Im Jahr 2019 verbringt Familie Kiessling ihren ersten Urlaub zu dritt an der spanischen Costa Dorada. Mutter Julia macht Tee und stellt die Tasse mit heißem Wasser ganz hinten auf den Tisch. „Ich drehe mich um und in dem Moment kam dann schon ein Schrei”, erinnert sie sich. Die kleine Marlene reißt den Becher mit 200 Milliliter kochend heißem Wasser um. Sie verbrüht sich 30 Prozent ihrer Hautoberfläche. Ein Rettungshubschrauber fliegt das Kind sofort in die Uniklinik nach Barcelona. Dort soll Haut von ihrem Rücken auf die Brust transplantiert werden. Doch ihre Eltern sind dagegen, aus Angst vor weiteren Wunden für Marlene.
Zurück in Deutschland erfahren sie von einer bahnbrechenden Methode, die Professor Dr. Heinrich Planck in Kirchheim unter Teck entwickelt hat. Es handelt sich um eine künstliche zweite Haut, die wie ein einfaches weißes Blatt Papier aussieht. Diese wird direkt auf die Wunde gelegt. So kann Wundflüssigkeit entweichen, aber keine Bakterien eindringen. „Die Hautbildung wird angeregt. Das Hautwachstum wird angeregt durch die Milchsäure, die da freigesetzt wird. Und dadurch kann der Körper die Haut wieder schnell regenerieren und hat keine Schmerzen”, so der Mediziner. Zweimal operieren die Ärzte Marlene und versorgen sie mit der neuen Ersatzhaut.
Heute, sieben Jahre später, treffen wir Marlene beim Spielen mit ihrem Bruder Moritz. Sie ist ein ausgelassenes und fröhliches Kind, das von den Verbrennungen nichts mehr spürt. „Also merken tue ich jetzt nichts. Also in der Schule fragen die oft, wie die Narbe passiert ist, dann erzähle ich das oft schon”, berichtet die Achtjährige.
Ihre Mutter Julia blickt dennoch mit Sorge in die Zukunft, besonders auf die Pubertät. Bei einer Kontrolluntersuchung im Klinikum München-Schwabing zeigt sich Oberarzt Dr. Carsten Krohn jedoch sehr zufrieden. Er hat Marlenes Verbrennungen damals behandelt. Die wenigen verbliebenen Narben sind weich und die Ärzte mussten keinen Quadratzentimeter Haut transplantieren. Für die Eltern ist das eine große Erleichterung. Marlenes Oberkörper kann sich wohl ganz normal entwickeln und hat eine unbeschwerte Kindheit vor sich.