Mann (37) mit Pfeil und Bogen tötete 5 Menschen

Tat in Kongsberg (Norwegen) als Terrorakt eingestuft!

15. Oktober 2021 - 9:24 Uhr

Drama in Kongsberg südwestlich von Oslo /Norwegen

Nach der Gewalttat mit fünf Toten und zwei Verletzten in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg geht die Polizei inzwischen von einem terroristischen Hintergrund aus. "Die Vorfälle in Kongsberg erscheinen derzeit als terroristischer Akt", hieß es in einer Mitteilung des Sicherheitsdiensts der norwegischen Polizei am Donnerstag. Ermittlungen zu den genaueren Hintergründen liefen jedoch derzeit noch, hieß es weiter. "Die Bedrohungslage in Norwegen wird nach wie vor als moderat eingeschätzt."

Gewalttat in Norwegen: Amoklauf mit Pfeil und Bogen

Kongsberg liegt ca. 80 km südwestlich von Oslo in Norwegen.
Kongsberg liegt ca. 80 km südwestlich von Oslo in Norwegen.
© RTL

Die Tat ereignete sich demnach gegen 18.15 Uhr im Zentrum der Stadt Kongsberg, die sich rund 80 Kilometer südwestlich von Oslo befindet. Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schieße. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens.

Mutmaßlicher Täter stand im Fokus der Behörden

Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, der festgenommene Verdächtige habe wegen Hinweisen auf eine Radikalisierung bereits im Fokus der Behörden gestanden. Die Hinweise deuteten an, dass der 37-jährige Däne zum Islam konvertiert sei, so die Mitteilung.

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RTL-Reporter Martin Drohsel vor dem Haus des mutmaßlichen Täters

Todesopfer sind vier Frauen und ein Mann

13.10.2021, Norwegen, Kongsberg: Polizisten ermitteln im Zentrum von Kongsberg nach einer Gewalttat. Bei der Gewalttat hat es mehrere Tote und Verletzte gegeben. Foto: Håkon Mosvold Larsen/NTB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gewalttat nahe Oslo
© dpa, Håkon Mosvold Larsen, pat

Laut der Polizei sind die fünf Todesopfer vier Frauen und ein Mann, alle im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Außerdem gebe es zwei Verletzte, die ins Krankenhaus gebracht wurden . Polizeichef Øyvind Aas sagte in einer Pressekonferenz, es gebe keine Information darüber, ob sie in Lebensgefahr schwebten. Einer der beiden Verletzten sei ein Polizeibeamter, der aber nicht im Dienst gewesen sei. Betroffene würden psychologisch betreut, so Aas.

Laut RTL-Informationen sollen Verletzte außerdem mit Stichwunden in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert worden sein. Nach der Festnahme bestätigte die Polizei, dass der Täter außer mit Pfeil und Bogen auch mit einem Messer bewaffnet war.

Es sehe auch zum jetzigen Zeitpunkt noch so aus, als sei der 37-Jährige ein Einzeltäter. Nach weiteren Tätern werde demnach nicht mehr gesucht. Die Situation sei zunächst unübersichtlich gewesen. Es seien viele Einsatzkräfte von vielen verschiedenen Orten nach Kongsberg geschickt worden, sowohl Polizisten als auch Seelsorger, so Aas.

Eine Einwohnerin von Kongsberg sagte der Nachrichtenagentur "NTB", sie habe gehört, wie der Alarm in einem Supermarkt losgegangen sei. Dabei habe sie sich nicht viel gedacht. Dann jedoch habe sie auch Polizeiautos und Rettungswagen gehört. Die Polizei habe am Abend mit Taschenlampen Garagen und Hinterhöfe im Stadtzentrum abgesucht.

Amoklauf in Norwegen: Mutmaßlicher Täter nach Drammen in Untersuchungshaft gebracht

Bilder, die auf Twitter aufgetaucht sind, zeigen Pfeile, die mutmaßlich von dem Täter stammen.
Bilder, die auf Twitter aufgetaucht sind, zeigen Pfeile, die mutmaßlich von dem Täter stammen.
© Twitter

Der mutmaßliche Täter, der in Kongsberg lebt, sei unterdessen nach Drammen in Untersuchungshaft gebracht worden. Es gäbe weiterhin große Polizeiaktivitäten im Gebiet um den Einsatzbereich. Das läge daran, dass sich die Person auch in einem großen Bereich bewegt habe. Es werden Spuren gesichert, um den Tatablauf bestmöglich rekonstruieren zu können.

Augenzeuge: "Ich hörte Todesschreie"

Die Berichte der Augenzeugen sind beängstigend. In "TV2" berichtet einer, dass er laute Schreie von Frauen hörte: "so etwas habe ich noch nie gehört, das waren keine normalen Schreie, das waren Todesschreie".

Bürgermeisterin von Kongsberg: "Mir fehlen die Worte“

Kari Anne Sand, Bürgermeisterin von Kongsberg, äußert sich noch in der Nacht zur schrecklichen Tat im norwegischen Fernsehen.
Kari Anne Sand, Bürgermeisterin von Kongsberg, äußert sich noch in der Nacht zur schrecklichen Tat u.a. im norwegischen Fernsehen.
© NO TV2

Kari Anne Sand, Bürgermeisterin von Kongsberg äußerte sich noch am Abend zu den fürchterlichen Ereignissen, die sich in ihrer Stadt zugetragen haben. "Das ist eine Tragödie für alle Betroffenen. Mir fehlen die Worte", so die Bürgermeisterin gegenüber der norwegischen Zeitung "Verdens Gang". Norwegens scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg zeigte sich "erschüttert" von der Tat. "Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen", sagte Solberg am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo.

Norwegen mit trauriger Amoklaufhistorie

Norwegen hat vor zehn Jahren den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte erlebt. Am 22. Juli 2011 hatte der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem weißen Transporter versteckte Bombe gezündet und dabei acht Menschen getötet.

Daraufhin fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu einer langen Haftstrafe verurteilt.(dpa/csc)