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Beeindruckend: Liel (16) will trotz Hirntumor ihr Abi machen - "Ich bin krank aber nicht dumm"

Krebskranke Schülerin hofft auf Unterstützung von Lern-Roboter

„Ich bin krank, aber nicht dumm!“ Liel (16) will trotz Hirntumor unbedingt ihr Abi machen

Liel will ihr Abi machen - trotz Hirntumor 16-Jährige trotzt ihrer Diagnose
08:15 min
16-Jährige trotzt ihrer Diagnose
Liel will ihr Abi machen - trotz Hirntumor

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von Thorsten Sleegers

Liel Kemper ist 16 Jahre alt und hat uns mit Ihrer Mail an die RTL-Zuschauerpost sehr berührt. Die Schülerin bekommt letzten Herbst die Diagnose Hirntumor. Nach zwei Operationen und aktueller Chemotherapie ist sie zu schwach, um zur Schule zu gehen. Weil sie sich aber nichts mehr wünscht, als das Abitur zu schaffen, hätte sie gerne einen Lern-Avatar. Der kleine Roboter würde stellvertretend für sie im Klassenzimmer sitzen und sie könnte von zu Hause aus aktiv am Unterricht teilnehmen. Der Schulleiter lehnt das ab – darum versuchen mein Team und ich zu helfen. Die ganze Geschichte sehen Sie im Video.

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"Ich bin krank aber nicht dumm"

Liel im Krankenhaus.
Trotz ihrer Diagnose lässt sich die 16-jährige Liel nicht unterkriegen und von ihrem Ziel abbringen, denn: Sie möchte trotz ihrer Krebserkrankung ihr Abitur machen.
RTL

"Ich bin krank aber nicht dumm." Starke Worte eines tapferen Mädchens. Als ich die 16-jährige Liel und ihre Familie kennenlerne, bin ich beeindruckt von ihrem starken Willen, sich zurück ins Leben kämpfen zu wollen. Alles beginnt im September 2021: Liel klagt regelmäßig über Schwindelattacken und starke Kopfschmerzen. Irgendwann muss sie sich sogar auf nüchternem Magen übergeben. Eine Untersuchung im MRT bringt die traurige Gewissheit: Der Teenie hat einen Hirntumor. Es folgen eine Notoperation und eine weitere große Eingriffe, bei der dem Mädchen ein Tumor so groß wie ein Tennisball aus dem Hinterkopf entfernt wird. Aktuell befindet sie sich noch bis zum Herbst in Chemotherapie. Trotz des Schocks stand für sie immer außer Frage, ihr Abitur zu machen. Damit ihr das gelingt, möchte sie gerne einen Avatar haben; so einer, der bereits in 250 deutschen Schulen eingesetzt wird, wenn schwerkranke Kinder und Jugendliche nicht am Präsenzunterricht in der Klasse teilnehmen können.

Ein Roboter als Stimme, Augen und Ohren eines Kindes

Stimme, Augen und Ohren eines Kindes
Unterricht mit einem Avatar an der Felix-Fechenbach-Gesamtschule Leopoldshöhe.
Felix-Fechenbach-Gesamtschule, RTL

Der Avatar ist die Erfindung eines norwegischen Unternehmens und wird bereits in vielen deutschen Schulen eingesetzt. Er hat eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon. Über eine App könnte Liel ihren digitalen Stellvertreter steuern und sich so im Klassenraum umschauen, als sei sie wirklich da. Ein Blinken auf dem Kopf des Avatars etwa signalisiert, dass die Schülerin sich meldet; sie könnte sogar mit der Sitznachbarin flüstern oder bei Gruppenarbeiten mitmachen. Aufzeichnen kann der Roboter nicht. Dennoch: Laut Familie soll der Schulleiter von Anfang an den Einsatz eines solchen Roboters abgelehnt haben, weil er Bedenken wegen des Datenschutzes habe. Liels Eltern haben angeblich sogar angeboten, die Einverständniserklärungen der anderen Eltern einzuholen – vergeblich.

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Ich versuche zu vermitteln, doch ein Interview vor unserer Kamera lehnt der Schuldirektor ab. Ich bin überrascht, warum man Liel offensichtlich nicht die Chance geben will, auf diese Weise am Schulleben teilzuhaben und aus ihrer Isolation herauszukommen.

Denn: Keine 30 Kilometer entfernt berichtet mir eine Gesamtschule völlig begeistert, wie gut genau das funktionieren kann. Dort wird ein leukämiekranker Junge durch den kleinen digitalen Freund im Klassenzimmer vertreten. Seine Mitschüler nehmen den Roboter sogar mit in die Pause oder auf den Schulhof. Liels Ärztin befürwortet eine solche Avatar-Lösung ebenfalls: Gerade für Jugendliche nehme die Schule die meiste Zeit des Tages in Anspruch. Sie sollten in so einer schwierigen Situation so viel Alltag wie möglich erleben, das sei extrem wichtig für eine schnelle Genesung. Diese Einstellung werde aber leider oft unterschätzt.

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Gibt es Unterstützung vom Schulministerium?

Weil Liels Schulleiter nicht auf meine Fragen antworten möchte, wende ich mich direkt an das Schulministerium von Nordrhein-Westfalen. Liel hatte vor Monaten selbst einige Politiker angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Getan hat sich leider nichts. Auf meine Anfrage hin verspricht man mir, sich den Fall noch einmal genauer anzuschauen und mit Liels Schulleiter zu sprechen.

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