Waisenkinder aus Mariupol mit Bus nach Deutschland geholt

Handwerker aus Ostwestfalen nimmt komplettes ukrainisches Kinderheim auf

Handwerker bringt ukrainische Heimkinder in Sicherheit Waisenkinder aus Mariupol mit Bus nach Deutschland
02:28 min
Waisenkinder aus Mariupol mit Bus nach Deutschland
Handwerker bringt ukrainische Heimkinder in Sicherheit

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Von Parviz Khosrawi und Ulrich Vonstein

Seit wenigen Stunden sind 49 Kinder aus einem ukrainischen Jugendheim in Deutschland. Dass sie nach 37 Stunden Busfahrt eine neue Bleibe ohne Kriegswirren und eine Perspektive auf eine bessere Zukunft haben, ist Verdienst vieler Menschen. In erster Linie aber von David Albrecht. Der 38-Jährige hat in kürzester Zeit ein Kinderheim in Lage (Nordrhein-Westfalen) aus dem Boden gestampft. Und die kleinen Bewohner eines Waisenhauses in der zerstörten ukrainischen Stadt Mariupol durch Rumänien und Tschechien nach Ostwestfalen gebracht. Mehr dazu – in unserem Video.

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Freiwilligenteam stampft eigenes Kinderheim aus dem Boden

David Albrecht
David Albrecht in einer Jacke des 1.FC Lokomotive Leipzig, der die Aktion unterstützt hat.

David Albrecht ist selbstständiger Handwerker in Lage (Kreis Lippe) und erfährt durch einen Zufall, dass ein Kinderheim in der von Russland heftig attackierten Hafenstadt Mariupol in der Ukraine unter Beschuss steht. Seine Schwester hat das von einer Freundin erfahren, die nach ihrer Heirat in die Ukraine gezogen ist und in dem Heim arbeitet. "Wir müssen hier weg", berichtet sie.

David und seine Schwester Erika Rosenfeld fackeln nicht lange, sie wollen helfen. "Ich bin selber Vater von zwei Kindern", sagt er zu seiner Motivation. "Das Schicksal dieser Waisenkinder bewegt mich sehr." Innerhalb kürzester Zeit richtet er mit anderen Freiwilligen ein behelfsmäßiges Kinderheim ein.

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1.FC Lokomotive stellt Mannschaftsbus und spendet

Rosenfeld
Erika Rosenfeld

"Die haben keinen. Die haben nur ihre Betreuer. Allein dieser Schicksalsschlag ist schon hart genug. Und dann kommt auch noch Krieg dazu. Ich glaube, die Kinder haben es einfach verdient hier hin zu kommen und von uns so gut wie möglich betreut zu werden", sagt der Handwerker.

Es ist eine ungewöhnliche Hilfsaktion und neben vielen tatkräftigen Menschen hat auch der Zufall seine Hände im Spiel. Oder das Schicksal, wenn man so möchte. "Alle Ideen haben sofort funktioniert, so viele Menschen haben geholfen. Ich bin begeistert", freut sich Albrecht, als er RTL-Reporter Parviz Khosrawi das Heim zeigt. Helle, freundliche Räume, für alle Kinder gibt es Kuscheltiere und Spielzeuge, Kleidung, Medikamente – alles Sachspenden oder aus Spendengeldern eingekauft.

Bus bringt Hilfsgüter und holt Kinder

Raytz
Anja Raytz

Aus sechs Menschen bestehe das Kernteam, dazu kämen jede Menge weitere Unterstützer, etwa 40 an der Zahl schätzt David. Bei der Suche nach einer Möglichkeit, die Kinder nach Deutschland zu bringen, kommt er mit Anja Raytz in Kontakt. "Über ebay-Kleinanzeigen", erzählt sie lachend.

Raytz kommt aus Sachsen und organisiert von dort Hilfe für notleidende Kinder in Rumänien. Sie hat Verbindungen zum Fußballverein 1.FC Lokomotive Leipzig und kann damit ein richtiges Pfund Unterstützung in die Waagschale werfen. Unter anderem haben die Leipziger ordentlich gespendet, auch die Spieler aus der Mannschaftskasse, erzählt Albrecht. Und der Verein stellt seinen Mannschaftsbus zur Verfügung. Mit Fahrern! So können Hilfsgüter nach Rumänien gebracht – und die Kinder aus der Ukraine von dort nach Deutschland geholt werden.

Handwerker aus Lage will Kinder wieder lachen sehen

Kinderzimmer
Eines der Zimmer im neuen "Zuhause auf Zeit" der ukrainischen Waisenkindern

Andere Helfer bringen die Waisen aus Mariupol in die rumänische Stadt Satu Mare. Dort kommen sie kurz in einem Heim unter, ehe der Bus aus Leipzig sie abholt. In Rumänien werden die Hilfsgüter verteilt und die Kinder eingesammelt. Ursprünglich sollten es 55 sein, doch nicht alle schaffen es über die Grenze. Sechs von ihnen müssen in der Ukraine bleiben, weil irgendwas mit ihren Papieren nicht in Ordnung ist. Die werde er zu einem späteren Zeitpunkt nachholen können, ist Albrecht überzeugt.

Die Fahrt nach Deutschland dauert 37 Stunden, für die meisten Kinder die bisher längste Reise ihres Lebens und eine Reise in eine unbekannte Zukunft. Wie lange sie bleiben, weiß niemand. "Wir wollen ihnen eine glückliche Zukunft für einige Zeit bieten", sagt David Albrecht. "Wenn hier lachende Gesichter durch den Garten laufen, dann bin ich schon zufrieden."

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