Alkoholkonsum hat deutlich zugenommen

Immer mehr Arbeitnehmer sind Trinker: Daran erkennen Sie, ob auch Sie alkoholsüchtig sind

Immer mehr Arbeitnehmer trinken Alkohol Alarmierende Zahlen
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Alarmierende Zahlen
Immer mehr Arbeitnehmer trinken Alkohol

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Nach einem stressigen Arbeitstag gönnen sich viele von uns mal ein Glas Wein oder ein Bier. Das wirkt auf viele entspannt und gehört mittlerweile fast schon dazu. Doch die Kaufmännische Krankenkasse KKH hat eine Studie zum Alkohol-Konsum gemacht und schlägt Alarm: Bei den 35 bis 39- jährigen Arbeitnehmern beispielsweise sei der Alkohol-Konsum in den letzten zehn Jahren um knapp 90 Prozent gestiegen. Aber ab wann kann denn das Bier oder Glas Wein zu viel werden? Mögliche Gründe und ab wann man überhaupt von einem Alkoholproblem spricht, sehen Sie im Video. Außerdem haben wir mit dem Allgemeinmediziner und Medienjournalist Dr. Christoph Specht gesprochen, der über die Gefahren des regelmäßigen Verzehrs von Alkohol aufklärt.

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Ab wann spricht man von einem Alkoholproblem?

Vielleicht haben Sie auch schon einmal einen Artikel gelesen und anschließend gedacht: Oh Gott, demnach bin ich ja Alkoholiker, wie kann das denn sein? Allgemeinmediziner und Medienjournalist Dr. Christoph Specht erklärt daher, dass es wichtig sei, zwei Begriffe ganz stark zu trennen. „Einmal den riskanten Konsum, da ist man sehr schnell dabei und ich bin mir sicher, der ein oder andere von uns gehört da schon dazu, und dann eben die Alkoholabhängigkeit, das ist schon die Stufe obendran.“

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Bei dem riskanten Konsum, gehe es demnach um die Mengen, die wir konsumieren. Aber ist das Glas Wein am Abend da schon verwerflich? „Wir haben schon so ein Gewöhnungsverhalten und viele rutschen dann schnell in die nächste Stufe, in die Abhängigkeit hinein – und da gibt es mehrere Kriterien. Die müssen nicht alle gleichzeitig erfüllt sein, wie zum Beispiel diese Toleranzentwicklung: Darunter versteht man, dass es immer mehr sein muss, damit man den entsprechenden Effekt bekommt. Man kann manche Dinge nicht mehr so ausüben, wie man sie früher ausgeübt hat, aufgrund des Alkohols“, erklärt Specht.

Kommen diese Faktoren zusammen, so spreche man bereits von der Alkoholabhängigkeit.

Ist bereits ein Glas Wein am Tag „gefährlich“?

„Ja, das muss man ernst nehmen, weil eben der Sprung vom riskanten Konsum zur Abhängigkeit relativ klein ist“, erklärt Specht. Glücklicherweise sei es auch nicht so, dass die meisten Menschen in der Abhängigkeit enden. Laut dem Experten spielen dabei auch die „Genetik“, das „Umfeld“ und „viele Faktoren“ eine Rolle. Dennoch solle man beachten, dass „Alkohol in den geringsten Mengen immer ein Zellgift ist und zwar für jede Zelle des menschlichen Körpers. Das ist und bleibt ein Gift“. Zwar werde öfter mal gesagt, dass ein Glas Rotwein gut für die Gefäße sei, bis die gute Wirkung jedoch eintreten könne, müsse so viel getrunken werden, dass der Alkohol das wieder zunichte mache.

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Wer ist besonders gefährdet?

Vor allem bei den 35-Jährigen und Älteren ist der Konsum alkoholischer Getränke gestiegen. Ein Grund dafür ist laut Specht unter anderem die Pandemie. In dieser Zeit hätten viele Menschen Zuhause gesessen und sich auch mal alleine ein oder zwei Gläschen gegönnt. „Bei den Jugendlichen haben wir in der Pandemie einen ganz anderen Effekt gesehen – nämlich den umgekehrten. Da ist der Alkohol-Konsum in der Pandemie-Zeit runtergegangen“, sagt der Allgemeinmediziner. Demnach hätten die Jugendlichen keine Gelegenheit gehabt, sich mit Freunden zu treffen, wodurch sie weniger Alkohol tranken.

„Da sieht man: Manche kommen eben über die Gesellschaft in diesen Alkoholkonsum hinein. Bei uns in Deutschland ist er, bezogen auf die ganze Welt, relativ hoch. Wir sind nicht in der Spitzenposition, aber recht weit oben“, so Specht.

Sind Alkoholpausen sinnvoll?

Dazu hat Dr. Christoph Specht eine ganz klare Meinung: „In jedem Fall. Jede Pause ist gut. Selbst die Pause von einem oder zwei Tagen in der Woche ist gut.“ Auch wenn sich laut dem Experten viele Konsumenten mit dem Verzicht auch selbst beweisen wollen auch „ohne das Zeug“ auszukommen – So einfach sei es nicht.

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„Leider geht’s nicht so, dass ich sagen kann: Ach, kann ich ja, dann kann ich kein Alkoholiker sein. Wir kennen den alten Begriff, früher hat man Quartalssäufer gesagt. Das sind die, die sind über Monate, Wochen clean sozusagen und dann einmal schlagen sie kräftig zu. Diesen Typ gibt es auch, der ist auch Alkoholiker“, erklärt Specht. Dennoch sei es laut dem Experten durchaus sinnvoll dem Körper Pausen zu gönnen. Denn: „Jede Pause hilft dem Körper sich zu regenerieren – vor allem die Leber, die ja doch stark belastet ist.“ (kko)

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Sollten Sie, eine Kollegin oder ein Kollege oder jemand, der Ihnen nahe steht, selbst betroffen sein, finden Sie an vielen Stellen Hilfe. Dazu gehören etwa Suchtberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen. Wir haben für Sie eine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt.