Politik diskutiert ein Social-Media-Verbot ab 14 oder 16 JahrenKeine Follower, keine Likes? Das sagen Jugendliche zur Debatte

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Wir haben im Medienkompetenz-Unterricht in einer 7. Klasse der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover nachgefragt.

Wie gefährlich sind soziale Medien für Jugendliche?
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen stoße in sozialen Medien auf Desinformationen. Laut der Niedersächsischen Landesmedienanstalt kommen Bedrohungssituationen und Angriffe auf Persönlichkeitsrechte noch dazu. Dennoch gehört Social Media zum Alltag vieler Jugendlicher. Und die sind sich uneinig, was ein Verbot angeht.

SPD und CDU in Niedersachsen unschlüssig

Auch in Niedersachsen wird ein Social-Media-Verbot diskutiert. Während sich die bundesweit regierenden Parteien SPD und CDU gerade auf ein Verbot unter 14 Jahren einigen konnten und dieses fordern, sind sich die SPD und CDU in Niedersachen noch unschlüssig. Dort will die CDU Social Media erst ab 16 Jahren freigeben und die SPD kann sich ein Verbot für unter 14-Jährige vorstellen. „Kinder werden sehr früh beeinflusst von digitalen Medien. Es hat ein erhebliches Suchtpotenzial”, sagt Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) im RTL-Interview. Doch was sagen die Jugendlichen, die so ein Verbot betreffen würde?

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Für Schüler gibt es kein klares „Ja” oder „Nein”

Auch die Schülerinnen und Schüler einer 7. Klasse der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover sind nicht alle einer Meinung. „Es ist ja so, dass manche Leute irgendwelche Influencer dann zu stark als Idole nehmen und dann voll in irgendwelche Depressionen fallen deswegen”, findet Schüler Felix Bergemann (12), sagt aber auch, dass ein Verbot zur Folge hätte „dass sich vielleicht Jugendliche weniger sozialisieren.” Der 12-jährige Elias Azouagh meint, er wisse, was er im Internet macht, wohingegen Schülerin Lara Maylin Breitengraser (12) findet, Social Media sollte man erst ab 14 Jahren nutzen dürfen, weil man dann aufgeklärter ist. Laut Mitschüler Noah Lüttel (12) gebe es bei einem Social-Media-Verbot „weniger Cybermobbing und Cybergrooming.”

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Riskante Challenges und gesundheitsgefährdende Werbung

Die Niedersächsische Landesmedienanstalt findet: Social Media ist ein ziemlich gefährlicher Raum für Kinder und Jugendliche. Eine Gefahr sind zum Beispiel riskante Challenges, zu denen man auf Instagram, Tiktok und Co. aufgerufen werden könnte. Auch gesundheitsgefährdende Werbung, die nicht als Werbung gekennzeichnet wird, ist ein Risiko. Ein Verbot allein könnte laut Landesmedienanstalt daher zu kurz greifen. „Deswegen brauchen wir ein abgestuftes Paket, dass nicht nur aus einem Verbot besteht. Und dazu gehört für mich erst mal verlässliche Altersverifikation durch die Plattform selbst, wirksame Aufsicht und ein abgestuftes Nutzungskonzept, das wirklich altersspezifisch differenziert und bestimmte Inhalte dann natürlich auch sperrt”, sagt Direktor Christian Krebs.

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Medienkompetenz als Alternative?

Im Medienkompetenz-Unterricht lernen Schüler deshalb vor allem, bewusster mit sozialen Medien umzugehen. Wichtig sei vor allem das kritische Hinterfragen. „Nicht nur das Hinterfragen, was andere tun, sondern vor allem, was sie selber tun und warum sie das tun und wozu sie das tun”, sagt Lehrer Sebastian Jüstel der Leonore-Goldschmidt-Schule. Für viele Schüler sei der Begriff Social Media gar nicht so definiert, wie es dann im Unterricht besprochen werde: „[Schüler] verstehen darunter ganz oft andere Dinge. Whatsapp ist zu einer solchen Normalität geworden, dass das glaube ich gar nicht mehr so als Netzwerk wahrgenommen wird, Youtube auch nicht unbedingt”, sagt Jüstel.

Stalking und sexualisierte Übergriffe in Chats und Apps sind ernstzunehmende Themen. Solltet ihr davon betroffen sein oder jemanden kennen, der oder die betroffen ist, findet ihr Hilfe unter der kostenlosen Hotline 08000 – 116 016 oder unter www.hilfetelefon.de.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche