Pflegerin tötet vier Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung

Freundin eines Opfers: „War auf dem besten Weg, sich wieder zurück ins Leben zu kämpfen“

03. Mai 2021 - 10:20 Uhr

Im Video spricht die Freundin eines Opfers von Potsdam

Melanie Stein trauert um ihre gute Freundin aus Kindheitstagen. Die 42-Jährige wurde am Mittwoch tot in ihrem Bett in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Potsdam aufgefunden. Offensichtlich ermordet von einer Frau, die eigentlich für sie sorgen sollte. Warum ihre Freundin und drei weitere hilflose Pflegebedürftige sterben mussten, kann sich Stein einfach nicht erklären. Wie ganz Potsdam steht auch sie unter Schock. Im Video spricht sie mit RTL-Reportern.

Pflegerin tötet vier Bewohner

 Blumen und Kerzen am Babelsberger Oberlinhaus, wo am Vorabend vier behinderte Menschen gewaltsam getötet worden, Potsdam, 29. April 2021. Gewaltverbrechen im Oberlinhaus *** Flowers and candles at Babelsberg Oberlinhaus, where four disabled people w
Blumen und Kerzen am Babelsberger Oberlinhaus in Potsdam.
© imago images/Martin Müller, Martin Müller via www.imago-images.de, www.imago-images.de

40 Jahre kannten sie sich, haben als Kinder zusammen gespielt. Trotz verschiedener Lebenswege haben sie immer wieder zueinander gefunden, erzählt Stein. Dann der schwere Schicksalsschlag: "Sie hatte einen Autounfall und hatte ein Schädel-Hirn-Trauma", sagt sie. Ihre Freundin zog in ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung auf dem Gelände des Oberlinkhauses in Potsdam. Vor eineinhalb Jahren haben sie sich das letzte Mal gesehen. Wegen der Corona-Pandemie hätte sie nur Besuch von Familienangehörigen empfangen dürfen. Ihre Freundin war "leider auf dem besten Weg, sich wieder zurück ins Leben zu kämpfen", sagt Stein, während sie mit den Tränen kämpft.

Am Mittwoch sind ihre 42 Jahre alte Freundin und vier weitere Menschen im Alter von 31, 35, 43 und 56 Jahren Opfer einer fürchterlichen Gewalttat geworden. Eine 51-jährige Pflegerin steht unter dringendem Tatverdacht, die vier Bewohner der Einrichtung getötet und eine weitere Frau schwer verletzt zu haben. Sie ist inzwischen außer Lebensgefahr. Die langjährige Mitarbeiterin des Wohnheims soll ihren Opfern mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten haben. Eine Bestätigung der Behörden blieb allerdings noch aus. "Ich kann sagen, dass eine erhebliche, äußerliche Gewaltanwendung stattgefunden hat", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitag.

Inzwischen wurde die tatverdächtige Pflegekraft in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Haftbefehl wegen Totschlags beantragt. Ein Gutachter soll nun klären, ob ihr überhaupt ein Prozess gemacht werden kann. "Das Kriterium ist es, ob die Beschuldigte, wenn wir sonst die Tat nachweisen können, zu dem Zeitpunkt schuldfähig war. Das heißt, das Unrecht der Tat einsehen kann", so die Sprecherin.

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Freundin hatte immer einen "guten Eindruck" von der Einrichtung in Potsdam

Melanie Stein fragt im RTL-Interview, wieso in der Einrichtung niemandem aufgefallen ist, dass die Frau psychische Probleme hat? "Ich hatte eigentlich immer einen sehr guten Eindruck von der Betreuung und diesem Heim", so Stein. Sie hofft, dass die Tat einer Einzelperson dennoch nicht auf die ganze Einrichtung zurückfällt.

Nach Angaben der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus war die Tatverdächtige zuvor nicht psychisch auffällig geworden. "Alle Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Supervisionen und Teamsitzungen teil", erläuterte Sprecherin Andrea Benke. "Das ist zum Schutz unserer Klienten und Mitarbeiter unerlässlich."

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