Debatte über Kinder-Impfungen wieder voll entfacht

Politiker fordern: Stiko soll Impfempfehlung für Kinder überdenken

Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
© dpa, Fabian Sommer, som bsc

05. Juli 2021 - 14:33 Uhr

Bisher nur Empfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen

Impfen, impfen, impfen – das soll für uns der Weg aus der Pandemie sein. Aber für Kinder gilt das derzeit nicht. Bislang empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) den Piks gegen Covid 19 nur bei Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen. Doch die Kritik an dieser Entscheidung wächst.

Markus Söder, Saskia Esken und nicht zuletzt der ewige Mahner in der Corona-Krise, Karl Lauterbach, sind sich einig: Die ständige Impfkommission solle diese Entscheidung überdenken.

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Lauterbach: "Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant"

 Karl Lauterbach bei einem Pressestatement am Rande der 233. Sitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude. Berlin, 10.06.2021 *** Karl Lauterbach during a press statement on the sidelines of the 233 session of the German Bundestag in the Re
Karl Lauterbach „Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten."
© imago images/Future Image, Sebastian Gabsch via www.imago-images.de, www.imago-images.de

SPD-Chefin Saskia Esken sagte der "Rheinischen Post": "Wir brauchen dringend einen Impfstoff für Kinder, und ich hoffe auch, dass die Stiko ihre eingeschränkte Impf-Empfehlung für Jugendliche bald überdenkt".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Wochenende gefordert: "Die Stiko sollte dringend überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfiehlt." Das würde den Schutz für alle erhöhen und einer Generation, die auf viel verzichten musste, wieder Freiheiten zurückgeben.

Und Karl Lauterbach verwies auf die Corona-Situation im Vereinigten Königreich: "In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post."

Lauterbach kritisiert: "Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten. Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant. Und Wechselunterricht ist keine Lösung."

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Stiko: Bisher verfügbaren Daten liefern keine ausreichende Sicherheit

Die Ständige Impfkommission bleibt aber bei ihrem zurückhaltenden Kurs. Das Gremium nehme "die diversen Forderungen der Politik" sehr wohl wahr, erklärte Stiko-Mitglied Martin Terhardt. "Wir fühlen uns weiterhin unserem Auftrag als unabhängige ehrenamtliche Kommission zur evidenzbasierten Erarbeitung von Impfempfehlungen verpflichtet."

Die Stiko beobachte die Datenlage täglich und werde "gerade zu diesem Thema sicher schnell reagieren", wenn es deutliche Änderungen gebe, betonte Terhardt. Die bisher verfügbaren Daten lieferten jedoch noch keine ausreichenden Beweise für die Sicherheit des Impfstoffs in der Altersgruppe. Im RBB-Inforadio hatte Terhardt am Freitag gesagt: "Mich entsetzt das immer wieder, wie die Politik vorprescht und wissenschaftliche Daten eher ignoriert."

Die Stiko hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. Das Gremium begründete seine Empfehlung unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei.

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Merkel mahnt: Länder sollen für sicheren Schulanfang sorgen

Auch wenn sich derzeit im Kopf der Schüler, Lehrer und Eltern wenig ums Klassenzimmer dreht, der Schulanfang nach den großen Ferien kommt und somit rückt dann auch wieder die Sicherheit von Schule in den Fokus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angemahnt, dass die Länder für einen sicheren Schulanfang nach den Sommerferien sorgen sollen. Es sei sehr wichtig, dass man die Schulen offen halten könne, sagt Merkel nach Informationen von Reuters aus Teilnehmerangaben im CDU-Bundesvorstand. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Förderprogramme für Luftfilter in den Klassenräumen, heißt es. Wichtig seien auch geeignete Tests für Kinder, sagt Merkel und plädiert für ein möglichst gemeinsames Vorgehen der 16 Länder. Sie und auch ihr Gesundheitsminister Jens Spahn werben fürs flächendeckende Impfen, das Offenhalten von Schulen und Kitas habe oberste Priorität, so Spahn.

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