Darlehen gesucht – Abo abgeschlossen?: Inkasso-Inferno! Plötzlich wollen neun Firmen Geld von RTL-Zuschauer (69)
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Rentner Horst Vink braucht vor einem Jahr dringend Geld. Seine Schwester ist überraschend gestorben, und er recherchiert im Internet nach einem Darlehen für die Beerdigungskosten. Einige Monate später fällt der 69-Jährige beim Öffnen seines Briefkastens aus allen Wolken: Ein Inkasso-Unternehmen behauptet, er habe ein Abo abgeschlossen. Und möchte nun Geld sehen.
Sie klingen harmlos – fast schon hilfreich. Bonichecker, Kreditwerk, Score Helfer, Check-Dein-Score. Sie versprechen Blitz-Hilfe bei der Kreditsuche oder sogar die angebliche Löschung von Schufa-Einträgen. Doch wer sich darauf einlässt, kann offenbar kräftig draufzahlen. Ich treffe mich mit Horst Vink. Der 69-Jährige hat mich um Hilfe gebeten. Seit Monaten kämpft er gegen Inkasso-Schreiben an, die aus seiner Sicht ungerechtfertigt sind. Alles beginnt vor gut einem Jahr. Horst Vink braucht dringend einen kurzfristigen Kredit. 2000 Euro. Also macht er das, was viele machen: Er schaut im Internet nach einer schnellen Lösung. „Meine Schwester ist kürzlich verstorben. Ziemlich überraschend. Beerdigungskosten etc. habe ich nur mal im Internet nach einem Darlehen recherchiert. Habe aber nirgendwo etwas abgeschlossen oder sonst was.“ Monate später dann der erste Schock. Horst Vink hat seine Suche im Netz längst wieder vergessen. Doch dann liegt in seinem Briefkasten ein Schreiben eines Inkasso-Unternehmens. Der Absender: Culpa Inkasso. Die Firma behauptet, Horst Vink habe ein Abo unter anderem für angebliche Bonitätsprüfungen abgeschlossen. Sie fordern über 160 Euro – und auf diesen Brief folgen wenig später noch viele weitere. Horst Vink legt mir heute eine Liste vor. Darin hat er alle derzeitigen Mahnschreiben minutiös aufgelistet. „Sie sind 35 Mal kontaktiert worden von nur zwei Inkassounternehmen . 35 Mal“
„Richtig.“ „Im Zeitraum von einem guten Dreivierteljahr.“ „Einem halben Jahr.“ „Halbes Jahr.“ „Halbes Jahr. Da sind aber noch nicht die Schreiben mitgerechnet, die mir der Rechtsanwalt König geschickt hat.“
Insgesamt bei neun Anbietern soll Horst Vink verschiedene Abos abgeschlossen haben. Bemerkenswert: Trotz deutscher Namen sitzen alle Firmen angeblich in England – also in einem Land, das nicht mehr der EU angehört. Das macht es rechtlich komplizierter, sich dagegen zu wehren. „Da heißt es, beim Finanzclub hätten Sie eine Mitgliedschaft abgeschlossen. Kennen Sie die überhaupt?“ „Nein, keine Ahnung.“ „Also all diese komischen Firmen aus England usw. sind mir gänzlich unbekannt.“ Horst Vink ist offenbar in eine Abo-Falle getappt – und zwar in eine, die es in sich hat. Ein ganzes Netz von dubiosen Firmen stellt auf einmal Forderungen. Eigentlich hat der deutsche Gesetzgeber hier einiges getan, um Verbraucher zu schützen. Doch die Betrüger haben ihre Maschen angepasst, wie ich noch erfahren werde. Dann schaltet sich auch noch ein dubioser Anwalt namens Albrecht König ein. In E-Mails fordert auch er Geld und droht mit einem Gerichtsverfahren. „Aber haben all diese Firmen und der Anwalt irgendwann mal auf Ihre Widerspruchs-Schreiben reagiert?“ „Nein. Absolut nicht.“ „Nicht ein Einziger?“ „Nicht ein einziger.“ „Von den rund 50 Schreiben, die hin und her gegangen sind.“ „Es ist nie… es heißt immer wieder schreiben, sie reagieren nicht.“ Doch Horst Vink reagiert – und wie! Er beschwert sich bei der Anwaltskammer Stuttgart über den dubiosen Anwalt und kurz darauf erhält er die Mitteilung, dass der Rechtsanwalt tatsächlich seine Zulassung verliert. Offenbar war Horst Vink nicht der Einzige, der sich beschwert hatte. „Ich kann mir vorstellen, dass hat Sie ein bisschen Stolz gemacht. Das schafft nicht jeder.“ „Ja, das war das Highlight in der ganzen Geschichte bisher.“ Doch gegen die Inkassofirmen kommt Horst Fink nicht alleine an, deshalb hat er mich um Hilfe gebeten. Die angeblich britischen Firmen behaupten, dass ihnen eine IP-Adresse als Beleg für einen Vertragsabschluss reiche. Also der vermeintliche Beleg, dass Horst Fink mit seinem Smartphone oder Computer auf ihren Seiten Aboverträge abgeschlossen habe. Doch ist das rechtens? Das werde ich klären. Zwei Inkassounternehmen spielen in diesem Fall eine wichtige Rolle. Eine davon ist die Euroinvest in Kassel. Die kenne ich bereits aus einem anderen Fall. Damals musste das Unternehmen die Forderungen gegenüber einem RTL-Zuschauer zurückziehen. Sie hat nämlich keine Beweise für einen Vertragsabschluss. Mal sehen, wie es diesmal ausgeht. Wochenlang verfolge ich die Spuren der angeblichen Firmen nach England. Doch sie führen in Sackgassen und die Zeit drängt. Bei mir melden sich weitere RTL-Zuschauer, die nach Krediten gesucht hatten und jetzt mit dieser Masche unter Druck gesetzt werden.
