Sätze, die man wohl niemandem ins Gesicht sagen würde, fallen im Internet oft ganz leicht. Auch uns erreichen immer wieder beleidigende, anstößige oder respektlose Reaktionen auf unsere Online-Inhalte. Für Lisanne Vernunft gehört das zum Arbeitsalltag. Als Leiterin der Online und Social Media Abteilung bei RTL Nord sichtet sie die Flut an Nachrichten und Kommentaren die uns erreichen und weiß: Das Netz ist zwar ein Ort des Austauschs, aber nicht um jeden Preis.
((O-Ton Lisanne Vernunft, Head of Online & Social Media RTL Nord [01:19-01:42]))
"Wir sind auf verschiedenen Plattformen unterwegs und es ist schon so, dass wir mindestens schwierige Kommentare regelmäßig bekommen. Es ist aber auch immer eine Abwägungssache. Es gibt Kommentare, die fallen vielleicht nicht in meine Komfortzone, sind aber von der Meinungsfreiheit abgedeckt. Und das ist uns ganz wichtig, dass wir Kommentare zulassen und auch verschiedene Meinungen zulassen. Aber es ist natürlich dann immer die Frage Wo ist die Grenze von Meinungsfreiheit und wo ist die Grenze überschritten?"
Diese Grenze ist dann überschritten, wenn eine Person gezielt beleidigt, bedroht oder in ihrer Würde angegriffen wird. Denn das geht über eine sachliche Auseinandersetzung und Meinungsäußerung hinaus. Hilfe bei dieser Abwägung bietet die Bremische Landesmedienanstalt. Sie berät Medienhäuser und überwacht die Einhaltung von Jugendschutz und Recht im Netz.
((O-Ton Cornelia Holsten, Direktorin Bremische Landesmedienanstalt [00:24-00:44]))
"Die Verfasser und Verfasserinnen von Hasskommentaren, die wissen schon häufig sehr genau, wo die Grenze verläuft. Aber trotzdem ist es halt wichtig, dass die Menschen da von der Möglichkeit Gebrauch machen, bei uns Beschwerde einzulegen oder eben das zur Anzeige zu bringen. Denn so etwas kann ich einfach so stehen bleiben."
Deshalb gibt es RIKO - "Resignation ist keine Option". Eine Initiative, die verschiedene Medienhäuser, Landesmedienanstalt, Polizei und Innensenatorin zusammenbringt. In der Aktionswoche "Wir gegen Hass" machen sie gemeinsam auf digitale Gewalt aufmerksam.
((O-Ton Cornelia Holsten, Direktorin Bremische Landesmedienanstalt [04:27-04:55]))
"Diese ganzen Medienhäuser, die haben sich überlegt, wir bringen mal unsere ganze Energie zusammen auf die Straße und machen eine Woche ein verdichtetes Angebot, um auf dieses Thema Hatespeech Hasskommentare aufmerksam zu machen, damit der Fokus auch mal nicht nur auf die Verfasser der Hasskommentare gelegt wird, sondern auf die, die unsere ganze Aufmerksamkeit brauchen. Das sind die Opfer von Hasskommentaren."
Das Löschen von Kommentaren oder das Sperren einzelner Accounts ist bei RTL Nord das letzte Mittel. Große Plattformen wie Meta oder TikTok investieren kaum in den Schutz der Nutzer.Die Arbeit bleibt an den Redaktionen hängen.
((O-Ton Lisanne Vernunft, Head of Online & Social Media RTL Nord [04:08-04:35]))
"Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Wir haben Technologien, die uns helfen. Wir haben aber auch Menschen, die rüber schauen und Kommentare gegebenenfalls moderieren. Das bedeutet aber auch, dass wir quasi dafür investieren müssen und es uns Geld kostet, dass wir diesen Kommentaren Herr werden, gleichzeitig aber unsere Inhalte gar nicht refinanziert kriegen. Insofern wäre es wünschenswert, wenn dort die Plattformen auch mehr in die Verantwortung gehen."
Am Ende sollte sich Jeder der das Internet nutzt bewusst machen: Digitale Kommentare erreichen ECHTE Menschen. Menschen, die online genauso verletzlich sind wie im realen Leben.