((Einstieg Jolina liest Hasskommentare plus Einblendung))
"Bist ja immer noch nicht in der Klapse. Wann holen die dich ab? Ist ja ekelhaft Junge"
"Die Pimmelprinzessin"
"Niemand außerhalb deiner komischen Bubble wird dich je akzeptieren und das freut mich. Für mich wirst du immer der komische Mann bleiben."
Kommentare wie diese sind Alltag für Jolina Mennen aus Bremen. Die Influencerin wird jeden Tag von fremden Menschen im Netz beleidigt.
((01:03:09 Jolina Mennen, Influencerin:)) "Als die ersten Hasskommentare kamen ging das irgendwie total ins Mark. Weil ich gedacht hab ich hab so ne Faszination hier mein Leben zu teilen und ich möchte irgendwie Leute abholen (...) Und wenn da an das eigentliche Private halt ein Angriff kommt fühlt sich das natürlich nochmal schlimmer an als wenn man vielleicht Kritik auf seine Kochvideos bekommt."
Jolina Mennen wird als Junge geboren, fühlt sich aber als Frau und entscheidet sich für eine Geschlechtsangleichung. Eine Reise auf die sie ihre Follower mitnimmt. Um aufzuklären, Ängste zu nehmen und anderen Unterstützung zu bieten. Vor allem deshalb schreiben ihr im Internet Wildfremde Hassnachrichten
((01:03:58 Jolina Mennen, Influencerin:)) "Ich muss sagen die meisten gehen gegen mich als Transperson. Und ich glaube das ist auch so der größte Punkt, den ich als Angriffsfläche potenziell überhaupt biete."
Allein bei Instagram hat die 33-Jährige fast 330.000 Follower. Einer breiten Öffentlichkeit wird sie 2023 als Teilnehmerin des Dschungelcamps bekannt. Sie ist nicht nur beim RTL-Turmspringen dabei, sondern mittlerweile auch gern gesehener Gast auf Events und roten Teppichen. Hasskommentare gegen die Bremerin werden mit steigender Bekanntheit immer mehr, den schlimmsten hat sie nie vergessen:
((01:10:37 Jolina Mennen, Influencerin:)) "Da haben Leute auf Youtube kommentiert, dass sie mich finden werden und dass ich meine gerechte Strafe bekommen werde. Wie das aussieht haben sie nicht konkretisiert. Aber da hatte ich wirklich zeitweise Angst alleine rauszugehen."
Das ist nicht die einzige Grenzüberschreitung. In den sozialen Medien wird sie auch wegen Produkten, die sie bewirbt, angefeindet. Und immer wieder wird es persönlich. Jolina erzählt uns was sie noch verletzt:
((01:05:07 Jolina Mennen, Influencerin:)) "Ich hab jahrelang mit meinem Gewicht gestruggelt. Das ist kein Geheimnis, dass die Hormontherapie bei mir da sehr sehr hoch und runter und hoch und runter ging. Und wenn man gerade das Gefühl hat ok ich hab wieder 5 Kilo drauf und wenn dann Kommentare kommen oh ja sie ist wieder fett geworden oder siehst du der Sport bringt nix oder aktuell eher das Gegenteil Jolina hat ne Sportsucht entwickelt."
Jolina ist vorsichtig geworden. Storys postet sie nur zeitversetzt und im Freien niemals nahe an ihrer Wohnung, um Hatern keine Rückschlüsse auf ihren Aufenthaltsort zu ermöglichen. Bestimmte Beleidigungen, ihre Adresse oder Telefonnummer, die im Netz oft geteilt werden, hat sie blockiert. Das ist mittlerweile auf den gängigen Portalen möglich.
((01:07:54 Jolina Mennen, Influencerin:)) "Meine Profile sind wie mein Wohnzimmer. Und da akzeptiere ich einfach nicht wenn Leute mit Hate Kommentaren um sich werfen. Ich möchte, dass das ein positiver Ort ist wo sich auch andere gesehen und abgeholt fühlen. Und ich da wie so ein Safe Space für Leute hab. Deswegen filter ich sowas ganz konsequent raus. Das hat keinen Platz bei mir verdient."
Den Spaß an ihrem Job hat Jolina nicht verloren. Sie liebt den täglichen Kontakt mit ihrer Community:
((01:37:52 frei:)) „Halli Hallo meine Lieben, ich nehm euch heute wieder so ein bisschen mit durch meinen Alltag, denn haute passiert was ganz spannendes."
Die Kommentarfunktion auf ihren Profilen zu deaktivieren ist für sie keine Option. Sie will sich nicht verstecken, sagt sie. Der direkte Austausch mit den vielen Menschen, die sie mögen, ist das wichtigste an ihrem Job findet sie. Der Umgang mit Hasskommentaren bleibt aber eine Herausforderung.
((01:43:54 Jolina Mennen, Influencerin:)) „Bei mir kommts total auf die Tagesform an wie ich jetzt mit Hate konkret umgehe. Es gibt Tage wo es mir vielleicht selber nicht so gut geht da erwischt mich sowas mehr aufm falschen Fuß. Wenns mir selber total gut geht kann ich auch einfach manchmal selber drüber lachen. Manchmal hab ich auch Mitleid mit den Leuten wenn ich mir vorstelle wie scheiße das eigene Leben sein muss dass man das Bedürfnis hat ner anderen Person sowas zu schreiben.“
Juristisch geht sie gegen Hasskommentare in der Regel nicht vor. Das raubt ihr zu viel Kraft erzählt sie uns. Sie wünscht sich stattdessen, dass Hater erkennen, was sie mit Beleidigungen und Hass anrichten können.
((01:44:48 Jolina Mennen, Influencerin:)) „Ich glaube wir müssen als Gesellschaft verstehen dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist (…) Ich finde es ganz ganz wichtig dass wir hier darüber sprechen und das Thema irgendwie auch ne Bühne bekommt. Denn Aufklärungsarbeit ist dabei super super wichtig.“
Für Jolina Mennen gehören Hasskommentare zu ihrem Job als Influencerin dazu. Doch sie hofft, dass es durch Interviews wie dieses weniger werden. Damit sie psychisch gesund bleibt und ihre Follower noch lange Freude daran haben, sie online in ihrem Leben zu begleiten.