Kriminalbiologe zur spektakulären Wende im Vermisstenfall

Mark Benecke zum Fall Maddie McCann: Was verraten uns die Spuren nach 13 Jahren noch?

04. Juni 2020 - 20:30 Uhr

Brachte ein 43-jähriger Deutscher Maddie McCann um?

Vor 13 Jahren verschwand Madeleine "Maddie" McCann in Portugal. Bislang haben Ermittler aus verschiedenen Ländern vergeblich versucht, den Fall aufzuklären. Jetzt steht der 43-jährige Deutsche Christian B. unter Verdacht, die damals Dreijährige ermordet zu haben. Es ist eine neue Entwicklung, die auch wieder neue Spuren mit sich bringt, die ausgewertet werden müssen. Doch wie stehen die Chancen nach 13 Jahren? RTL hat darüber mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke gesprochen – im Video erklärt er, worauf es jetzt ankommt.

"Für Kriminalfälle sind 13 Jahre gar nichts"

Fall Maddie McCann: Bundeskriminalamt veröffentlicht dieses Foto vom Wohnhaus des Tatverdächtigen
Nach Angaben des Bundeskriminalamts soll dieses Bild das Wohnhaus des tatverdächtigen Deutschen an der Algarve zeigen.
© BKA

Laut Benecke dürften die Ermittler durch ein Ausschlussverfahren auf Christian B. als Verdächtigen gestoßen sein. "Man hat sehr viele Leute ausgeschlossen, die zeitlich, räumlich und vielleicht auch durch biologische Spuren nicht in Betracht kamen. Eine der Personen, die übrig bleibt und jetzt von Zeugen benannt wurde, ist die aktuell interessante Person."

Ein großes Problem im Fall Maddie: Damals wurden viele Spuren am Tatort verwischt, was die Arbeit erheblich erschwert. "Am unveränderten Tatort kann man Hautschuppen, Haare, vielleicht sogar Blut und Fingerabdrücke finden. Das ist ein Meer an Informationen", so Benecke. Doch es müsse auch nach verletzten Personen gesucht werden, was wiederum die Spurensuche erschwere. Die Zeit sei dabei nicht das große Problem, so Benecke. "Für Kriminalfälle sind 13 Jahre gar nichts." Er arbeite selbst gerade an einem Fall, der vor 30 Jahren passiert sei. Sogar 1.600 Jahre alte Spuren habe er schon ausgewertet – insofern sei eine Zeitspanne von mehreren Jahren in einem ungeklärten Vermisstenfall kein Hindernis.

Nachbarin beschreibt den Tatverdächtigen Christian B. als aggressiv

Der verurteilte Sexualstraftäter Christian B. soll damals in Praia da Luz gewohnt haben, wo auch Maddie aus dem Bett der Ferienwohnung ihrer Eltern verschwand. RTL-Reporterin Alexandra Callenius ist zum ehemaligen Wohnhaus des 43-Jährigen an der Algarve gefahren und hat sich vor Ort umgeschaut.

Eine frühere Nachbarin aus Portugal beschreibt Christian B. als aggressiv. "Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort", berichtete die Frau dem britischen Sender "Sky News".

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Ob der 43-Jährige neben seinem langen Vorstrafenregister wirklich auch die damals dreijährige Maddie McCann umgebracht hat, müssen jetzt die weiteren Ermittlungen des BKA zeigen. Die Behörde hat zur Zeugensuche eine eigene Seite inklusive Hinweisportal geschaltet, auf der sich mögliche Zeugen melden können.