Große Chance für Norddeutschland? Die Nordsee soll Europas größtes grünes Kraftwerk werden

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Der Offshore-Windpark Dolwin Alpha in der Nordsee
Sina Schuldt/dpa

Zehnmal so viel Windkraftenergie bis 2050!
Dieses Ziel haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und fünf seiner europäischen Amtskollegen am Montag (26. Januar) beim Nordseegipfel in Hamburg beschlossen. Das ist aber noch lange nicht alles! Was das Gipfeltreffen der Staatschefs gebracht hat.

Aus Hamburg für ein grüneres Europa

Am Montag hatte Friedrich Merz die Regierungschefs von Norwegen, Luxemburg, Dänemark, Belgien und den Niederlanden zum Nordsee-Gipfel empfangen. Das Ziel: Die Nordsee solle zum „größten Reservoir für saubere Energie weltweit” werden, so Bundeskanzler Friedrich Merz.

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„Die meisten deutschen Windenergieprojekte werden von Hamburg aus gesteuert”, erklärt Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im RTL-Interview. „Als großer Seehafen wollen wir die Windenergie nach Hamburg holen. Wir wollen auch die Wasserstofftechnologie voranbringen.” Und genau darum ging es beim Nordseegipfel: Europas Energie soll grüner und unabhängiger werden.

Tausende neue Windräder bis 2050

1.371 Windräder stehen bereits vor der deutschen Nordseeküste, also „offshore” (Stand 31. Dezember 2025). Laut Dennis Kruse von der Deutschen WindGuard GmbH kommen in den nächsten Jahren, insbesondere ab 2031, noch deutlich mehr dazu. Das ist auch nötig, denn bisher liefern die europäischen Windparks in der Nordsee nur bis zu 35 Gigawatt Leistung. Bis 2050 sollen aber 300 Gigawatt grüner Strom in der Nordsee produziert werden!

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91.000 neue Arbeitsplätze

Dafür wollen die Staatschefs die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, sich untereinander besser vernetzen und die Ausschreibungen für Unternehmen vereinfachen. Im Gegenzug sichert die Energiebranche Investitionen in Höhe von 9,5 Milliarden Euro zu und will 91.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Aufwind, von dem auch Norddeutschland profitieren könnte, so Jan Rispens vom Branchennetzwerk Erneuerbare Energien Hamburg. „Es sind viele Unternehmen, die Windenergiekomponenten auch hier in der Region produzieren. (...) Es ist ein ganz, ganz wichtiges Wirtschaftspotential für Norddeutschland, für die Küstenregion.”

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Beschlüsse sollen Energieversorgung sicherer machen

Doch es geht den Ländern nicht nur um die Energieversorgung, sondern auch um die Unabhängigkeit und Sicherheit Europas: So wurde der Gipfel vor vier Jahren als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine ins Leben gerufen. Das Ziel: Die Energieversorgung ohne die Abhängigkeit von anderen Ländern sichern und widerstandsfähiger machen. „Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen”, sagt Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag. „Europa wird damit insgesamt widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger.”

Chancen für die Wasserstoffproduktion

Zukünftig investieren könnten auch norddeutsche Wasserstoff-Produzenten - sie sehen ihre eigenen Chancen im geplanten Ausbau der Offshore-Anlagen. „Dann kann man eben den Offshore-Windstrom auch direkt in der Nordsee umwandeln, in Offshore-Wasserstoff und diesen dann durch Pipelines an Land bringen und innerhalb Deutschlands an Industriekunden verteilen”, so Holger Matthiesen, Director für Offshore-Wind & Wasserstoff bei Luxcara. So könnte überschüssiger Windstorm bei überlasteten Netzen in Wasserstoff umgewandelt und dann später genutzt werden.

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Klimaschutz - aber nicht ohne Naturschutz

Sorgen über die Ergebnisse des Nordsee-Gipfels äußert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Grundsätzlich ist es ja total richtig, dass man sagt, man baut Windkraft aus. Das braucht man für das Thema Klimaschutz. Was uns komplett fehlt in der Erklärung, die die Politik gestern verabschiedet hat, ist das Thema Naturschutz”, gibt Sabine Sommer vom BUND Hamburg zu bedenken. Denn die Nordsee sei als Lebensraum ohnehin schon durch die Schifffahrt und Fischerei hochbelastet. Die Offshore-Windkraft verursache extremen Lärm, was ein Problem für viele Tierarten sei.

Quellen: Eigene RTL-Recherche