Bitte hab Verständnis dafür, dass wir in diesem Browser keine optimale Nutzung von RTL.de gewährleisten können. Bitte benutze einen aktuelleren Browser (z.B. Chrome, Firefox, Safari oder Edge), damit du die Seite wie gewohnt nutzen kannst.

Fotos von Randalierern veröffentlicht

Polizei jagt den Kapitol-Schamanen und seine Spießgesellen

08. Januar 2021 - 12:24 Uhr

"Q-Schamane" ganz oben auf der Liste

Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington fahndet die Polizei nach den Randalierern. Die Metropolitan Police der US-Hauptstadt hat deshalb Bilder von den Krawallen am Mittwoch veröffentlicht – ganz oben auf der Liste der Gesuchten: Jake Angeli, der als "Q-Schamane" mit Fellmütze und Büffelhörnern im Saal des Kongresses posierte.

+++ Alle Infos zum Sturm auf das Kapitol in unserem Liveticker +++

Der Büffel-Mann ist kein Unbekannter

Jake Angeli im Kapitol
Die Polizei veröffentlichte Fotos von Jake Angeli und weiteren Kapitol-Randalierern.
© Metropolitan Police Department

Insgesamt 39 Fotos von den Ausschreitungen stellte die Polizei auf ihre Website, alle entstanden am 6. Januar im oder ums Kapitol. Die darauf abgebildeten Personen werden bezichtigt, "kriminelle Handlungen" begangen zu haben. Wer eine der Personen identifizieren oder etwas zu den Vorfällen sagen könne, solle sich bei der Polizei melden.

Im Falle von "Büffel-Mann" Angeli dürfte die Identifizierung ein Leichtes sein: Der 32-Jährige ist zu einer auffälligen Figur der rechtsextremen QAnon-Bewegung geworden, einem Netzwerk von Verschwörungstheoretikern. Er und weitere aufgebrachte Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump waren vor dem Sitz des US-Kongresses, dem Kapitol, aufmarschiert und hatten das nur spärlich gesicherte Parlamentsgebäude gestürmt.

Jake Angeli rannte mit Megaphon durchs Washingtoner Kapitol

Jake Angeli im Kapitol
"Q-Schamane" Jake Angeli posiert im Kapitol mit nacktem Oberköper, Hörnern und Fell auf dem Kopf.
© Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved., Manuel Balce Ceneta

Nach dem Sturm auf das Gebäude marschierte Angeli mit einem Megaphon durch das Washingtoner Kapitol und machte Fotos. Auf dem Podium posierte er mit einer US-Flagge. Unterstützt wurde er von weiteren QAnon-Anhängern, zu erkennen am "Q"-Zeichen der Bewegung.

Angeli ist bekannt dafür, bei seinen Auftritten den Hörner-Helm zu tragen und sich das Gesicht rot-weiß-blau anzumalen. Das mache er, um Aufmerksamkeit zu erregen, hatte er der Zeitung "The Arizona Republic" 2020 erzählt.

QAnon glaubt an Verschwörung gegen Donald Trump

Aufmerksamkeit, die QAnon braucht, um wildeste Verschwörungsmythen unter die Leute zu bringen. Die Sekte behauptet unter anderem, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen aus dem Blut von Kindern behandeln. In sozialen Netzwerken kursieren gefährliche Erzählungen, denen zufolge Kinder entführt, gefoltert und ihr Blut getrunken wird. Außerdem gebe es in den tieferen Schichten der US-Regierung eine Verschwörung gegen Präsident Donald Trump, so die Verschwörungsideologen.

Trump behauptete: "Ich weiß nichts über QAnon"

QAnon unterstützt den Präsidenten auch bei seiner Behauptung, bei der US-Wahl im November sei betrogen worden. Einen Großteil seiner Informationen über unbegründete Wahlbetrugsvorwürfe habe Trump direkt von der QAnon-Bewegung erhalten, berichtet der "Business Insider". Im Wahlkampf hatte Trump beim US-Sender NBC behauptet: "Ich weiß nichts über QAnon."

Die sozialen Medien sagten QAnon im Oktober den Kampf an. Künftig sollen alle Facebook-Seiten und -Gruppen sowie alle Instagram-Accounts gelöscht werden, die QAnon vertreten, erklärte Facebook. Twitter sperrte tausende Accounts und schränkte hunderttausende Profile ein.

Neonazi-Zeichen auf Brust des Q-Schamanen

Jake Angeli in Phoenix
Jake Angeli bei einer Kundgebung in Phoenix am 7. November 2020.
© AP, Ross D. Franklin, RF

Mindestens seit 2019 hat Jake Angeli in Arizona Verschwörungstheorien verbreitet und an rechtsextremen Demonstrationen teilgenommen, berichtet "The Arizona Republic". Auch bei Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump ist er bereits aufgefallen, wie RTL-Reporterin Liv von Boetticher unter anderem im November 2020 beobachtete.

Auf seiner linken Brust trägt er ein Tattoo, das drei ineinander verschlungene Dreiecke zeigt und laut ZDF Wotansknoten oder Valknut genannt wird. Es handelt sich um ein Zeichen, das aus der nordischen Mythologie stammt und auch von Neonazis genutzt wird.

Im Video: Aufnahmen des Sturms auf das Kapitol in Washington

Mehrere Rechtsextreme an Kapitol-Sturm beteiligt

Offenbar waren am Sturm auf das Kapitol neben QAnon weitere Rechtsextreme beteiligt, etwa die rein männliche Organisation "Proud Boys". Fotos aus dem Kapitol zeigen außerdem einen Mann mit einem Pullover, auf dem "Camp Ausschwitz" steht: eine antisemitische Relativierung des Holocausts. Ein anderer Mann trägt die Konföderierten-Flagge, ein Symbol für Sklaverei und Rassismus. Und in einem Video, das vor dem Kapitol entstanden sein soll, zeigt ein Mann den Hitler-Gruß.

Nazis, Faschisten und Rassisten: Was verrät das Äußere über die Kapitol-Stürmer?

Podcast zur Wirkung von Verschwörungsmythen bei AUDIO NOW

Wie funktionieren Verschwörungsmythen – psychologisch und sozial? Wie gefährlich sind sie für die Demokratie? Und wer ist besonders anfällig, zum "Aluhut", zu werden? Darüber spricht Florian Güßgen in dieser Folge des Podcasts "Wir und Corona" mit dem Philosophen und Autor Philipp Hübl. In seinem Buch "Bullshit-Resistenz" hat sich Hübl ausführlich mit der Logik von Lügen, Fake News und Verschwörungstheorien auseinandergesetzt – und der Frage, wie man dagegen ankommt.

Auch interessant