Strafmaß für Ex-Polizisten steht fest

Fall George Floyd – Derek Chauvin muss für 22 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis

Derek Chauvin muss für 22 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis Strafmaß für Ex-Polizisten steht fest
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Strafmaß für Ex-Polizisten steht fest
Derek Chauvin muss für 22 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis

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Lange Haftstrafe für den Mann, der George Floyd tötete

Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd vor gut einem Jahr hat das zuständige US-Gericht eine Haftstrafe von 22 Jahren und sechs Monaten gegen den verurteilten weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin verhängt. Das verkündete das Gericht am Freitag in Minneapolis.

Gerorge Floyds Verwandte forderten „maximale Strafe“ für Chauvin

„Was hast du gedacht, was ging dir durch den Kopf, als du auf den Nacken meines Bruders gekniet hast?“, fragte Terrence Floyd am Freitag in dem Gerichtssaal in Minneapolis (Minnesota) in Anwesenheit des Verurteilten. Während seiner kurzen Rede musste Floyd immer wieder mit den Tränen kämpfen. Er forderte die „maximale Strafe“ für Chauvin.

Auch George Floyds zweiter Bruder, Philonise, musste um Fassung ringen, als er am Freitag vor dem Gericht darüber redete, dass der Getötete seine kleine Tochter Gianna nie wieder sehen werde: „Er wird niemals den Gang bei ihrer Hochzeit entlangschreiten können“, bei ihrem 16. Geburtstag da sein oder sie ihren Schulabschluss machen sehen, sagte er. Seit dem Tod seines Bruders habe er keine Nacht ruhig schlafen können und stattdessen Floyds Tod wieder und wieder durchlebt.

George Floyds siebenjährige Tochter Gianna Floyd sagte in einem abgespielten Video „ich vermisse und liebe Dich“ in Richtung ihres Vaters. Floyds Neffe Brandon Williams klagte: „Unsere Familie ist für immer zerbrochen“.

Geschworene befanden Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig

Es ist der vorläufige Schlusspunkt in einem der aufsehenerregendsten Prozesse der jüngeren US-Geschichte. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe für Chauvin gefordert, die Staatsanwaltschaft dagegen 30 Jahre Haft. Im April war der Ex-Polizist von den Geschworenen in Minneapolis in allen Anklagepunkten für schuldig befunden worden. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert.

Derek Chauvin schuldig in allen Anklagepunkten Urteil gefallen
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Urteil gefallen
Derek Chauvin schuldig in allen Anklagepunkten

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George Floyd starb bei brutalem Polizeieinsatz in Minneapolis

George Floyd kam am 25. Mai 2020 bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben. Beamte hatten den 46-Jährigen festgenommen, weil er eine Schachtel Zigaretten mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt haben soll. Videos von Passanten dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser immer wieder flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor das Bewusstsein und starb wenig später.

Verdächtiger stirbt nach brutalem Polizeieinsatz Schock-Aufnahmen aus den USA
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Schock-Aufnahmen aus den USA
Verdächtiger stirbt nach brutalem Polizeieinsatz

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Video vom sterbenden Geroge Floyd wühlte USA auf

Die Videoclips der Szene verbreiteten sich damals rasant. Floyds Tod wühlte die USA auf, löste mitten in der Corona-Pandemie eine Welle an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus, die zur größten Protestbewegung seit Jahrzehnten wurde. Der Prozess gegen Chauvin wurde live auf vielen Fernsehkanälen übertragen. Die Erwartungen an das Verfahren waren immens.

Der Fall George Floyd: Menschen protestieren weltweit #BlackLivesMatter
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#BlackLivesMatter
Der Fall George Floyd: Menschen protestieren weltweit

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Verteidigung forderte Bewährungsstrafe für Derek Chauvin

Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Forderung nach 30 Jahren Haft mit der besonderen Schwere der Tat. Chauvins Verteidiger Eric Nelson hatte dagegen angeführt, sein Mandant sei nicht vorbestraft, habe zuvor keine rechtlichen Probleme gehabt und nicht die Absicht verfolgt, Floyd zu töten. "Er glaubte, seinen Job zu machen." Nelson begründete die Forderung nach einer Bewährungsstrafe auch damit, dass Polizisten eine kürzere Lebenserwartung hätten und Chauvin im Gefängnis zum Ziel von Angriffen werden könnte.

Ex-Polizist Derek Chauvin kann in Berufung gehen

Beendet ist der Fall mit der Verkündung des Strafmaßes nicht. Derek Chauvin kann Berufung einlegen. Unabhängig von dem Verfahren in Minnesota ist gegen ihn außerdem vor einem Bundesgericht Anklage erhoben worden. Das US-Justizministerium teilte zur Begründung mit, dem Beschuldigten werde vorgeworfen, Floyd vorsätzlich seiner verfassungsmäßigen Rechte beraubt zu haben.

Und: Neben Chauvin wurden drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt. Sie sollen in einem Verfahren in Minneapolis ab März nächsten Jahres vor Gericht stehen. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten mehrjährige Haftstrafen drohen.

"Ich kann nicht atmen" als Symbol für Rassismus und Polizeigewalt in den USA

Der Schuldspruch gegen Chauvin im April war von vielen als Meilenstein im Kampf gegen die Benachteiligung von Afroamerikanern in den USA gewertet worden, gar als eine Art Wendepunkt in der Geschichte, als Triumph über das, was viele als jahrzehntelange Straffreiheit der Polizei für Vergehen gegen Schwarze beklagten.

Floyds verzweifelte Worte "Ich kann nicht atmen", die er in seinen letzten Minuten immer und immer wieder hervorpresste, sind inzwischen zu einem Symbol für Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern und anderen Minderheiten in den USA geworden. (dpa, bst, jgr)