Belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja

"Demokratien müssen jetzt ihre Stärke zeigen"

"Die Belarussen wollen diesen Krieg nicht" Swetlana Tichanowskaja
01:00 min
Swetlana Tichanowskaja
"Die Belarussen wollen diesen Krieg nicht"

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von Philipp Sandmann

Während Russland einen erbarmungslosen Krieg gegen die Ukraine führt, steht der Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko, dicht an Wladimir Putins Seite. Nur mit der Hilfe von Putin, schaffte es Lukaschenko nach den korrupten und gefälschten Wahlen (August 2020) in seinem Land, an der Macht zu bleiben. Mittlerweile ist Lukaschenko noch mehr zu einer Marionette des Kremls geworden.

Die mutige belarussische Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja trat damals gegen Lukaschenko an, nachdem ihr Ehemann bereits eingesperrt worden war. Wenig später musste sie das Land verlassen. Nun spricht Tichanowskaja in einem RTL/ntv-Interview (im Video) über die Stimmung der Menschen in ihrem Heimatland und was die Belarussen über den Krieg in der Ukraine denken.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Gibt Lukaschenko den Befehl zum Einmarsch?

In den Krieg hat Belarus bereits eingegriffen. Machthaber Lukaschenko ließ zu, dass die russische Armee von Belarus aus zwei Raketen auf die Ukraine abschießen konnte. Die große Frage bleibt trotzdem: Wird sich Lukaschenko in noch größerem Ausmaß beteiligen?

Tichanowskaja sagt: „Wir wissen nicht, ob Lukaschenko diesen Befehl geben wird, aber natürlich hoffen wir, dass belarussische Truppen diesen kriminellen Befehl nicht ausführen werden.“

Es gebe insgesamt ein „großes Zögern“ innerhalb der belarussischen Armee: „Vielleicht hat das Lukaschenko auch davon abgehalten, diesen Befehl zu erteilen“, so Tichanowskaja.

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"Die Belarussen wollen diesen Krieg nicht"

Tichanowskaja betont: „Die Belarussen wollen diesen Krieg nicht. Wir mögen es nicht, dass wir zu einem Aggressor gegen unsere Brüder und Schwestern in der Ukraine geworden sind.“ Die Menschen in Belarus hätten viele Verwandte in der Ukraine und würden das Land oft besuchen.

Dann führt die Oppositionsführerin aus: „Aber wir sind jetzt Geiseln von diesem Regime und niemand hat die belarussischen Menschen gefragt, ob sie auf der Seite der Aggressoren stehen wollen.“

Gegen die Analyse mancher Experten, dass Belarus schon längst ein Teil von Russland geworden sei, wehrt sich Tichanowskaja: „Ich höre manchmal: Belarus ist ja schon ein Teil Russlands. Aber es werden die Menschen vergessen. Wir haben unsere Identität, unser Heimatland und unsere Kultur. Es ist unmöglich, unser Land einfach unter Kontrolle zu nehmen, wenn die Menschen das nicht wollen. Wir sind die Eigentümer unseres Landes.“

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"Höchste Zeit für Demokratie"

Über den Krieg in der Ukraine sagt Tichanowskaja abschließend: „Es ist absolut erforderlich, dass diese Invasion gestoppt wird. Ohne eine freie Ukraine, gibt es auch kein freies Belarus. Ich denke, dass es nicht unbedingt ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist, sondern ein Kampf zwischen Autokratie und Demokratie.“

Auch mit Blick auf die Sanktionen in Richtung Russland müsse womöglich noch mehr kommen. Tichanowskaja warnt vor halbherzigen Schritten: „Halbherzige Sanktionen sind schädlich für unsere Situation. Wie viele Opfer braucht es noch, um zu verstehen, dass strengere und härtere Maßnahmen erforderlich sind, um der Ukraine dabei zu helfen, diesen Kampf zu gewinnen?“

Und sie hat eine eindringliche Forderung an die demokratischen Staaten, die sich für die Ukraine einsetzen: „Der Kreml hat diese starke Reaktion der demokratischen Welt unterschätzt. Es ist nun die höchste Zeit für Demokratien, ihre Stärke zu zeigen. Und auch der Ukraine und Belarus so viel wie möglich zu helfen.“

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