Yilmaz Böcek kann es kaum erwarten. Am Dienstag beginnt in Istanbul endlich der Prozess gegen die Menschen, die mutmaßlich für den Gift-Tod seines Sohnes, seiner Schwiegertochter und seiner beiden Enkel verantwortlich sind. Er wird von Hamburg in die Türkei reisen, um im Gerichtssaal alles mitzubekommen.
„Ich will die ganze Wahrheit. Was da genau passiert und was die Herrschaften Ihrer Verteidigung zu sagen und ob es sich wegen die ganze Sache sich gelohnt, vier unschuldige Menschen einfach die Leben wegzunehmen."
Im November 2025 verbringt die vierköpfige Hamburger Familie ein paar Urlaubstage in Istanbul. Sie wohnt in diesem Hotel. Wie sich später herausstellt, war hier ein tödliches Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt worden, an dem alle vier Familienmitglieder sterben. Mittlerweile ist das Todeshotel geschlossen.
„Hier im größten Justizgebäude Europas stehen die sechs Angeklagten der Schädlingsbekämpfungsfirma und des Hotels vor Gericht. Sie müssen sich unter anderem wegen bewusster fahrlässiger Tötung verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 22,5 Jahre Haft."
Besonders schmerzhaft ist es für den Busfahrer zu wissen, dass sein Sohn noch versucht hat die Familie zu retten. Doch im Krankenhaus werden sie abgewiesen. Begründung: „Das sei nur Magen-Darm". Später kommt der Notarzt erst nach minutenlanger Verzögerung ins Hotel, ein Mitarbeiter hat die Tür abgeschlossen. Nach dem Tod seines Sohnes übergibt Yilmaz Böcek dessen Hamburger Wohnung.
„Du gehst Wohnung rein, leer. Komplett leer. Du hörst keine Stimme mehr. Siehst keine Menschen mehr. Dann war dir schon klar, dass diese Familie existiert nicht mehr."
Eine besonders enge Beziehung hatte Yilmaz Böcek zu seinem fünfjährigen Enkel Kardish.
„Ich habe immer gesagt: Kardish, wie macht das Löwe? Hat er mir gezeigt, wie das Löwe brüllt? Und hat er mir immer diese Handzeichen gegeben? So ist das jetzt. Es bleibt nur als Erinnerung."
Und auch von seinem Sohn Servet bleibt Yilmaz Böcek nur die Erinnerung: „Er war wirklich ein sehr guter Junge und er war hilfsbereit und wie soll ich sagen, von unserm Glauben sagt man: gute Menschen gehen schnell dahin wo sie herkommen. Ja, als Vater hätte ich meinem Sohn gewünscht, dass er weiterlebt. Aber das Schicksal hat uns so hart geschlagen, jetzt ist er weg leider."
Als Konsequenz aus dem Gift-Tod der Familie sollten Pestizid-Kontrollen in Hotels verschärft werden. Doch Kritiker bemängeln, dass sie trotzdem kaum ausreichen. Yilmaz Böcek hofft jetzt darauf, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Damit anderen Familien ein solcher Schicksalsschlag erspart bleibt.