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Corona in Deutschland: Warum Virologe Hendrik Streeck die 2G-Regel für gefährlich hält

Warum bekommen wir die Pandemie einfach nicht in den Griff?

Virologe Streeck: "2G halte ich für gefährlich!"

Virologe Streeck: "2G halte ich für gefährlich!" Pandemie nicht im Griff
03:25 min
Pandemie nicht im Griff
Virologe Streeck: "2G halte ich für gefährlich!"

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Freie Intensivbetten: Niedrigster Wert seit Beginn der Pandemie

Eine Inzidenz von 155, 2.332 Intensivpatienten und 707 Tote in 7 Tagen - die Bilanz am 4. November 2021 ist nicht gerade besser als die am gleichen Kalendertag des vergangenen Jahres, gelinde formuliert. Gleichzeitig sinkt die Zahl der freien Intensivbetten in Deutschland auf nur noch 2.503 - der niedrigste Wert seit Beginn der Pandemie. Trotz einer Impfquote von 70 Prozent macht uns die Delta-Variante im Herbst schwer zu schaffen. Warum bekommen wir die Pandemie einfach nicht in den Griff? Virologe Hendrik Streeck glaubt nicht, dass es mit 2G funktioniere wird - im Gegenteil. Seine Prognose für diesen Herbst und Winter sehen Sie im Video!

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Erst im Frühjahr 2022 dauerhafter Rückgang

Im Juni und Juli haben viele Experten, unter ihnen auch der Virologe Hendrik Streeck, Direktor des virologischen Instituts der Universität Bonn, davor gewarnt, dass es in Herbst und Winter wieder ansteigende Fallzahlen geben wird - und so kommt es nun auch. "Wir sind eben noch nicht durch und wir können erst im Frühjahr 2022 mit einem dauerhaften Rückgang der Infektionen rechnen", sagt er im RTL-Interview. Erst dann seien genug Menschen geimpft oder hätten eine Infektion durchgemacht haben. Aber selbst dann gilt: "Auch nächsten Herbst und Winter wird uns das Virus weiter begleiten."

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Flächendeckende 2G-Regelung sinnvoll?

Das politische Mittel der Wahl scheint jetzt eine möglichst flächendeckende 2G-Regelung zu sein. Mit der würden Ungeimpfte von sozialen und öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Wie sinnvoll ist das Ganze aus medizinischer Sicht? "Auf den ersten Blick", so Streeck, "wirkt das ja wie eine gute Regelung, aber ich halte sie für gefährlich." Der Virologe befürchtet, dass sich dadurch Ungeimpfte zum einen sehr viel weniger testen lassen werden.

Forsa-Umfrage: Jeder Vierte macht sich mehr Sorgen vor einer Infektion – viele Menschen rechnen mit Einschränkungen

Wie aus Studien und Umfragen bekannt geworden, würden die sich dadurch auch nicht zum Impfen drängen lassen. "Auf der anderen Seite haben wir aber das Phänomen, dass die Geimpften das Gefühl haben, nicht mehr Teil der Pandemie zu sein, dadurch vielleicht auch weniger auf Abstand gehen und keine Vorsicht mehr walten lassen, wenn sie mit Ungeimpften oder aber eben mit Risikogruppen in Kontakt kommen", so Streeck.

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Kostenlose Tests wieder zur Verfügung stellen

Weiterhin viel testen - das ist dem Virologen in diesem Herbst und Winter wichtig. Er empfiehlt dazu die Vorgehensweise des britischen Gesundheitssystems: "Dort gibt es repräsentative Stichproben, um das Infektionsgeschehen unter Geimpften und Ungeimpften genau zu verstehen", sagt Streeck. Das wurde seit Beginn der Pandemie nicht gemacht - und hoffentlich sei das eine Lehre für zukünftige Pandemien. "Daher finde ich es wichtig, dass wir die kostenfreien Tests für Geimpfte und für Ungeimpfte wieder anbieten, sodass jeder, der bei einem Risikokontakt Verantwortung übernehmen will, sich lieber einmal zu viel testet als einmal zu wenig." (ija)

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