Das sagt der Allgemeinmediziner

Booster-Impfung erst nach sechs Monaten - oder doch lieber früher?

Wann wird am besten geboostert?
Wann wird am besten geboostert?
© Ratana21

14. Dezember 2021 - 10:04 Uhr

Booster-Regelung sorgt für Verwirrung

Haben Sie sich schon mit Familie, Freunden, Arbeitskollegen und Co. zum Thema Boostern ausgetauscht? Dann werden Sie eventuell bemerkt haben, dass aktuell wohl kaum ein anderes Thema präsenter – aber auch verwirrender ist. Wann soll ich mir denn nun den dritten Piks abholen? Warte ich, wie von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen, volle sechs Monate – oder mache ich einen früheren Termin beim Hausarzt aus? Gibt es stärkere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen als bei der ersten und zweiten Impfung? Und welcher Impfstoff kommt überhaupt für mich infrage?

Der Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht hat uns alle wichtigen Fragen rund um die Booster-Impfung beantwortet.

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Ab wann sollte ich mir die dritte Impfdosis abholen?

Erst Mitte November hat die Stiko die Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren freigegeben. Wer sich boostern lassen möchte, bei dem sollte die letzte Impfung also etwa sechs Monate zurückliegen – so empfiehlt es die Stiko. Wie diese Empfehlung zustande kommt, weiß Dr. Christoph Specht: "Laut Stiko macht es statistisch gesehen nach dieser Zeit Sinn, eine weitere Impfdosis zu verabreichen." Denn: Der Impfschutz hat nach etwa sechs Monaten schon deutlich nachgelassen, sodass eine Infektion und auch eine schwere Erkrankung wieder möglich sind. Gleichzeitig liege die letzte Impfung aber noch keine Ewigkeit zurück, dass man sich Sorgen machen müsste, dass gar kein Schutz mehr vorhanden ist.

Letztendlich komme es vor allem auf die persönliche Situation und auch das Alter der Menschen an: "Bei älteren Menschen sinkt der Impfschutz schon früher, weil das Immunsystem einfach nicht mehr so gut ist wie bei Jüngeren. Dass dann kein Schutz mehr da ist, das kann schon vor den empfohlenen sechs Monaten der Fall sein. Deswegen müssen die Älteren nicht zwangsläufig so lange warten und können sich eher boostern lassen, etwa nach vier bis fünf Monaten."

Und die jungen Leute? "Ein gesunder, 35-Jähriger beispielsweise kann ruhig sechs Monate mit dem Boostern warten. Wenn es am Ende sieben Monate sind, dann ist das auch nicht schlimm."

Im Prinzip gilt also: Die sechs Monate sind von der Stiko empfohlen, "das muss man aber nicht ganz genau nehmen."

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Kann ich etwas falsch machen, wenn ich mich zu früh oder zu spät boostern lasse?

Eine junge Frau sitzt krank auf ihrem Sofa, um sie herum sind unter anderem ganz viele Taschentücher verteilt.
Die Corona-Impfung schützt vor einer schweren Infektion.
© Tero Vesalainen

"Nein, nicht wirklich. Da passiert nichts. Nur die Sinnhaftigkeit sollte man im Hinterkopf haben", so Specht. Was er damit meint: "Ist man jung und gesund und will schon nach ein bis zwei Monaten die Booster-Impfung – das ist unsinnig. Nur weil man sich früh impfen lässt, hält der Schutz nicht zwangsläufig länger an. Besser ist es dann, die plus/minus Sechs-Monatsregelung einzuhalten."

Gleichzeitig sollte man aber auch nicht zu lange auf eine Boosterung warten: "Lässt man sich zum Beispiel erst nach einem Jahr boostern, dann ist das eindeutig zu spät", erklärt der Mediziner weiter. Wenn man sich zu spät impfen lässt, ist das Immunsystem gegebenenfalls schon deutlich mehr heruntergefahren. Dadurch steigt dann das Infektionsrisiko. "Als Allererstes geht dann der Schutz vor einer Infektion flöten. Danach der Schutz vor einer symptomatischen Erkrankung, gefolgt von einem mittleren Verlauf. Wartet man noch länger, hat man auch vor einem schweren Verlauf keinen Schutz mehr. Die schlimmsten Sachen werden am längsten verhindert."

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Muss ich mich auch boostern lassen, wenn ich genesen bin?

"Ja", erklärt Specht. Auch Genesene sollten sich laut dem Mediziner boostern lassen. In diesem Fall gelten ebenfalls die von der Stiko empfohlenen sechs Monate: "Die Infektion beziehungsweise spätere Genesung ist gleichzusetzen mit einer Impfung. Liegt die Corona-Erkrankung also etwa sechs Monate zurück, ist kaum noch Schutz gegeben, sodass sich auch die Genesenen eine Booster-Impfung abholen sollten."

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Welche Nebenwirkungen können beim Boostern auftreten?

Hier hat der Allgemeinmediziner gute Nachrichten: "Bei der Auffrischungsimpfung treten keine größeren Nebenwirkungen auf als bei der ersten oder zweiten Dosis. Das liegt daran, dass das Immunsystem beim dritten Mal nicht verrückt spielt. Der Körper kennt die Antigene des Virus ja schließlich schon. Er bildet einfach weitere Antikörper."

Natürlich sei aber nicht auszuschließen, dass die "klassischen Nebenwirkungen" nicht auch eintreten können. Das habe dann allerdings nicht direkt mit dem Booster an sich zu tun, sondern liege einfach daran, "dass Impfungen generell nun mal Nebenwirkungen mit sich bringen können", wie Specht weiter erklärt. "Nur weil es sich um eine dritte Dosis handelt, wird die Situation nicht direkt schlimmer."

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Mit welchem Impfstoff sollte ich mich boostern lassen?

Eine medizinische Hilfskraft hält den Biontech-Impfstoff in der Hand.
Für die Booster-Impfung kommen in Deutschland nur mRNA-Impfstoffe infrage.
© deutsche presse agentur

Welcher Impfstoff für die Booster-Impfung eingesetzt wird, "spielt im Prinzip keine Rolle", betont der Medizinjournalist. Es gibt jedoch einige Dinge zu beachten. "Für alle Boosterungen kommt ein mRNA-Impfstoff zum Einsatz, also entweder der von Biontech/Pfizer oder der von Moderna. Wenn Sie bei Ihrer dritten Impfung einen anderen Impfstoff erhalten als zuvor, dann ist das nicht weiter schlimm." Im Gegenteil: "Kreuzimpfungen, zum Beispiel mit AstraZeneca, Biontech und jetzt eventuell Moderna sind hervorragend! Wenn man so geimpft wurde, hat man eine sehr, sehr gute Immunantwort." Am schlechtesten sei die Ausgangslage jedoch, wenn Sie nur einmal mit Johnson & Johnson geimpft wurden. "Dann sollten Sie sich auf jeden Fall um einen Termin für eine Auffrischungsimpfung bemühen."

Wird jetzt durch die Verknappung von Biontech vorrangig mit Moderna geimpft, dann ist das laut Specht "völlig in Ordnung." Nur für all diejenigen, die unter 30 Jahre alt sind, kommt dieses Vakzin nicht infrage. "Als reine Vorsichtsmaßnahme bekommen die jüngeren Leute weiterhin lieber Biontech verimpft. Für alle Ü30-Jährigen ist Moderna nicht problematisch. Vor allem, weil bei einer Booster-Impfung mit Moderna nur eine halbe Dosis verabreicht wird." (vdü)

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