Mehrfach vorbestrafter Braunschweiger unter Mordverdacht

Fall Maddie McCann: Was wir über den Verdächtigen Christian B. (43) wissen

05. Juni 2020 - 8:56 Uhr

Brachte ein 43-Jähriger Deutscher Maddie McCann um?

Kann einer der berühmtesten Vermisstenfälle jetzt endlich aufgeklärt werden? Nach RTL-Informationen steht der 43-jährige Deutsche Christian B. im Fall der vor 13 Jahren aus Portugal verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann unter Mordverdacht. Bislang ist Folgendes über den Verdächtigen bekannt: Der Mann, der zuletzt in Braunschweig gemeldet war, aber zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden in Portugal lebte, sitzt derzeit laut BKA wegen einer anderen Strafsache in Haft. Nach Informationen der "Braunschweiger Zeitung" hat Christian B. eine lange kriminelle Karriere hinter sich – in Deutschland und auch in Portugal. Unter anderem soll er bereits in der Vergangenheit wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Diebstahls verurteilt worden sein.

HANDOUT - 03.06.2020, ---: Die Britin Madeleine McCann lächelt auf einem undatierten Kinderfoto vor ihrem Verschwinden vor 13 Jahren. Im Fall des vor gut 13 Jahren in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine «Maddie» McCann steht ein 43
Fall Maddie: Der deutsche Sexualstraftäter Christian B. steht unter Mordverdacht.
© dpa, Uncredited, ihe

Tatverdächtiger Christian B. vergewaltigte 72-Jährige - ebenfalls in Portugal

Ausführlich berichtet die "Braunschweiger Zeitung" von einem Vergewaltigungsprozess gegen den Mann, der erst im Dezember 2019 stattfand und nachdem er derzeit im Gefängnis sitzt. Bekannt wurde die Tat offenbar, weil ein Bekannter des 43-jährigen Braunschweigers auspackte: Er hatte ihm demnach eine Videokamera gestohlen, auf der die Vergewaltigung einer 72-Jährigen Amerikanerin zu sehen war.

Weil der Zeuge den Mann namentlich nennen konnte, dem er die Videokamera gestohlen hatte, war es für die Polizei ein Leichtes, den Mann ausfindig zu machen – schließlich war er in Braunschweig gemeldet. Aus diesem Grund wurde die Vergewaltigung, obwohl in Portugal geschehen, auch vor dem dortigen Gericht verhandelt.

Nachbarin beschreibt den Tatverdächtigen Christian B. als aggressiv

Während des Prozesses gab der 43-Jährige laut "Braunschweiger Zeitung" ausführliche Details aus seinem Leben preis. Mit 18 Jahren habe er bereits Ärger mit der Polizei gehabt und sich deshalb Ende der Achtziger Jahre mit seiner damaligen Freundin nach Portugal abgesetzt, weil er nicht ins Gefängnis gehen wollte. In Portugal hätten sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten – bis der Mann 1999 schließlich von den portugiesischen Behörden gefasst wurde und seine Jugendstrafe in Deutschland absitzen musste.

Danach sei er zurück nach Portugal, berichtet die Zeitung aus den Aussagen des Mannes im Vergewaltigungsprozess. Er habe schließlich so viel Geld verdient, dass er sich den Jaguar habe leisten können. Das BKA sucht im Fall Maddie mit Fotos eines Jaguars nach Zeugen. In Portugal soll der Mann demnach in einem baufälligen und abgelegenen Haus gewohnt haben. Das BKA hat auch Bilder des Wohnhauses des Mannes zur Zeugensuche veröffentlicht.

Eine frühere Nachbarin aus Portugal beschreibt Christian B. als aggressiv. "Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort", berichtete die Frau dem britischen Sender "Sky News".

Fall Maddie McCann: Bundeskriminalamt veröffentlicht dieses Foto vom Wohnhaus des Tatverdächtigen
In diesem Haus an der Algarve soll der Tatverdächtige gelebt haben.
© BKA

Tatverdächtiger Christian B. im Fall Maddie: Mehrfach vorbestraft wegen Kindesmissbrauchs, Diebstahls und Urkundenfälschung

Laut "Braunschweiger Zeitung" fiel der Mann auch in Portugal durch kriminelles Verhalten auf. Mehrfach soll er von deutschen und portugiesischen Gerichten wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Drogenhandels verurteilt worden sein. 2005 beging er dann schließlich die Vergewaltigung der Amerikanerin – für die er allerdings erst im vergangenen Jahr verurteilt wurde.

2014 soll der 43-Jährige dann nach Braunschweig gekommen und dort einen Laden geführt haben. Bis zum Burnout habe er dort gearbeitet, sagte er im Vergewaltigungsprozess. Danach sei es "richtig bergab" gegangen – deshalb sei er auch anschließend zurück nach Portugal gegangen. 2017 dann erneut Ärger mit den deutschen Behörden: Er wird wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt.

Braunschweiger sitzt derzeit Haftstrafe ab

Anschließend sei er obdachlos gewesen, sagte er laut "Braunschweiger Zeitung" im Vergewaltigungsprozess aus. Er habe sich nach Italien abgesetzt, wo die deutschen Behörden ihn 2018 wieder verhaften ließen – Grund dieses Mal: ein Haftbefehls wegen Handels mit Marihuana auf Sylt. 2019 folgte dann schließlich der Prozess wegen der Vergewaltigung der 72-Jährigen in Portugal.

In diesem Prozess wurde der Mann zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist allerdings laut "Braunschweiger Zeitung" noch nicht rechtskräftig. Der 43-Jährige sei in Berufung gegangen, weil seiner Ansicht nach Fehler bei seiner Auslieferung nach Deutschland gemacht wurden. Die Entscheidung über die Revision wurde vom Bundesgerichtshof im April an den Europäischen Gerichtshof weiterverwiesen und wurde noch nicht getroffen.

So soll der Tatverdächtige 2007 ausgesehen haben

Der heute 43-Jährige soll zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden blondes kurzes Haar und einen hellen Teint gehabt haben. Er soll um die 1,80 Meter groß gewesen sein, mit eher schlanker Figur. 2007 dürfte er dem Aussehen eines 25- bis 30-Jährigen entsprochen haben.

Er lebte zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden zwischen Lagos und Praia da Luz – in diesem Ort ist die FErienanlage, aus der Maddie verschwand. Im Tatzeitraum nutzte er den Ermittlern zufolge "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" die portugiesische Mobilfunknummer + 351 912 730 680. Mit einer bislang unbekannten Person soll er demnach am 3. Mai 2007, der Tag von Maddies Verschwinden, im Bereich von Praia da Luz ein Telefonat geführt haben. "Der Gesprächsteilnehmer nutzte hierbei die portugiesische Rufnummer + 351 916 510 683. Der Nutzer dieser Nummer kommt als wichtiger Zeuge in Betracht", teilt das BKA mit.

Der portugiesische Polizeibeamte, der die Ermittlungen zum Fall Maddie über einen langen Zeitraum leitete, sagte bereits im letzten Jahr, dass die Ermittlungen sich auf einen Deutschen konzentrierten. Er habe in einem Internetchat mit jemand anderem über Maddie gesprochen.

Fall Maddie McCann: BKA schaltet Hinweisportal

Ob der 43-Jährige neben seinem langen Vorstrafenregister wirklich auch die damals dreijährige Maddie McCann umgebracht hat, müssen jetzt die weiteren Ermittlungen des BKA zeigen. Die Behörde hat zur Zeugensuche eine eigene Seite inklusive Hinweisportal geschaltet, auf der sich mögliche Zeugen melden können.