09.30 Uhr im Konferenzraum des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags in Flensburg. Die Reporter und die Chefredaktion schauen wie gut oder schlecht die einzelnen Artikel performen, was wird geklickt, was nicht. Seitdem KI auf dem Vormarsch, werden journalistische Web-Seiten seltener aufgerufen - mit gravierenden Folgen.
"Gerade bei Werbeeinnahmen ist es sehr ärgerlich, weil das über Klicks läuft und dann die Klicks nicht mehr zu uns kommen. Dann gehen die Werbeeinnahmen verloren. Ansonsten sind wir dadurch, dass wir viele lokale Inhalte haben. Besser aufgestellt als manch anderes Reichweitenportal. Weil wir unique sind mit unseren Inhalten. Daraus lässt sich von der KI keine Zusammenfassung generieren."
Die KI-Zusammenfassung: das große Problem vieler Medienhäuser: Wenn Nutzer zum Beispiel bei Google ein Stichwort oder eine Frage eingeben, wird oft zuerst eine automatisch erstellte KI-Antwort angezeigt. Auf den ersten Blick scheinen dort alle wichtigen Infos zu stehen - vielen reicht das, die Nutzer klicken gar nicht mehr auf die eigentliche Quelle der journalistischen Inhalte. Die Klicks bleiben aus und damit auch die Einnahmen. Ähnlich ist das Prinzip bei KI-Anwendungen wie ChatGPT. Dessen Mit-Entwickler, der aus Norddeutschland kommt, ist sich des Problems bewusst.
"Zum einen ist es natürlich gerade eigentlich der Nutzen von Chat Gtpt, dass man nicht mehr durch zehn Links durchklicken muss, sondern einfach die Antwort bekommt. Zum anderen ist Qualitätsjournalismus gerade im Jahr 2026 wichtiger denn je. Denn KI gibt ja oft Antworten, aber nicht immer genau mit der Zuverlässigkeit einer guten journalistischen Quelle."
KI ist auch Themenschwerpunkt beim OMR-Festival in den Hamburger Messehallen. Mit dabei ist auch Deutschlands Digitalminister, der KI grundsätzlich Chance sieht:
"Ich glaube, dass wir vor allen Dingen jetzt brauchen, ist noch mehr Kreativität. Wie kann ich etwas, was erst mal als Bedrohung da ist, kreativ umsetzen, daraus ein neues Geschäftsmodell entwickeln? Da, wo Sicherheitsfragen betroffen wären etc. Oder ganz wichtige soziale Fragen, da kann man natürlich mit Regulierungen ansetzen.
Stichpunkt Regulierung: genau das fordern mehrere deutsche Sender und Medien-Verbände. Gemeinsam wenden sie sich an die Politik und fordern gesetzliche Rahmenbedingen - so auch RTL Nord Geschäftsführerin Sonja Schwetje. Denn: die großen Tech-Plattformen haben kaum Auflagen:
"Es ist wenig Bereitschaft da, Die haben ein großes Machtmonopol, über faire Vergütungsmodelle zu sprechen. Deswegen glaube ich, dass es am Ende darauf hinausläuft: Wir brauchen faire Regeln, die für alle gelten. Und wenn wir Kreativität und Wertschöpfung in diesem Bereich erhalten wollen, dann muss es verbindliche Vorgaben für alle geben."
Eine Forderung die auch in Flensburg beim SHZ geteilt wird.
Es kann nicht sein, dass wir Inhalte erstellen und andere Plattformen mit mit unserer Arbeit dann Geld verdienen. So, da müssen Verhandlungen passieren, da müssen ja Vorschriften kommen, dass das die Medienhäuser nicht abgekoppelt werden, dass man unsere Inhalte nicht einfach nutzen kann und damit dann sein Geschäftsmodell aufbaut auf unserem Rücken.
Weniger Klicks könnte zunächst der Anfang sein, wenn da nicht gegengesteuert wird, könnte die KI-Zusammenfassung früher oder später existenzbedrohend sein für Medienhäuser und den regionalen Journalismus.