Zwei Opfer waren seit ihrer Kindheit im Wohnheim

Vier Menschen in Behinderten-Wohnheim getötet - Oberlinhaus: "Wir sind noch gar nicht zum Trauern gekommen"

29. April 2021 - 11:26 Uhr

Erklärung der Behinderten-Einrichtung nach Fund von vier Toten

Nach dem Fund von vier Leichen im Potsdamer Behinderten-Wohnheim "Thusnelda-von-Saldern-Haus" sind viele Fragen offen. Die Polizei ermittelt – und schweigt noch zu möglichen Hintergründen. Das Oberlinhaus als Betreiber der Einrichtung hat am Morgen eine Erklärung abgegeben: Dr. Matthias Fichtmüller, theologischer Vorstand im Oberlin Haus und Geschäftsleiter Oberlin Lebenswelten, erklärte: "Wir sind noch gar nicht zum Trauern gekommen." Der Fokus liege darauf, die Mitarbeitenden zu informieren und sich darum zu kümmern, wie es den Bewohnern gehe: "Die Bewohner sind unsere Familie." Zu Details und Hintergründen der Tat äußerte Fichtmüller sich nicht. Seine bewegenden Worte – im Video.

Bereichsleiterin: Mitarbeiter "natürlich auch geschockt"

"Die Zeit steht ein Stück still", erklärte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen. Die Kollegen seien außerordentlich engagiert, früher zum Dienst gekommen und die Notfallseelsorge sei im Haus, um bei der Verarbeitung der Gewalttat zu helfen: "Wenn ich das sagen darf, da ist noch gar nicht die Zeit für." Die Mitarbeiter seien damit beschäftigt, den Bewohnern Angebote zu machen, über das Geschehene zu sprechen – "aber natürlich auch geschockt", so Mäueler in der Pressekonferenz.

Was wir bisher zur Gewalttat von Potsdam wissen

Am Mittwochabend waren in verschiedenen Krankenzimmern einer Station des Oberlinhauses an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Potsdam-Babelsberg vier tödlich Verletzte sowie eine weitere schwer verletzte Person gefunden worden. Die Mordkommission der Polizeidirektion West und die Staatsanwaltschaft Potsdam ermitteln zum Verdacht eines vorsätzlichen Tötungsdelikts.

Eine dringend tatverdächtige 51-Jährige haben die Ermittler bereits in der Nacht festgenommen. Unklar sei bisher, welche Funktion die tatverdächtige Mitarbeiterin des Krankenhauses inne hatte, so ein Polizeisprecher des Lagezentrums der brandenburgischen Landeshauptstadt.

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Verein Oberlinhaus betreibt Einrichtung, die zum Tatort wurde

Zu dem Komplex, auf dem sich die Tat ereignete, gehören neben einer Klinik Kitas und Schulen, Arbeitsplätze und Wohnbereiche für Menschen mit Behinderung und Beratungsstellen. Der Verein Oberlinhaus, auf dessen Komplex sich die Tat ereignete, beschreibt sich auf seiner Website als diakonisches "Kompetenzzentrum für Teilhabe, Gesundheit, Bildung und Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg". Das Oberlinhaus ist nach eigenen Angaben Potsdams drittgrößter Arbeitgeber. In einer internenen Andacht will die Einrichtung heute abend den Opfern der Tat gedenken.

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