„Hallo Herr Keckeis, seien Sie gegrüßt.“ „Ich habe weder einen Vertrag abgeschlossen, noch habe ich irgendeine Zusage getätigt.“ „Ich habe den Vorgang abgebrochen, bei Score Helfer.“ „Von einem Inkassounternehmen Euro Investment Inkasso GmbH 3.500 Euro.“ „Dort möchte das Inkassounternehmen Culpa einen Betrag eintreiben von 244,76 Euro“. „Hey Leute, ich kenne euch gar nicht.“
Immer mehr Betroffene, immer mehr Forderungen, immer mehr Drohungen. Auch die Verbraucherzentrale hat damit immer häufiger zu tun. Oliver Buttler zeigt mir eine dubiose Internetseite, die seit kurzem Online ist. In den verschiedensten Variationen lese ich das Wort „Kredit“. Doch anstelle eines Kreditangebotes kauft man stattdessen Dienstleistungen, die man gar nicht haben will. Vermutlich erging es auch so den RTL-Zuschauern.
„Genau. Also es wird im ersten Moment ja mal verschleiert, dass ich überhaupt ein Abo schließe, weil es ja nur im Kleingedruckten steht und dann tatsächlich wie in diesem Fall mindestens wie man hier sieht, drei Firmen.“
Wer hier das Kleingedruckte überliest, hat auf einen Schlag über 800 Euro neue Schulden – statt eines neuen Kredites. Dieses Vorgehen ist laut Oliver Buttler illegal.
„Es muss der Nachweis erfolgen, dass sich beide Parteien über einen bestimmten Vertragsinhalt geeinigt haben. Es muss ein Angebot geben von dem Anbieter. Und auf der anderen Seite muss es ganz unmissverständlich meinen Willen als Kunden geben, dass ich diesen Vertrag so abschließen will. Und Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Vertrag explizit auch zusammengefasst ist, dass alle Kosten, die auf mich zukommen, genannt werden. Es muss ein Gesamtpreis genannt werden.“
Was sagen die Inkasso-Unternehmen dazu – und kann ich sie dazu bringen, die Forderungen an unsere Zuschauer fallen zu lassen? Culpa-Inkasso besuche ich persönlich – mit überraschendem Ergebnis. „Haben Sie einen Termin?“ „Guten Tag, Robert Keckeis. Ich vertrete zwei RTL-Zuschauer, die versuchen seit Wochen und Monaten von Ihnen die Informationen zu kriegen bezüglich Aboverträge, die sie angeblich abgeschlossen haben sollen.“ „Moment, ich rufe Ihnen jemand anderes.“
Die Frau geht, um jemanden aus der Geschäftsleitung zu holen. Doch die hat keine Zeit für mich. „Also, die Geschäftsleitung ist in einem Termin. Sie sollen schriftlich Ihr Anliegen, äh uns…“ „Na ja, also die zwei Zuschauer haben ja schon x mal angeschrieben.
„Ich weiß, aber ich darf Ihnen auch keine Auskunft geben.“ „Wann kriegen Sie denn dann die Belege dafür?“ „Schreiben Sie uns schriftlich.“
Das mache ich dann auch – und Culpa-Inkasso sichert mir daraufhin tatsächlich zu, die Forderungen gegen Horst Vink und Andreas Wilkes werden nicht weiterverfolgt. Das gebe ich an die beiden sofort weiter.
„Ja, hallo Herr Keckeis. Ich grüße Sie. Das sind super Nachrichten. Vielen, vielen Dank. Mir fällt da eine Last von den Schultern. Das können Sie sich gar nicht vorstellen.“
„Lieben Dank für die gute Info.“
Euro Invest Inkasso dagegen, das ja ebenfalls Forderungen erhebt, gibt mir keine Antwort. Funkstille. Doch hier will die Verbraucherzentrale die RTL-Zuschauer unterstützen. „Okay, wie reagieren Sie am besten, wenn Sie mit so einem Problem konfrontiert werden? Schreiben Sie das Inkassobüro an, widersprechen Sie zuerst mal fordern Sie alle Vertragsunterlagen an, denn einfach nur zu sagen, Sie haben irgendwo drauf geklickt und wir haben Ihre IP Adresse, das reicht nicht für einen legitimen Vertragsabschluss.“ Mein dringender Rat nach diesen Recherchen: Vorsicht vor verlockenden Kreditangeboten im Internet. Im Zweifelsfall ist doch eine Bank der bessere Ansprechpartner.
