Nach langem Hin und Her

Stiko empfiehlt Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren - das sollten Eltern jetzt wissen

17. August 2021 - 10:28 Uhr

Kinder gegen Corona impfen lassen? Darüber wird seit Wochen hitzig debattiert

Sollen auch Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden oder nicht? Über diese Frage wird in Deutschland seit Wochen hitzig debattiert. Jetzt ändert die Ständige Impfkommission (Stiko) auf Basis weiterer Daten ihre bisherige Einschätzung – und empfiehlt Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Was sollten Eltern jetzt tun? Im Video oben ordnet Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht die Lage ein und gibt eine Empfehlung.

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Stiko: Vorteile überwiegen gegenüber dem Risiko von Impfnebenwirkungen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich nun für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus. Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man zu der Einschätzung, "dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen", teilte das Gremium am Montag mit und berief sich auf einen Beschlussentwurf. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Bundesländern und Fachkreisen noch möglich.

Im Video: Kinder impfen lassen? Familie Steinert aus Bad Homburg ist unschlüssig

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Risiken der Impfung in der Altersgruppe könnten nun zuverlässiger beurteilt werden

"Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab", erklärte die Stiko. Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Man spreche sich "ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird".

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte das Gremium. Es verwies etwa auf nahezu zehn Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im amerikanischen Impfprogramm. Die bisherige Zurückhaltung hatte Stiko-Chef Thomas Mertens zuletzt mit unzureichenden Daten zur Sicherheit der Impfung bei Heranwachsenden begründet. Im Fokus standen vor allem mögliche Folgen von Herzmuskelentzündungen bei Geimpften. Am Montag sprach die Stiko von meist unkomplizierten Verläufen.

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Wo können Kinder geimpft werden?

Bei vielen Eltern herrscht Unsicherheit. Soll ich mein Kind nun impfen lassen oder nicht? "Wer noch unsicher ist, soll sich gerne an den jeweiligen Kinderarzt wenden. Wir sind gut aufgestellt die Eltern zu beraten," so Kinderarzt Jakob Maske. Und weiter: "Eltern müssen beachten, das die Impfung weiter ein geringes Risiko für Herzmuskelerkrankungen birgt. Das betrifft vor allem die jungen männlichen Erwachsenen. Wir zeigen aber auch in den Beratungen, das die meisten Erkrankungen sehr mild verlaufen."

Nach der Impfung empfiehlt Maske, fünf bis sieben Tage auf sportliche Tätigkeiten zu verzichten. "Mit dem Fahrrad zur Schule fahren ist allerdings kein Problem." Außerdem rät er Eltern, rechtzeitig einen Termin zu machen, da die Kinderarztpraxen im Moment von Anfragen überlaufen werden. Wer nicht zum Kinderarzt gehen möchte, kann auch in ein Impfzentrum gehen. In einigen Bundesländern ist das bereits möglich, in anderen startet das Angebot jetzt.

Welcher Impfstoff wird verimpft, und wie ist das Impfintervall?

Verimpft werden mRNA-Impfstoffe. Die EU hatte das Vakzin von Biontech/Pfizer bereits Ende Mai als ersten Impfstoff für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. In den USA und Kanada war das schon länger der Fall. Im Juli folgte die Freigabe für den mRNA-Impfstoff von Moderna.

Wie bei Erwachsenen auch müssen Kinder für eine vollständige Immunisierung zwei Dosen des Vakzins erhalten. Vorgesehen ist bisher, dass diese im Abstand von drei bis sechs Wochen verimpft werden.

Bisher galt die Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen

Die Stiko war in den vergangenen Wochen wiederholt von verschiedenen Politikern aufgefordert worden, ihre vorsichtige Haltung zum Impfen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren zu überdenken. Das Gremium hat die Immunisierung in der Altersgruppe bislang vor allem jenen empfohlen, die bestimmte Vorerkrankungen wie Fettleibigkeit oder chronische Lungenkrankheiten haben – oder Menschen mit besonderem Corona-Risiko im Umfeld.

Ein Viertel der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal geimpft

Auch ohne generelle Empfehlung waren bisher auch bei Gesunden in der Altersgruppe Impfungen möglich – "nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz". Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag sind 24,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Corona geimpft und 15,1 Prozent vollständig.

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Lauterbach: "So kann man vierte Welle vielleicht noch abwenden"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt die Empfehlung der STIKO. "Ohne die Empfehlung zur Kinderimpfung der STIKO wäre es im Winter zu einer massiven Welle in den Schulen gekommen. So kann man sie vielleicht noch abwenden." twittert Lauterbach.

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