„Die Mieter halten zusammen”Stillgelegte Aufzüge und Abrisspläne bringen diese Bewohner in Not

Aufzugstillstand macht den Alltag zur Belastung!
Aufzüge im Haus am Hofweg 88/89 in Hamburg-Uhlenhorst stehen seit Juli still. Dagmar Brehmer-Neumann und Ernst Neumann klagen vor dem Amtsgericht um Fahrstuhlzugang. Doch es gibt aus ihrer Sicht noch weitere Probleme mit dem Haus.
Sieben Stockwerke Treppensteigen statt Aufzug
Das Ehepaar Dagmar Brehmer-Neumann und Ernst Neumann, beide 75 Jahre alt, kämpft am Dienstag, den 6. Oktober 2026 vor dem Amtsgericht Hamburg-St. Georg, um etwas, das für die beiden bislang selbstverständlich war: Ihre Wohnung wieder mit dem Fahrstuhl erreichen zu können. Jeden Tag sieben Stockwerke zu Fuß hochsteigen, teilweise mehrmals am Tag - das ist seit Ende Juli Realität für das Ehepaar. Grund dafür sind die Aufzüge, die im Hochhaus am Hofweg 88/89 aus Sicherheitsgründen nicht mehr fahren.
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Ihr Tagesablauf ist inzwischen genau geplant, denn: „Es ist schon anstrengend, sieben Stockwerke zu laufen und besonders mit Einkäufen oder wenn man vom Sport kommt”, erzählt Ernst Neumann im Gespräch mit RTL. Zum Verschnaufen steht auf halber Strecke deshalb ein Schemel. Und auch mit ihrem Hund Spencer können sie nur noch dreimal am Tag raus. Und bald wird aus der Belastung wohl eine existenzielle Bedrohung: Eine Verwertungskündigung steht bevor.
Letzte Hoffnung vorbei: Kündigungen folgen auf Abrissbeschluss
Seit 40 Jahren wohnen die Brehmer-Neumanns schon in ihrer 70 Quadratmeter Wohnung. Sie hatten die Hoffnung auf die Reparatur der Aufzüge noch nicht aufgegeben, als im August die Kündigung kommt. Die Nachricht über den Abriss des Hochhauses ist den Bewohnern bereits seit Anfang Februar bekannt. Eine Sanierung ist aus Sicht der Eigentümer, der Projektentwicklungsgesellschaft Hamburg, kurz PEG, wirtschaftlich nicht vertretbar. Statt der bisherigen 45 sollen 75 neue Wohnungen entstehen, elf davon Sozialwohnungen. Auf dem Papier entsteht somit mehr Wohnraum, für die Bewohner scheint diese Rechnung allerdings nicht aufzugehen. Auf Anfrage teilt uns der Sprecher des Eigentümers mit: „Der Neubau der Häuser ermöglicht 30 zusätzliche Wohnungen und knapp ein Dutzend Sozialwohnungen, die es in den alten Häusern heute überhaupt nicht gibt. [...] Für die Sanierung hätten alle Mieter ebenfalls für mindestens zwei Jahre ausziehen und künftig eine viel höhere Miete zahlen müssen.”
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Einige der Mieter mussten bereits ausziehen und die PEG hat Ersatzwohnungen angeboten, jedoch offenbar viel zu wenige: „Sieben Wohnungen wurden uns angeboten, für alle Mieter”, berichtet Ernst Neumann. Bei einer Verwertungskündigung muss ein Eigentümer nachweisen, dass ihm erhebliche wirtschaftliche Nachteile entstehen, wenn die Mietverhältnisse fortgesetzt werden. Ob diese Voraussetzungen hier erfüllt sind, dürften am Ende ebenfalls Gerichte entscheiden.
Die Mieter wehren sich
Die Bewohner des Hofweg 88/89 halten zusammen und wollen sich gemeinsam gegen die Kündigungen wehren. Roswitha Weidner wohnt seit 20 Jahren im Hofweg und sagt: „Die Mieter halten zusammen. Wir treffen uns alle 14 Tage, tauschen uns aus, wir helfen uns”. Das Stillstehen der Aufzüge empfinden einige der Bewohner als zusätzlichen Druck. Nach Angaben von Mietern wollen bislang nur zwei Bewohner ausziehen. Die PEG erklärt, dass sich bereits die meisten Bewohner auf Umzüge in Ersatzwohnungen oder Abfindungen eingelassen haben.
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Die Brehmer-Neumanns wollen bleiben und weiterkämpfen. Eine einstweilige Verfügung gegen die Stilllegung der Aufzüge wurde von ihrem Anwalt bereits erwirkt. Die PEG legt Widerspruch ein und verweist auf eine zeitnahe, geplante Reparatur. Ein erster Erfolg für die Mieter. Ob die Mieter im Hofweg am Ende auch ihre Wohnungen behalten können, ist damit allerdings noch lange nicht entschieden.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche

































