"Wenn chronische Schmerzen nach Jahren weggehen, ist das besonders"

Neuroathletik: Wie Muskeln durch Hirnkraft trainiert werden können

09. März 2022 - 16:45 Uhr

Neuroathletik ist Fitnesstraining mit dem Gehirn. Und dabei geht es nicht um Gehirn-Jogging. Ganz im Gegenteil: Es geht um körperliches Training, das aber durch Hirnkraft beeinflusst wird. Denn: Das Gehirn koordiniert unsere Bewegungen und auch unsere Schmerzwahrnehmung.

Es behandelt nicht die Symptome, sondern sucht nach Ursachen

Führender Trainer auf dem Gebiet der Neuroathletik ist Lars Lienhard. Er geht den Beschwerden von Sportlern – anders als viele Ärzte und Physiotherapeuten – über das Gehirn auf den Grund. Auch Silke Bommes (47) und Florian Paaßen (34) leiden an unterschiedlichen Beschwerden beim Sport und im Alltag. Im Video erfahren Sie, wie Lars Lienhard das schafft, woran viele Ärzte und Therapeuten bislang gescheitert sind: Er findet mit Hilfe der Neuroathletik die Ursachen für die Beschwerden.

Beschwerdefrei Leben dank Neuroathletik?

Silke Bommes und Florian Paaßen haben einige Wochen lang die Tipps des Neuroathletik-Experten in ihren Alltag integriert. Welches Fazit sie ziehen und ob sich ihr Leben durch Neuroathletik zum Positiven verändert hat, erfahren Sie in diesem Video.

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Lars Lienhard beantwortet im RTL-Interview Fragen zur Neuroathletik

Wie kann es sein, dass Hirnareale blockiert sind und wie kann man das merken?

"Die Hirnareale sind nicht wirklich blockiert", sagt Lars Lienhard. Es sei vielmehr so, dass sie unteraktiv seien. Das kann laut dem Experten zum Beispiel daran liegen, dass Informationen aus einem Sinnessystem fehlen oder nicht gut verarbeitet werden können, wie er im RTL-Interview erklärt. Und das wirke sich dann eben auf dieses Areal und dessen Funktion aus.

Bringen herkömmliche Behandlungsmethoden denn überhaupt etwas, wenn vieles über das Gehirn gesteuert wird, aber dort in der Regel nicht nach Ursachen gesucht wird?

Man solle zwar viel mehr auf das Gehirn schauen, aber das heiße laut Lars Lienhard nicht, dass herkömmliche Behandlungen nichts bringen. "Mit den Symptomen zu arbeiten ist eine clevere Herangehensweise." Aber viele Symptome seien nur das Ende ganz vieler Prozesse, die vorweg gingen. "Die Arbeit, die ich mache, sind Rahmenbedingungen, um besser mit dem Symptom arbeiten zu können", erklärt der Neuroathletik-Trainer.

Wieso konnte das Beobachten von Linien im Fall von Silke Bommel dabei helfen, die Schmerzen in der Wade zu verbessern?

Ehrlich gesagt, so erklärt Lars Lienhard, haben die Augen erst mal nichts mit der Wade zu tun. Es sei jedoch so, dass die Reize, die die Augen an das Gehirn senden, in gewissen Gehirnarealen verarbeitet werden. "Diese Areale regulieren muskuläre Verspannungen", erklärt er weiter. Und daher könne man über die Augen Einfluss auf muskuläre Spannungen nehmen.

Bei welchen Leiden kann eine Neuroathletik-Behandlung helfen?

"Ich würde das nicht auf spezifische Leidensformen oder Krankheiten runterbrechen", so Lienhard. Viel mehr würde das Neuroathletik-Training bei einer Bewegungsoptimierung helfen. Durch Neuroathletik könne Schmerz genommen werden und sogar Stoffwechsel-Probleme behandelt werden. "Ich persönlich habe mich auf Sport spezialisiert", sagt der Experte, aber neurozentriertes Training würde weit darüber hinausgehen. Sogar im Bereich der Rehabilitation und der Medizin könne es Anwendung finden. Das liege daran, dass das Gehirn jeden Prozess reguliere.

Zum Schluss betont Lars Lienhard im RTL-Interview noch: "Es ist keine Zauberei", es ginge seinen Patienten deutlich besser, aber sie müssten weiter mit den Übungen arbeiten. Er sei jedoch froh, chronischen Schmerzpatienten durch sein Training zu einer verbesserten Lebensqualität verhelfen zu können. (vho)