Mit jeder Blume wächst die Trauer. In Stade werden auch heute Kerzen angezündet, Briefe und Blumen niedergelegt. Das Blumenmeer vor der Jugendhilfeeinrichtung wird immer größer. Und auch das Unverständnis über diese schreckliche Tat bleibt.
O-Ton Lena Kruse, RTL-Reporterin: „Dass hier das Blumenmeer wächst, wirklich immer weiter. Und auch das Unverständnis bleibt hier vor Ort über diese schreckliche Tat.“
Schon am Abend wurde deutlich: Wenn Worte nicht mehr reichen, suchen viele Menschen einen Ort, an dem sie mit ihrer Trauer nicht allein sind. Hunderte kamen zur Andacht in die St.-Wilhadi-Kirche in Stade. Die Trauer um die sechs Todesopfer war überall spürbar. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Vöxe:
„Ich glaube, das ist ein schönes Zeichen für ganz Stade, dass man mit den Opfern und deren Familien zusammensteht.“
„Herzlichkeit, füreinander da sein, aufeinander achten. Das ist das, was ich mitnehme.“
„Dass Glaube, Liebe, Hoffnung stärker ist als das Böse und dass das Böse nie siegt.“
Während die Stadt trauert, werden immer mehr Details zu der Bluttat bekannt. Drei Tage vor der Tat verschickte die Patentante des Babys einen 20-seitigen Hilferuf an mehrere Medien. Darin schildert sie die Verzweiflung der Familie im Sorgerechtsstreit um die kleine Tochter, weist den Vorwurf der Kindesmisshandlung zurück und erhebt schwere Vorwürfe gegen Behörden und Ärzte.
O-Ton Festim Beqiri, RTL-Reporter: „Diese mutmaßlichen Misshandlungen sollen der Grund gewesen sein, weshalb der Vater seine Tochter nicht mehr sehen durfte. Genau darum soll es auch bei dem Termin am Montag in der Jugendhilfeeinrichtung gegangen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 45-Jährige dort schließlich sechs Menschen erschossen haben. Ob der Mann deshalb durchgedreht ist, weil ihm der Zugang zu seiner Tochter verwehrt wurde, müssen nun die Ermittlungen ergeben.“
Der mutmaßliche Täter und Vater der drei Monate alten Tochter sitzt inzwischen wegen des dringenden Verdachts des sechsfachen Mordes in Untersuchungshaft.
O-Ton Julia Pirr, Staatsanwaltschaft Stade: „Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten als Mord aufgrund des Vorliegens von sogenannten Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niedere Beweggründe.“
Auch gegen die Mutter des Babys und die Patentante, die das Fluchtfahrzeug gefahren haben soll, wird weiter ermittelt. Beide sind jedoch wieder auf freiem Fuß.