Es geht auch um das liebe Geld: Verhärtete Fronten beim Olympia-Stimmungstest
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Das war zur Abwechslung mal kein entspanntes Heimspiel für die Hamburger Olympia-Befürworter. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und Kampagnen-Chef Steffen Rülke präsentieren sonst relativ kritikfrei Animationen und wohlklingende Rechnungen, Dienstagabend aber bei einer Veranstaltung vom Bund der Steuerzahler mussten sie sich kritischen Fragen stellen – auch aus der Bevölkerung.
Da lächeln sie noch gemeinsam fürs Foto: Team Pro-Lympia mit Finanzsenator Dressel und Kamgagnenchef Rülke und Team No-Lympa mit Linken-Politikerin Heike Sudmann und NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich, doch schon hier wird klar: da treffen sehr unterschiedliche Positionen aufeinander. Beim ersten großen Live-Duell geht es unter anderem um Mieten, das liebe Geld und darum, ob und welche Argumente beim Publikum ankommen. Ein Vorgeschmack:
OT Steffen Rülke
Leiter Hamburger Olympia-Bewerbung
"Wir bewerben uns nicht nur um Olympische Spiele, sondern auch um paralympische Spiele und paralympische Spiele. Sind vielleicht die Veranstaltungen auf der Welt, die am meisten Chancen beinhaltet für Vielfalt, Inklusion und Barrierefreiheit. Und diese Chance würden wir gern für Hamburg nutzen."
OT Heike Sudmann, Die Linke
Co-Fraktionsvorsitzende
"Was braucht diese Stadt notwendig? Brauchen wir ganz viele neue Sporthallen? Für alle, die Sport treiben, brauchen wir ganz viele neue Wohnungen, die mehr als die jetzt da geplant sind? Und oder wollen wir das Geld ausgeben für die Olympischen Spiele, wo die Nachnutzung wesentlich geringer ist?"
Die rund 240 anwesenden Bürger können dabei abstimmen - rot GEGEN, grün FÜR eine Olympiabewerbung. Zum Anfang der Veranstaltung ist das Bild ziemlich ausgeglichen, ob es das bleibt, sehen wir später. Das Duell selbst ist leidenschaftlich, besonders beim Thema Finanzierung. Der Senat will rund 6 Milliarden Euro für Austragung und Infrastruktur ausgeben und erhofft sich sogar noch ein Plus von 100 Millionen. Externe Prüfer hätten klar gesagt:
OT Steffen Rülke
Leiter Hamburger Olympia-Bewerbung
"Ihr könnt ohne große Zuschüsse des Bundes die Spiele hier bei euch in Hamburg durchführen und ihr braucht dafür keinen einzigen Cent Hamburger Steuergelder."
Dafür gabs von Publikum einen kleinen Schmunzler, vielleicht musste der ein oder andere an den Bau der Elbphilharmonie denken und von Heike Sudmann einen kleinen Kosten-Nachschlag.
OT Heike Sudmann, Die Linke
Co-Fraktionsvorsitzende
"Es kommen aber noch mehr dazu, weil zum Beispiel die Sicherheitskosten und andere Kosten fehlen. Also wir reden locker über sieben, acht Milliarden"
Und so geht's nicht nur beim Geld, sondern auch bei Themen wie ÖPNV oder Nachhaltigkeit. Es gibt zwei Stunden Zahlen, Vergleiche und, ja, auch Emotionen. Aber: hat's was gebracht? Wir schauen erneut auf die Karten und sehen: Verändert hat sich nur wenig. Und dennoch:
Vöxe
Fand die Diskussion sehr interessant, weil sie wirklich Pro und Contra gezeigt hat.
Ich war vorher dafür und ich bin noch überzeugter.
Ich habe die Diskussion als sehr konstruktiv und sehr höflich wahrgenommen. Es waren alle sehr, sehr nett miteinander. Aber meine Meinung hat sich nicht geändert. Ich bin dagegen.
Und damit endet dieser erste Stimmungstest für Hamburg, bei dem alle Beteiligten hervorheben, wie gut die Diskussion ist. Er zeigt aber auch, wie verhärtet – zumindest hier – die Fronten sind. Es bleibt also für beide Seiten noch viel zu tun, bis zum Referendum Ende Mai.
