher Täter hat sich radikalisiert

In einer Pressekonferenz hatte die Polizei mitgeteilt, der festgenommene Verdächtige habe wegen Hinweisen auf eine Radikalisierung bereits im Fokus der Behörden gestanden. Die Hinweise deuteten an, dass der 37-jährige Däne zum Islam konvertiert sei.

Seiner Familie durfte sich der Bogenschütze laut Berichten des Senders "TV2" bereits seit 2020 nicht mehr nähern. Diese hätten wegen erhaltener Morddrohungen eine einstweilige Verfügung gegen den mutmaßlichen Täter erwirkt.

RTL-Reporter Martin Drohsel in Drammen (Norwegen)

Kriminologe: Tatvorgehen spricht für unbändigen Hass auf Allgemeinheit

Kriminologe Christian Pfeiffer
Der Kriminologe Christian Pfeiffer. Foto: Horst Galuschka/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

Sein Motiv ist noch unklar. Dennoch ist für den Kriminologen Christian Pfeiffer eines zu erkennen: "Das ganze Tatvorgehen spricht für einen unbändigen Hass auf die Allgemeinheit auf die Menschen, denn er begibt sich ja mit Pfeil und Bogen buchstäblich auf Menschenjagd, er war ja großflächig unterwegs, er hat an möglichst vielen Ecken einer Stadt Angst und Schrecken verbreiten wollen."

Polizeistaatsanwältin Ann Irén Svane Mathiassen bestätigte gegenüber "NRK", dass der Angeklagte von Psychologen begutachtet werden wird. Schon heute haben die Untersuchungen dazu begonnen.

Ministerpräsidentin Solberg ist erschüttert.

13.10.2021, Norwegen, Oslo: Die amtierende norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg (r) und Justizministerin Monica Mæland sprechen auf einer Pressekonferenz nach dem Polizeibriefing über den Anschlag in Kongsberg. Ein mit Pfeil und Bogen bewaffn
Erna Solberg, Norwegens Ministerpräsidentin, scheidet heute aus dem Amt.
© dpa, Ole Berg-Rusten, sei

Die heute aus dem Amt scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg zeigte sich erschüttert. "Die Nachrichten, die heute Abend aus Kongsberg kommen, sind grauenhaft. Der Täter hat schreckliche Taten gegen mehrere Personen verübt. Es ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinde in Kongsberg hart trifft."

Der schlimmste Anschlag seit Anders Breivik

Unklar ist, ob es ein Terrorakt war, also ob es ein politisches Motiv gibt, so wie vor zehn Jahren bei dem rechtsextremen Attentäter Breivik. Er tötete am 22. Juli 2011 bei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen. (kra)