Jugendliche in der Krise

Psychologin über Angst-, Zwangs- und Essstörungen nach Pandemie-Zeit: "Wir müssen die Kids entlasten!"

Therapeutin sieht Jugendliche als Opfer der Pandemie-Zeit Junge Psyche leidet
03:10 min
Junge Psyche leidet
Therapeutin sieht Jugendliche als Opfer der Pandemie-Zeit

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Die vergangenen Monate und Jahre haben uns psychisch ganz schön mitgenommen. Während Virologen jetzt von einem Ende der Pandemie sprechen, haben Jugendliche noch immer – teilweise extrem - mit den Auswirkungen von Corona zu kämpfen. Wie gravierend das ihren Alltag bestimmt und was die Betroffenen und Eltern tun können, zeigen wir im Video!

Fast doppelt so viele Jugendliche sind ernsthaft emotional gestört

42 Prozent mehr Jugendliche wurden 2022 im Vergleich zum Vorjahr wegen einer emotionalen Störung im Krankenhaus aufgenommen. Außerdem stiegen die depressiven Episoden, die stationär behandelt werden mussten, um 28 Prozent. Und auch der Anteil der Essstörungen hat sich bei den 15- bis 17-Jährigen um 17 Prozent gesteigert. Das sind alarmierende Zahlen, die uns der Kinder- und Jugendreport 2022 der DAK vor Augen hält. Was hat die Pandemie mit all ihren Einschränkungen nur bei den Jugendlichen angerichtet?

Miriam Hoff, Psychotherapeutin in Frankfurt, sieht in ihrer Praxis ganz deutlich die Folgen der Corona-Isolation bei den Kindern und Jugendlichen.
Miriam Hoff, Psychotherapeutin in Frankfurt, sieht in ihrer Praxis ganz deutlich die Folgen der Corona-Isolation bei den Kindern und Jugendlichen.
RTL

Kinder- und Jugendtherapeutin Miriam Hoff: Die Angst kam mit Corona

„Ich sehe oft Angststörungen und auch Zwangsstörungen. Angststörungen, selbst zu erkranken oder auch die Ängste, Familienmitglieder angesteckt zu haben. Dann auch die Zwangsstörung sich ständig waschen zu müssen: Waschzwang. Aber auch diese Zwangsgedanken, dass ich mich anstecken könnte oder auch eine schwere Erkrankung durch Corona entwickeln könnte. Das ist schon eine Sache, die wir gerade jetzt sehr intensiv sehen“, beschreibt die Frankfurter Kinder- und Jugendtherapeutin Miriam Hoff. In ihrer Praxis gäbe es „jetzt unheimlich viel Anfragen, Nachfragen nach Psychotherapieplätzen. Weil sich die Psyche jetzt in ihrer Gänze oder eher die Verletzung der Psyche jetzt erst zeigt.“

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Jugendliche müssen von Schuldgefühlen entlastet werden

Die Emotionen wiegen schwer, gerade in diesem prägenden Alter. Auch wenn nicht jeder Jugendliche gleich stationär behandelt werden muss, so sollten Eltern doch auf Warnzeichen achten. Denn: Viele junge Menschen nach den Corona-Jahren im Alltag von negativen Gefühlen belastet. Kontakteinschränkungen, Homeschooling, rund um die Uhr Maske tragen, ständige Warnungen vor Ansteckungen: Diese Alltagseinschränkungen gingen gerade an eh schon ängstlichen und sensiblen Jugendlichen nicht spurlos vorbei. Und da müssen Erwachsene ins Spiel kommen und lenken: „Zunächst ist es einmal wichtig die Jugendlichen von den Schuldgefühlen zu entlasten. Denn sie haben ein Recht auf eine unbeschwerte Jugend. Und sie haben alles getan, was wir, die Gesellschaft, andere von ihnen erwartet haben. Und jetzt ist es einfach an der Zeit, an sich zu denken und in die Selbstfürsorge zu gehen.“

Lese-Tipp: Was Eltern wissen sollten: Versteckte Alarmsignale! Psychische Störungen bei Kindern erkennen und richtig handeln

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Tipps gegen Depression: 30 Minuten täglich Zeit für Sorgen - aber dann ist auch Schluss!

Und die Kinder- und Jugendtherapeutin greift in die Trickkiste der Psychotherapie: Wenn Jugendliche merken, dass sie in einer „Grübelschleife“ stecken, empfiehlt die Expertin, einfach „Stopp“ zu sagen, ein akustisches Signal, um mit dem „Sich-Herunterziehen“ aufzuhören. Schöne Erinnerungen oder bewusste Vorfreude auf ein künftiges Ereignis helfen, so Hoff. Auch die sogenannte „Worry Time“ kann sinnvoll sein. Hier nimmt man sich bewusst 30 Minuten am Tag Zeit, um sich mit seinen Sorgen auseinanderzusetzen. Ist die Zeit abgelaufen ist es dann aber auch wichtig die negativen Gedanken beiseite zu schieben und sich wieder dem Alltag zu widmen.

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Wenn die Überforderung bleibt - professionelle Hilfe suchen!

Und nicht nur für Jugendliche gilt laut Therapeutin: „Wenn ich merke, dass ich meinen Alltag nicht mehr so leben kann: Wenn ich morgens nicht mehr aus dem Bett komme, dass ich gar keine Lust oder Motivation habe mich mit Freunden zu treffen. Dass ich viele Dinge, die mir früher leicht gefallen sind, so nicht mehr leisten kann. Wenn ich also merke, dass ich mental überfordert bin und zwar über einen längeren Zeitraum – wir sagen immer so zwei bis drei Wochen- dann sollte ich mir professionelle Hilfe suchen.“ Die meisten Krankenkassen bieten einen Ärzteführer an, mit dem man den passenden Psychologen oder Therapeuten online suchen kann. Auch der Hausarzt kann betroffenen Jugendlichen weiterhelfen und psychologische Hilfe vermitteln. Die Kosten für mehrere Therapiestunden werden in der Regel übernommen. (npa/gmö)