Die vierte Welle ist in vollem Gange

Corona trotz Impfung! Harald K. ist dennoch "froh, geimpft zu sein"

Wenn Harald K. den Laptop aufklappt und arbeiten will, bekommt er Kopfschmerzen. Letze Woche Dienstag ist der positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Wenn Harald K. den Laptop aufklappt und arbeiten will, bekommt er Kopfschmerzen. Letze Woche Dienstag ist der positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Privat

von Maximilian Storr

Das Robert-Koch-Institut meldet 34.000 Corona-Neuinfektionen (Stand: 4.11.), ein neuer Höchstwert für Deutschland. Die vierte Welle ist in der Bundesrepublik schon in vollem Gange, obwohl mittlerweile 66,9 % der Gesamtbevölkerung doppelt geimpft sind. Die Krankenhäuser füllen sich wieder, vor allem Ungeimpfte ringen auf den Intensivstationen um ihr Leben. Aber es erwischt nicht nur sie: Auch doppelt geimpfte Menschen infizieren sich mit Corona. Harald K. ist einer von ihnen. Er sorgt sich vor allem um die Kopfschmerzen, die seit Beginn der Infektion sein Begleiter sind. Dennoch ist auch klar: Es hätte viel schlimmer kommen können!

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Kopfschmerzen bereiten Harald K. Sorgen

Seit neun Tagen sitzt Harald K. aus München in Quarantäne. Infiziert mit dem Coronavirus. Wo er sich angesteckt haben könnte, darüber rätselt er selbst noch. „Niemand in meinem Umfeld hat Corona, ich hatte keine Warnung auf der Corona-Warn-App. Es muss also eine Zufallsansteckung in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder einem Restaurant gewesen sein“, vermutet er im Gespräch mit RTL. Angefangen habe alles mit Fieber und Kopfschmerzen.

Gerade das Fieber flaute aber nach den ersten Tagen wieder ab. Dann kamen aber Geschmacks- und Geruchsverlust dazu. „Es ist wirklich heftig. Ich habe spaßeshalber auch extreme Gerüche wie Essigessenz oder Parfum ausprobiert und wirklich gar nichts gerochen“, beschreibt er. Sorgen bereiten ihm aber die Kopfschmerzen, die vor allem dann stärker werden, wenn er über einen längeren Zeitraum versucht zu arbeiten.

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Trotz Antikörpern infiziert

Trotz dieser Symptome gehört K. nicht zu den Infizierten, die es besonders schwer erwischt hat. Seine zweite Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca erhielt der 44-Jährige Ende Juni. In der vergangenen Woche ließ er auch einen Antikörpertest machen. Es stellte sich heraus, dass er einen sehr hohen Schutzwert hat. Dennoch infizierte er sich.

Auch Hündin Ina langweilt sich allmählich.
Auch Harald K. Hündin Ina langweilt sich allmählich.
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Mit der Zeit lässt die Wirkung des Impfstoffs nach

„Es gibt keinen genauen Schwellenwert, wo man sagen kann, hier liegt ein guter Schutzwert vor oder da gibt es keinen Schutz mehr. Generell kann man sagen, wenn man Antikörper nachweist, liegt ein gewisser Schutz vor, aber wir sehen auch Impfdurchbrüche bei Menschen, die einen Antikörperschutz haben und sich trotzdem infizieren“, erklärt Hendrik Streeck, Direktor des virologischen Instituts der Universität Bonn im RTL-Interview. Die Impfung hat also mit ziemlicher Sicherheit dafür gesorgt, dass Harald K. Corona-Verlauf milder ausgefallen ist. Und auch Harald K. bestätigt: „Ich bin schon froh, geimpft zu sein.“ Studien legen aber nahe: Mit der Zeit lässt die Wirkung des Impfstoffs nach.

AstraZeneca verliert offenbar am schnellsten seine Wirkung

Eine vorläufig zugelassene Studie aus Schweden geht zum Beispiel davon aus, dass der Impfschutz nach sieben Monaten fast komplett verschwunden ist – und damit auch der Schutz vor einem schweren Verlauf geringer ist. Laut „Quarks.de“ verliert der AstraZeneca-Wirkstoff am schnellsten seine Wirkung, die Kreuzimpfung sei dagegen am längsten effektiv. Und: „Wir sehen eine Häufung von Impfdurchbrüchen bei Menschen, die den Johnson&Johnson-Impfstoff bekommen haben und da ist anzuraten, auch nochmal eine Auffrischimpfung zu nehmen durch einen mRNA-Impfstoff“, sagt Virologe Streeck.

Ab dem 6. November darf Kränzle seine Wohnung voraussichtlich wieder verlassen.
Ab dem 6. November darf Harald K. seine Wohnung voraussichtlich wieder verlassen.
Privat, Kränzle

Nach Impfdurchbruch nur selten im Krankenhaus

Diese „Booster-Impfung“ wird derzeit für Über-70-Jährige auch von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Denn: Die Anzahl der Impfdurchbrüche steigt, weil die Wirkung bei vielen allmählich nachlässt: „Fast 40 % der stationären Aufnahmen bei Über-60-Jährigen durch Corona sind schon Geimpfte mit Impfdurchbrüchen“, sagte Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia im RTL-Interview. Insgesamt wurden laut RKI 117.763 wahrscheinliche Impfdurchbrüche identifiziert (Stand 28. Oktober). In den Kalenderwochen 39-42 waren 58,9% der positiv-getesteten über 60-Jährigen geimpft.

Aber: In Deutschland sind mittlerweile auch über 85% der Ü60-Jährigen doppelt geimpft, mit der Anzahl der Geimpften steigt logischerweise auch die Wahrscheinlichkeit der Impfdurchbrüche. Und dennoch stellt das RKI klar: „Betrachtet man den Anteil der Impfdurchbrüche an allen COVID-19-Fällen wird deutlich, dass nur ein geringer Anteil der hospitalisierten, auf Intensivstation betreuten bzw. verstorbenen COVID-19-Fälle als Impfdurchbruch zu bewerten ist.“

Harald K. darf seine Wohnung ab dem 6. November voraussichtlich wieder verlassen – dankbar dafür, dass die Corona-Infektion bei ihm relativ glimpflich verlaufen ist.