((Maike Seifert, nachgestellte Szene [14:31]))
"Haben Sie Screenshots von der Seite gemacht mit Datum und Uhrzeit? Dass zu sehen ist, was da alles gepostet wurde? Das ist ganz wichtig."
Szenen wie diese gehören für Maike Seifert zum Alltag. Die Bremer Beamtin arbeitet im Präventionszentrum der Polizei. Wer Opfer von Hass, Stalking oder Cyberkriminalität wird, findet bei ihr Hilfe. Denn oft ist der erste Schritt der schwerste: Sich einzugestehen, dass man Unterstützung braucht.
((O-Ton Maike Seifert, Präventionszentrum Polizei Bremen [21:21]))
"Erst mal versuchen wir, den Menschen abzuholen. Ganz wichtig ist, den Menschen zu signalisieren. Dich trifft keine Schuld, du hast nichts falsch gemacht, sondern der, der dich vielleicht beleidigt oder bedroht. Mit dem ist etwas falsch. Weil die Menschen suchen oft den Fehler bei sich. Und das möchten wir auf jeden Fall neben diesen Druck."
Doch mit psychologischem Beistand allein ist es nicht getan. Wenn aus Worten Straftaten werden, schaltet die Polizei einen Gang hoch. Und die Arbeit für die Bremer Ermittler nimmt massiv zu. Allein 2024 haben sich die Fallzahlen bei den Hasspostings im Land Bremen mehr als verdoppelt - von 58 auf 127 Fälle. Ein Trend, der sich seit 2020 fast verfünfzehnfacht hat.
((O-Ton Nils Matthiesen, Polizei Bremen [00:57]))
"Das liegt daran, dass die Verrohung im Netz zunimmt. Das spürt auch jeder selber. Jeder, der in sozialen Netzwerken unterwegs ist, sieht das. Es kommt die Anonymität dazu, weil viele denken immer im Deckmantel der Anonymität kann ich im Netz machen, was ich will. Kann man natürlich nicht."
Sobald eine Anzeige eingeht, egal ob Online oder auf der Wache, beginnt die digitale Spurensuche. Die Ermittler prüfen: Ist eine Äußerung noch Meinungsfreiheit oder schon eine Straftat? Denn juristisch macht es keinen Unterschied, ob die Beleidigung auf der Straße oder im Netz fällt. Je nach Delikt drohen Geld- oder Freiheitsstrafen, bei Volksverhetzung - bis zu fünf Jahre Haft.
((O-Ton Nils Matthiesen, Polizei Bremen [03:00]))
"Die versuchen dann anhand der Beweismittel schon den Täter oder die Täter zu identifizieren, schreiben dann gegebenenfalls Facebook, Instagram und Co an, versuchen herauszubekommen, wer ist das? Wer steckt hinter dem Profil? Es ist ein echtes Profil. Es ist ein Fakeprofil. Sitzt derjenige im Ausland? Also es gibt dann verschiedene Ansatzpunkte, verschiedene Wege und Mittel, die wir dann auch machen. Und ja, und das führt im besten Fall zur Identifizierung."
Aber die Ermittlungen sind oft ein mühsamer Wettlauf gegen die Zeit. Viele Täter nutzen Server im Ausland oder löschen ihre Spuren, noch bevor die Plattformen auf Anfragen der Polizei reagieren. Trotzdem ist Wegsehen keine Option.
((O-Ton Nils Matthiesen, Polizei Bremen [05:12]))
"Oftmals bleibt es nur im Netz und sind einfach nur verbale Drohungen. Aber es gibt auch immer wieder Fälle, wo man sagt okay, dann werden diese Drohungen dann auch in Taten umgesetzt. Und deshalb ist die Einzelfallprüfung für uns natürlich super wichtig."
Der Meinung ist auch Bremens Innensenatorin Eva Högl. Für sie ist die konsequente Strafverfolgung entscheidend für den Schutz unserer Demokratie.
((O-Ton Eva Högl, SPD, Innensenatorin [08:16-08:41]))
"Ich möchte vor allen Dingen hinkommen, dass alle sensibilisiert sind, dass wir das als eine gemeinsame Aufgabe ansehen der gesamten Gesellschaft. Ich möchte, dass Hass im Netz nicht akzeptiert wird, ignoriert wird, sondern dass es zur Anzeige gebracht wird. Und ich möchte auch, dass alle in den Sicherheitsbehörden den Straftaten konsequent nachgehen. Und ich möchte noch viel mehr Erfolg haben beim Thema Opferschutz und Prävention."
Doch damit die Ermittler überhaupt aktiv werden können, müssen die Betroffenen den ersten Schritt machen. Genau hier setzt die Arbeit von Maike Seifert an.
((O-Ton Maike Seifert, Präventionszentrum Polizei Bremen [29:59]))
"Oft ist es so, dass die Menschen sich nicht trauen, eine Anzeige zu machen, weil sie Angst haben. Ach, vielleicht ist das gar kein Straftatbestand. Oder vielleicht nimmt die Polizei mich nicht ernst. Und deswegen freuen wir uns hier mit der Beratungsstelle diese Lücke zu schließen."
Ein wichtiger Schritt, damit das Netz ein bisschen mehr zu dem wird, was es sein sollte: in Ort für Austausch und nicht für Hass.