Kurz vor Prozessbeginn entscheidet der Richter heute in Hildesheim, dass die Kameras den Saal verlassen sollen, bevor der Angeklagte Hiwa H. den Raum betritt.
In einem grauen Sakko und ohne Handschellen wurde der Angeklagte hier heute in den Gerichtssaal geführt. Ein Dolmetscher übersetzte ihm die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte hörte aufmerksam zu, aber zeigte keine emotionale Reaktion.
Ihm wird vorgeworfen, seine Nachbarin im Januar 2023 in ihrer Wohnung getötet zu haben. Der Angeklagte wird im Oktober letzten Jahres festgenommen. Der Ehemann der Getöteten wird heute vor Gericht von seinem Anwalt vertreten. Er hat seine Frau gefunden. Sie haben drei gemeinsame Kinder.
Anwalt der Nebenklage, Velit Tümenci: „Das jüngste Kind war bei der Mutter. Auch bei der Tat mit dabei. Und für meinen Mandanten natürlich sehr erschreckend. Er kommt nach Hause und sieht seine Ehefrau mit 20 Messerstichen niedergestochen. Warum diese Tat überhaupt entstanden ist? Das große Fragezeichen für ihn und für seine Familienangehörigen. Das ist bisher ungeklärt.“
Anfangs hatten die Ermittelnden den Ehemann selbst ins Visier genommen.
Anwalt der Nebenklage, Velit Tümenci: „Er hat einen sehr emotionalen Eindruck hinterlassen, konnte es nicht nachvollziehen, warum er beschuldigt wird, hat sofort mir mitgeteilt, dass er nicht vor Ort gewesen ist, sondern beim Sprachkurs und nach Hause gekommen ist. Seine Ehefrau dort aufgefunden hat und auch entsprechend sofort die Polizei alarmiert.“
Nach Überprüfung des Alibis wird der Anfangsverdacht gegen ihn fallen gelassen. Letztes Jahr wird dann Nachbarhiva durch DNA Spuren verdächtig. Der 39-jährige Angeklagte soll mit einem Messer in der Hand zur Wohnung des Ehepaares gekommen sein. Er soll dann die dreifache Mutter angegriffen haben. Sie soll anschließend ins Kinderzimmer geflohen sein.
Nico Weidinger, Landgericht Hildesheim: „Im Verlauf des Geschehens soll er dort mit mindestens 20 Messerstichen auf die Verstorbene eingewirkt haben. Die Einwirkung soll passiert sein im Bereich des Gesichts, des Nackens und des Halses, sodass die Verstorbene letztlich infolge einer Embolie und ihren starken Blutungen verstorben ist.“
Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus. Welches Motiv dahinterstecken könnte, ist unklar. Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen.