RTL-Reporter Daniel Koschera ist ein Nikotin-Neuling. Er testet für uns zum ersten Mal Nikotinbeutel, auch Snus genannt. Das Team der Tabakambulanz checkt dabei regelmäßig seine Blutwerte, Blutdruck und Puls.
Bereits nach nur fünf Minuten macht sich der Kreislauf bemerkbar: „Meine Hände sind kalt. Jetzt wird mir am ganzen Körper gerade kalt. So langsam scheppert's . Jetzt geht es auch auf den Rachen. Jetzt spüre ich es ganz unangenehm im Rachen. Oh, jetzt wird mir schwindlig.“
Nach neun Minuten hat er die Schnauze voll. Der Nikotinflash kommt erst jetzt: Daniel wird schlecht. Das Nikotin ist über die Mundschleimhaut ins Blut gelangt. Und sein Blutdruck nach einer halben Stunde im Keller.
Eine durchschnitte Zigarette hat zehn Gramm Nikotin, dieser Beutel hatte 17. Daniel: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so stark wirkt.“ Hergestellt werden die Nikotinbeutel von großen Tabakproduzenten. Ihr Verkauf in Deutschland ist verboten, der Konsum aber nicht.
Jan Mücke, Bundesverband der Tabakwirtschaft: „Das ist ein Produkt, das sich in erster Linie an schwere Raucher richtet, die Menschen, die einen hohen Nikotinkonsum schon heute haben, und denen schon selber klar ist, dass wenn sie drei Schachteln am Tag rauchen, dass das der Gesundheit nicht förderlich ist. Dieses Produkt ist eine Möglichkeit, den Nikotinkonsum möglich zu machen, ohne dass die oberen Atemwege belastet werden.“
In Deutschland sterben jedes Jahr rund 170.000 Menschen an den Folgen des Tabakskonsums. Bei Nikotinbeuteln gibt es keinen Rauch und keinen Lungenkrebs, so die Hersteller.
Jan Mücke: „Es findet keine Verbrennung von Tabak statt, und damit ergibt sich ein gesundheitliches Risiko, das sich ungefähr auf dem Niveau bewegt wie ein klassischen Nikotinpflasters.“
Rauchfrei? Ja. Aber frei von Nikotinsucht? Wohl kaum. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm ist der Tabak in Beuteln geradezu Kulturgut und an jeder Ecke zu kaufen: in eigenen Shops, in Kiosken, Supermärkten und im Duty free. Passant: „Weil das in Schweden so normalisiert ist, jeder will es mal versuchen. Und wenn du es versuchst, wirst du süchtig.“ Die Nikotinbeutel werden hier in bunten Dosen und gar in 940 Geschmacksrichtungen verkauft.
Im Netz wird Snus mit Wetten und Mutproben verharmlost: Wer kann sich mehr davon in die Nase oder in den Mund stecken... bis zum Erbrechen?
Helen Stjerna arbeitet in einer Initiative für Rauchfreiheit in Schweden - Snus sei dafür aber nicht das richtige Mittel: „Es hat eine Nikotinepidemie ausgelöst in der schwedischen Jugend. Sie kommen zu mir und sagen, ich würde gern aufhören, aber ich schaffe es nicht. Ich kann nicht mehr schlafen ohne, ich kann meine Hausaufgaben nicht machen ohne. Man wird sehr schnell süchtig.“
Auch viele Jugendlichen in Deutschland haben laut einer Studie schon einmal probiert: 15 Prozent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen. Sie könnten Neukunden werden, befürchten Ärzte.
Arzt: „Die Tabakindustrie sieht: Die Raucherquoten gehen runter. Und da brauchen sie neue Produkte, weil sie wissen, wenn sie Jugendliche an ihr Produkt gewöhnen, dann konsumieren die 15, 20, 30 Jahre lang ihr Produkt.“
Die Hersteller werben dennoch für eine Legalisierung. Jan Mücke, Bundesverband der Tabakwirtschaft: „Wir sagen nicht, dass das völlig ungefährliche Produkte sind, das ist nicht der Fall. Aber als erwachsener Mensch kann ich die Entscheidung selbst treffen.“
Eine Entscheidung, die man aber wohl nur VOR einer Sucht treffen kann. Auch wenn Snus ganz ohne Rauch funktioniert, Kinder und Jugendliche sollten sich von dieser Droge fernhalten.