Ihr Wissen ist wichtiger denn je, aber...Viktoriia (21) wünscht sich, dass ihr Beruf weniger gebraucht wird

Viktoriias gefertigte Prothese wird anprobiert
Viktoriias gefertigter Prothesenschaft wird anprobiert.
RTL Nord
von Marian Rösner und Dylan Brandes

Unterstützung kommt aus Niedersachsen.
Eine gut sitzende Prothese hilft Kriegsverletzten, wieder selbstständiger zu leben. Doch in der Ukraine fehlen Fachkräfte, die sie anpassen. Das Medizintechnikunternehmen Ottobock unterstützt deswegen ukrainische Orthopädietechniker mit einer Weiterbildung im niedersächsischen Duderstadt. Denn die jungen Techniker werden dringend gebraucht.

Viktoriia lernt für die Menschen in ihrer Heimat

„Ich bereite den Schaft für die Anprobe vor. Ich habe ihn bereits in die richtige Form gebracht und jetzt geht es darum, die ganzen Kanten und scharfen Ecken glatt zu schleifen, damit es für den Patienten so angenehm wie möglich ist”, erklärt Viktoriia Kirashchuck beim Anfertigen einer Prothese im RTL-Interview. Die 21-jährige Ukrainerin ist Orthopädietechnikerin und bildet sich für sechs Wochen beim Medizintechnikunternehmen Ottobock in Duderstadt weiter.

Lese-Tipp: Der Ukrainer kommt als verletzter Kriegsveteran nach Hamburg – Vladyslav trägt den Krieg in seinem Körper

„Ich wollte schon immer etwas tun, was Menschen wirklich hilft und keine monotone Arbeit ist.” Mit vier weiteren Technikern aus der Ukraine lernt sie dort, Prothesen individuell anzupassen. In ihrer Heimat wird dieses Wissen dringend gebraucht.

Video-Tipp: „Nicht einfach aufgeben und hinlegen!”

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Mehr Schwerstverletzte und Mangel an Technikern

Ottobock ist Weltmarktführer im Bereich Prothetik und betreibt 45 Standorte auf der ganzen Welt – auch in der Ukraine. Doch durch den anhaltenden Krieg steigt die Zahl der Schwerstverletzten, bei denen Arme oder Beine amputiert werden müssen. Gleichzeitig fehlt es an Orthopädietechnikern.

RTL+ Streaming Tipp
RTL Nord NDS / HB
Jetzt auf RTL+ streamen

„In der Ukraine sind es nicht mehr als 500. Und die sind aktuell in der Situation, wo sie Zehntausende von Versehrten versorgen müssen”, erklärt Tim Schäfer, Regionalpräsident Osteuropa bei Ottobock. „Und deswegen ist es so wichtig, dass man Schulungen anbietet, dass man die nächste Generation der Orthopädietechniker ausbildet. Und leider ist das eben nicht immer vor Ort möglich durch unser Personal, sondern wir müssen das verstärken durch Angebote hier.” Unterstützt werden die Kursteilnehmer unter anderem von einer Dolmetscherin. Die meisten von ihnen sprechen auch Englisch.

Wünsche mir „dass nicht so viele darauf angewiesen wären”

„Also man merkt natürlich, dass sie sehr leiden und sie sind auch erst etwas introvertiert”, gibt Karim Diab einen Einblick in die Arbeit der Kursteilnehmer. Er ist einer von vier Trainern, der den ukrainischen Kollegen hilft, ihre Fertigkeiten zu verbessern. „Aber was man auch sehr merkt, sie sind sehr, sehr motiviert.”

Lese-Tipp: Im Visier des Kreml! Wie der hybride Krieg Schleswig-Holstein erreicht

Seit 2023 werden die Kurse angeboten. Während Ottobock die Trainings bezahlt, übernimmt der jeweilige Arbeitgeber die Reise- und Übernachtungskosten seiner Mitarbeitenden.

Viktoriia bereitet einen Prothesenschaft vor. Ein Verbindungsstück zwischen Körper und der eigentlichen Prothese.
Viktoriia bereitet einen Prothesenschaft vor. Ein Verbindungsstück zwischen Körper und der eigentlichen Prothese. 
RTL Nord

Der Wunsch des Unternehmens und der Teilnehmer ist es aber, wieder stärker vor Ort in der Ukraine helfen zu können. „Eigentlich wünsche ich mir, dass mein Beruf gar nicht so wichtig und relevant wäre”, ist Viktoriia überzeugt. „Dass ich einfach ein paar Leute mit Prothesen versorgen könnte und nicht so viele darauf angewiesen wären.”

Verwendete Quellen: RTL Nord-Recherche