Frau Eickmann, diese Woche steht ja auch bei uns ganz im Zeichen der Meinungs- und vor allem auch der Pressefreiheit. Mal ganz grundsätzlich gefragt. Wie ist es denn aktuell um die Pressefreiheit bestellt in Niedersachsen?
Ich finde, man muss immer noch sagen, dass wir eine gute Pressefreiheit haben in Deutschland und auch in Niedersachsen. Wir haben hier wirklich keine größeren Probleme. Es gibt keine Eingriffe von Politik oder Einzelpersonen in die Berichterstattung. Was wir höchstens haben, ist, dass zum Beispiel die AfD Kollegen und Kolleginnen nicht zulässt zu ihren Parteitagen, zu bestimmten Veranstaltungen. Also die haben das nicht so mit der Pressefreiheit. Aber allgemein würde ich sagen, hier ist die Situation immer noch gut.
Journalismus hat ja auch immer das Bestreben und auch Presse, seriös Berichterstattung zu betreiben. Wie kann ich denn als Konsument am Ende des Tages zwischen seriöser und unseriöser Berichterstattung unterscheiden?
Das wird natürlich durch die vielen Meldungen, die auch ungefiltert durchs Internet geistern, immer schwieriger. Wir sagen immer, die alte journalistische Regel, es müssten mindestens zwei Quellen zu Wort kommen, ist etwas, woran man sich lang hangeln kann. Bei Fotos sollte man schauen: Könnte es nach KI aussehen? Wie plausibel ist das, was da gezeigt wird? Und ich sage auch ganz oft: Wenn mich zum Beispiel Schüler und Schülerinnen fragen, achtet mal auf euer Bauchgefühl, Kommt euch an der Geschichte etwas seltsam vor? Ist das wirklich logisch? Und wenn man da schon Fragen hat, dann ist es möglicherweise keine seriöse Berichterstattung.
Und dann hat man ja, im Zweifel handelt es sich dann um falsche Berichterstattung. Wie sehr schadet falsche Berichterstattung am Ende der Pressefreiheit?
Falsche Berichterstattung, vor allem, wenn sie leider auch, das passiert ja, seriösen Medien unterläuft, schadet insofern der Pressefreiheit, weil das natürlich Wasser auf die Mühlen ist derjenigen, die die Pressefreiheit am liebsten abschaffen würden. Die sagen ja immer wieder die etablierten Medien, ob das nun die privaten oder öffentlich rechtlichen sind, die berichten im Sinne der Regierung oder einer falschen Wissenschaft. Und wenn dann Kollegen und Kolleginnen Fehler unterläuft, ist das ganz blöd, weil das natürlich ein Argument ist für diese Menschen.
Jetzt haben sie eben am Anfang schon gesagt, es ist um die Pressefreiheit in Niedersachsen eigentlich ganz gut bestellt. Wie können wir denn dafür sorgen, dass das in Zukunft auch so bleibt, dass die Pressefreiheit weiterhin gestärkt werden kann?
Auch wenn in Niedersachsen die Pressefreiheit in einer guten Situation ist, heißt das nicht, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Wir müssen weiter gucken. Die Kräfte, die die Pressefreiheit beschneiden wollen, AfD und andere interessierte Gruppen, da müssen wir aufmerksam sein, da müssen wir uns dagegen wehren. Aber es gibt auch eine weitere Entwicklung, die uns Sorgen macht. Denn die Konzerne werden immer größer, die Medien herausgeben. Und wenn die Pressevielfalt beschnitten wird, leidet am Ende auch die Pressefreiheit. Also zum Beispiel große Gruppen wie Madsack oder die Noz Gruppe. Die kaufen immer mehr kleinere Zeitungstitel auf. Und darunter leidet die Pressevielfalt. Und das sehen wir schon auch mit Sorge und werden das auch weiterhin, wenn es wichtig ist, kritisieren.
Sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Journalistenverbands in Niedersachsen, Christiane Eickmann. Vielen Dank für das Gespräch.