Was vor allem im Alter hilft

Bis zu 30 Jahre vor dem Ausbruch! Auf diese Parkinson-Warnsignale sollten Sie achten

Auf diese Parkinson-Warnsignale sollten Sie achten Bereits „20, 30 Jahre vorher“
02:59 min
Bereits „20, 30 Jahre vorher“
Auf diese Parkinson-Warnsignale sollten Sie achten

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von Daniela Halm

Zitternde Hände, steife Muskeln, ein unsicherer Gang – das sind typische Symptome der Parkinson-Erkrankung. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen daran, bisher ohne Aussicht auf Heilung. Das soll sich mithilfe einer großen, internationalen Studie ändern, die die Michael J. Fox Foundation finanziert. Die Daten zeigen, dass Parkinson nicht erst mit muskulären Problemen beginnt. Schon viele Jahre vorher deuten andere Symptome auf die Erkrankung hin. Je früher aber Parkinson erkannt wird, desto besser kann man behandeln, so die Hoffnung der Ärzte.

Medikamente können nur lindern

Christian Petersen hat bisher nur milde Symptome. Bei dem 41-Jährigen zittert die linke Hand. Mehrmals am Tag nimmt er Medikamente, die ihm bisher gut helfen. Die Diagnose Parkinson erhielt der dreifache Familienvater vor zwei Jahren. Sein großer Wunsch ist, „dass es möglichst nicht schlechter wird“, aber auch, „dass man die Krankheit grundsätzlich irgendwie behandeln kann“.

Denn bisher gilt Parkinson als nicht heilbar. Medikamente können nur lindern, die Krankheit aber nicht aufhalten. „Wir sehen hier jeden Tag enorm viele Parkinson-Patienten in unterschiedlichen Stadien und das ist schon hart, weil man einfach nichts tun kann“, so die Professorin Brit Mollenhauer.

Auf der Suche nach Heilung

Mollenhauer ist Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, einer Fachklinik für Parkinson. Für viele Patienten ist die Erkrankung ein großer Einschnitt in den Alltag und Verlust der Lebensqualität. Doch genau das will Mollenhauer ändern. Sie ist beteiligt an einer großen internationalen Beobachtungsstudie der Michael J. Fox Foundation, die weltweit Forschung finanziert, um nach Heilungsansätzen zu suchen. Deren Gründer, Schauspieler Michael J. Fox, wurde erst kürzlich mit dem Governors Awards für seinen Einsatz für Parkinsonkranke geehrt. Der heute 61-Jährige erhielt die Diagnose bereits mit 29 Jahren.

Lese-Tipp: Lässt sich Parkinson bald an der Haut erkennen?

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Parkinson beginnt 20 Jahre früher

Eine Frau versucht sich mit zitternden Händen die Schuhe zuzubinden.
Parkinson lässt sich, laut neuesten Forschungsergebnissen, doch schon früher erkennen.
Ute Grabowsky, Ute Grabowsky/photothek.net

Die Studie zeige bereits jetzt schon, so Mollenhauer: „Wir sind wahrscheinlich zu spät.“ So versuche man jetzt, Risikopatienten früher zu entdecken, um Parkinson zu verhindern. Bereits 20 Jahre vor den eigentlichen Symptomen können ganz andere Symptome auftreten, etwa besondere Schlafstörungen oder ein verminderter Geruchssinn.

Parkinson ist eine chronische, fortschreitende Nervenerkrankung, die zweithäufigste dieser Art nach Alzheimer. Dabei sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die für die Bewegungen zuständig sind. Das führt zu den typischen Symptomen wie Zittern. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind oft bereits 70 Prozent der Nervenzellen im Gehirn zerstört. Noch immer ist die Ursache der Erkrankung nicht geklärt.

Im Video: Parkinson-Erkrankung ausgelöst durch Pestizide?

Parkinson-Erkrankung ausgelöst durch Pestizide? Pestizide eine Gefahr für Parkinson?
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Pestizide eine Gefahr für Parkinson?
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Riechstörungen als Frühsymptom

Christian Petersen kommt regelmäßig zur Kontrolle in die Elena-Klinik in Kassel und nimmt auch an der Parkinson-Studie teil. Bei dem 41-Jährigen begann es mit einer Riech-Störung. Im Weihnachtsurlaub kochte seine Frau nebenan, doch ihm fiel auf, dass er das nicht riechen konnte. Da habe er gemerkt, dass irgendetwas nicht stimme. In der Klinik macht er einen Riechtest, doch ob Vanille, Lakritz oder Pfefferminz – er kann den Geruch nicht erkennen.

Ein weiteres Frühsymptom von Parkinson kann eine Störung des Traumschlafs, der REM-Schlaf-Phase, sein. Statt dass die Muskeln entspannen, beginnen Patienten sich heftig zu bewegen. „Manche schlagen auch ihren Bettpartner, manche reden im Schlaf, rufen oder schreien auch. Meistens sind es negative Trauminhalte, die dann ausgelebt werden“, so Mollenhauer, „das kann 20 bis 30 Jahre vor dem Auftreten der Parkinson-Erkrankung isoliert auftreten und sollte einem schon so ein bisschen Warnung sein.“ Mollenhauer möchte wachrütteln, Patienten sollten auf solche Signale achten und das frühzeitig abklären. „Leider wissen es auch viele Ärzte nicht, aber das ist so charakteristisch für Parkinson und es ist unheimlich wichtig, darüber aufzuklären“, so die Ärztin.

Lese-Tipp: Parkinson – Symptome, Ursachen und Therapie

Ein gesunder Lebensstil schützt

Bisher können Medikamenten die Symptome der Erkrankung nur lindern, ihren Verlauf aber nicht aufhalten. Mollenhauer hofft, dass man mit einer frühzeitigen Diagnose Parkinson in Zukunft sogar stoppen kann. Studien wie die der Fox Foundation helfen dabei, die Krankheit besser zu verstehen und neue Medikamente zu entwickeln. Doch man kann auch selbst etwas tun, um das Risiko einer Erkrankung zu reduzieren. „Das ist tatsächlich Sport und gute Ernährung, nicht zu viel Stress“, so Mollenhauer, eine gesunde Lebensweise könne schützend wirken.

Bei Christian Petersen allerdings ist die Krankheit genetisch bedingt. Auch er hofft, die Krankheit mit Bewegung etwas aufhalten zu können. Täglich fährt er mit dem Fahrrad zur Arbeit und geht mit seiner Frau tanzen, um das Muskelgedächtnis auf Trab zu halten. „Das Tanzen ist für uns sehr schön“, so Petersen, denn auch auf seine Stimmung wirke sich das positiv aus. Sein großer Wunsch ist, dass es bald bessere Behandlungsmöglichkeiten gibt und dass er noch lange so aktiv bleiben kann.