Der Ukrainer kommt als verletzter Kriegsveteran nach Hamburg Vladyslav trägt den Krieg in seinem Körper

Ein junger Mensch, gezeichnet vom Schlachtfeld.
Mit 26 Jahren trägt Vladyslav noch 20 Granatsplitter in sich, leidet unter Anfällen, chronischen Schmerzen und Albträumen – Folgen aus einem jahrelangen Kampf an der Front in der Ukraine. Heute kämpft er in Hamburg einen neuen, schweren Kampf.
Vladyslav fühlte sich verpflichtet, in den Krieg zu ziehen
2017 macht Vladyslav seinen Schulabschluss in der Ukraine, er verweigert den Kriegsdienst und studiert Jura in Mariupol. Als er 22 Jahre alt ist, greift die russische Armee seine Heimat an. Als alle in den Krieg ziehen, fühlt auch er sich dazu verpflichtet. Es ist ein gemeinsames Aufbäumen gegen das, was ihrem Zuhause angetan wird. „Damit man das versteht: Es gab natürlich sehr viele negative Momente im Krieg. Aber ich habe mich dort gefühlt wie ein Fisch im Wasser. Gestern habe ich sozusagen noch davon gelebt, dass ich dort kämpfe“, erklärt Vladyslav im Gespräch mit RTL. Seine Stimme bricht immer wieder, während er über den Krieg spricht.
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Er verteidigt das Asowstal-Stahlwerk, einen der grausamsten Schauplätze des Krieges in der Ukraine. Wochenlang harren Soldaten und Zivilisten in unterirdischen Gängen aus, ohne genug Wasser, ohne verlässliche Medizin. Dann wird Vladyslav für insgesamt 21 Monate von russischen Streitkräften gefangen genommen. Stromschläge, Waterboarding, Unterernährung und Hundebisse gehören zu seinem Alltag.
Ein neues Leben beginnt, doch der Schmerz bleibt
Nach einem Gefangenenaustausch kommt Vladyslav 2023 schließlich nach Hamburg und beginnt ein völlig neues Leben. Die Straßen sind ruhig, die Bäume grün, aber Ruhe heißt für ihn nicht Heilung. Schmerzen begleiten ihn jeden Tag. Er leidet dauerhaft unter Schwindel und Kopfschmerzen. „Jedes Mal, wenn die Schmerzen kommen, erlebe ich den Moment noch einmal, in dem ich sie bekommen habe“, erklärt Vladyslav im Gespräch mit RTL.

Neben den 20 Granatsplittern, die sich bis heute in seinem Körper befinden, kämpft er mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und mit epileptischen Anfällen, die sich nicht durch Medikamente in den Griff bekommen lassen. Morbus Crohn quält seinen Darm, sein linker Arm ist gelähmt, die Beine gehorchen nicht zuverlässig. Schlaflosigkeit und anhaltende Schmerzen sind sein Alltag und das mit gerade einmal 26 Jahren.
Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt
In Hamburg lernt Vladyslav dann Anna Preine-Kosach kennen. Sie ist Vizepräsidentin eines ukrainischen Hilfsvereins. Sie unterstützt ihn bei allem, bis sich zwischen den beiden mehr entwickelt. Vladyslav und Anna verlieben sich und werden ein Paar. Heute wohnen sie zusammen in Hamburg Blankenese. „Es gibt so ein ukrainisches Lied: Ich trinke aus deinen Handflächen, ich esse aus deinen Händen. Ich lebe von deinen Händen. Wenn du die Bedeutung ein wenig überträgst, dank dir lebe ich heute noch“, sagt Vladyslav mit leiser Stimme zu seiner Anna.
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Anna und Vladyslav arbeiten gemeinsam daran, seine physischen und psychischen Wunden aufzuarbeiten, doch das ist gar nicht so einfach. „Einen ukrainisch sprechenden Psychotherapeuten zu finden, ist nicht möglich. Hier würden russisch sprechende Psychotherapeuten überhaupt nicht passen, weil die russische Sprache für ihn selbst ein Trauma ist“, erzählt Anna Preine-Kosach, Vizepräsidentin eines ukrainischen Hilfsvereins, im Gespräch mit RTL. Auch wenn sie alles versuchen, sind die Behandlungsmöglichkeiten für Vladyslav begrenzt. „Es ist richtig schwer. Es gibt sehr viele Schmerzmittel, was wieder seinen Magen-Darm-Trakt belastet. Wir versuchen, verschiedene Therapien mit Ablenkung zu üben. Man lernt, damit zu leben, aber das Leben wird nicht schön davon.”
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Sein neuer Kampf gegen die Ungerechtigkeit
Trotz des schlimmen Traumas denkt Vladyslav oft an seine Heimat. Weil er aufgrund seiner Verletzungen nicht zurück in die Armee kann, obwohl er das gerne wollen würde, entscheidet sich Vladyslav, sein Jurastudium in Hamburg abzuschließen. „Als weiteres Mittel, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen“, erklärt er. Er beginnt ein Praktikum in einer Kanzlei. Dort führt er mit Worten neue Gefechte – statt mit Waffen.
Doch seine Schmerzen holen ihn jedes Mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Nun, prinzipiell, beginnen meine Beine gerade in ganz normalen Momenten einfach nachzugeben. Es ist eine ständige Erinnerung daran, woher ich komme und wer ich bin“, sagt Vlad. Nach außen wirkt vieles normal, doch innen drin dominiert weiter der Krieg – in Schmerzen, in Angst und in jeder Bewegung.
Verwendete Quellen: eigene RTL‑Recherche






























