Gericht setzt Berufungsprozess aus

"Fahr sie um!" - Mordverdacht im Prozess um Raseropfer Theresa Stahl († 20)

24. September 2020 - 19:51 Uhr

Der Betrunkenste von allen fuhr

Es war ein schrecklicher Tod, dem ein aufsehenerregender Prozess mit einem für viele befremdlichen Urteil folgte. Es geht um Theresa Stahl. Vor 20 Jahren wurde sie totgerast. Die 20-Jährige war zu Fuß unterwegs, als ein Wagen sie rücksichtslos über den Haufen fuhr, gesteuert vom total betrunkenen Niclas H. (18). Beim jetzigen Berufungsprozess hat sich der Verdacht erhärtet, er wäre gezielt auf Theresa zugerast. Damit geht es nun um Mordverdacht, der Prozess wurde ausgesetzt.

Im Video: "Die letzten anderthalb Wochen waren die schlimmsten" – was Theresas Vater Ronald Stahl zu den neuen Entwicklungen sagt.

Männer kamen von einem Weinfest

Theresa
Theresa Stahl erlag eine Woche nach dem Unfall ihren schweren Verletzungen.

"Fahr sie um oder überfahr' sie", soll der Beifahrer des Unfallwagens scherzhaft zum alkoholisierten Fahrer gesagt haben. So zitierte ein Ermittler eine Zeugin bei seiner Befragung vor dem Landgericht Würzburg.

Der Beifahrer hätte demnach nicht gedacht, dass der Fahrer tatsächlich auf die Frau zusteuern würde. Der Aussage nach, hätten die drei Mitfahrer den damals 18-jährigen Deutschen nach dem Weinfest im April 2017 bewusst ans Steuer gesetzt, da er "am besoffensten" war und am wenigsten zu befürchten hätte.

Todesfahrer wurde ohnmächtig - die anderen hauten ab und gingen schlafen

ARCHIV - 09.09.2020, Bayern, Würzburg: Der Angeklagte sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht auf der Anklagebank. Der Mann ist angeklagt, im April 2017, mit 2,89 Promille Alkohol im Blut, eine junge Frau angefahren und tödlich verletzt zu haben.
Würzburg: Der Angeklagte sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht auf der Anklagebank. (Archivfoto 09.09.2020)
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh cul sja

Nach dem Aufprall fuhr der Fahrer auf der Ortsstraße in Richtung Untereisenheim (Landkreis Würzburg) weiter und wurde ohnmächtig. Wie die Zeugin erfahren haben soll, wären die Mitfahrer daraufhin ausgestiegen und hätten das Auto absichtlich einen Abhang herunterfahren lassen. Die drei jungen Männer liefen weiter und legten sich schlafen.

Rettungskräfte fanden den bewusstlosen Mann am Steuer, nur wenige Meter entfernt von der schwer verletzten Frau. Laut dem Polizisten passt die Aussage der Zeugin "sehr gut ins Bild".

Das Gericht setzte die Hauptverhandlung im Berufungsprozess, in dem es um fahrlässige Tötung geht, am Donnerstag aus. Man wolle zunächst den neuen Ermittlungsansätzen nachgehen. Dem Vorsitzenden Richter zufolge kommt auch eine Verurteilung wegen Mordes gegen den Hauptangeklagten und wegen Anstiftung zum Mord gegen den Beifahrer in Betracht. In Erster Instanz wurden beide zu Geldstrafen verurteilt.

Theresas Familie startet Aktion gegen "Alkohol am Steuer"

Theresas Familie ist es ein besonderes Anliegen auf den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol aufmerksam zu machen.

Mit der Kampagne "Gegen Alkohol am Steuer" versuchen sie, an die schrecklichen Umstände von Theresas Tod zu erinnern. Die emotionalen Worte der Angehörigen gibt es im Video.