Sie warten noch immer auf AntwortenHilal (10) verschwand vor 27 Jahren – ihre Familie kann bis heute nicht Abschied nehmen

Mama Ayla hat nur noch einen Wunsch.
298 Schritte. Mehr liegen nicht zwischen Hilals Zuhause und dem Ort in Hamburg, an dem sich ihre Spur verliert. Seit 27 Jahren wartet ihre Familie auf Gewissheit. Bruder Abbas sucht unermüdlich weiter, Schwester Fatma kämpft mit den Gedanken an jenen letzten Tag – und Mutter Ayla wünscht sich einen Ort zum Trauern.
298 Schritte – dann ist Hilal plötzlich verschwunden
Es ist der 27. Januar 1999. Der Tag, an dem die Familie auseinandergerissen wird. Hilal und ihre jüngere Schwester Fatma kommen gerade aus der Schule. Die Stimmung ist gut, beide haben heute ihre Halbjahreszeugnisse bekommen. Zur Feier des Tages will Hilal sich im nahen Einkaufszentrum ihr Lieblingskaugummi kaufen. Eigentlich ist das keine große Sache, die Wohnung der Ercans liegt direkt auf der anderen Straßenseite. Gerade einmal 298 Schritte von der Wohnung entfernt.
Hilals Spur verliert sich nur Minuten später vor dem Einkaufszentrum und bis heute ist nicht sicher, was überhaupt passiert ist. Die Hamburger Polizei startet in den darauffolgenden Tagen die größte Suchaktion ihrer Geschichte. Ohne Erfolg.
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In ihrem Podcast „Hilal“ auf RTL+ und stern+ rekonstruieren Annalena Antzar und Nicolas Büchse diesen entscheidenden Moment und tragen die einzelnen Puzzleteile des Falls zusammen. Und der steckt voller Rätsel. So gab es über die Jahre bereits mehrere Tatverdächtige und dann sogar ein Geständnis – und doch gibt es noch immer keine Spur von Hilal!
Abbas sucht seit 27 Jahren: „Ich werde niemals aufgeben“
Der Schmerz vergeht auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nicht. 1999 wurde Abbas Ercans kleine Schwester Hilal vermutlich entführt. Lange hat die Polizei mit einer Soko nach dem möglichen Täter gesucht. Aber es kommt Abbas nicht mehr darauf an, jemanden hinter Gittern zu sehen. Er hat keine Rachegefühle. Was er sich wünscht, ist nur eine Antwort auf die Frage seines Lebens: Was ist mit Hilal passiert?
„Es ist nicht mitten im Wald passiert. Es ist mitten im Einkaufszentrum passiert“, sagt Abbas Ercan heute. Er hofft auch nach so langer Zeit weiter auf den einen wertvollen Hinweis, der den Fall lösen könnte.
Heute ist er 39 und investiert viel Zeit in die Suche nach seiner Schwester. „Ich fühle mich in der Verantwortung für sie da zu sein, auch wenn sie nicht mehr an meiner Seite ist. Aber ich weiß, sie schaut mir über die Schultern und ich möchte sie einfach finden.“ Auf seinen Social-Media-Kanälen, mit Buswerbung und zuletzt mit einem Zeugenaufruf auf Getränkeflaschen, versucht Abbas Aufmerksamkeit zu erregen. Und tatsächlich melden sich auch nach so langer Zeit immer noch Menschen mit Hinweisen bei ihm. Abbas Ercan sagt: „Ich fühle mich verpflichtet, diesen Fall zu lösen. Ich werde niemals aufgeben.“
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Fatma lässt eine Entscheidung bis heute nicht los
Fatma Ercan ist die letzte aus der Familie, die Hilal lebend gesehen hat. Es ist der 27. Januar 1999, ein kalter Mittwoch in Hamburg. Die beiden Schwestern Fatma und Hilal werden von ihrem Vater von der Schule abgeholt und zeigen ihm stolz ihre Halbjahreszeugnisse. Die haben sie gerade erst bekommen. Gegen 13.10 Uhr verlässt Hilal dann wieder die Wohnung. Sie möchte im Supermarkt gegenüber ihr Lieblingskaugummi kaufen, der Vater hat das erlaubt.
Normalerweise wäre Fatma wohl mitgegangen, doch ausgerechnet an diesem Tag tut sie es nicht. Im Podcast erzählt Hilals Schwester: „Dass ich gesagt habe: Nein, ich komme nicht mit. Ich weiß nicht. Vielleicht war das Schicksal.“ Es sind die letzten Augenblicke zusammen mit Hilal. Ihre Schwester wird nie zurückkommen.
Fatma denkt jeden Tag an ihre Schwester: „Wenn ich mich ganz allein fühle, dann denke ich oft an sie und denke so, warum bist du nicht da? Ich brauche dich doch gerade.“ Heute falle es ihr schwer, überhaupt noch das Gute in den Menschen zu sehen. „Bis heute hole ich meine Kinder selber ab, bringe sie zur Schule und ja, die Angst bleibt immer noch da“, sagt sie.
Für Mutter Ayla bleibt nur ein Koffer voller Erinnerungen
Als Abbas Ercan den grauen Koffer aus dem Keller holt, weiß er genau: Die traurigen Erinnerungen werden gleich alle wieder da sein. Im Koffer sind die kostbaren Erinnerungsstücke an seine kleine Schwester Hilal. Es schmerzt ihn jedes Mal sie hervorzuholen, aber es ist das Einzige, was von ihr geblieben ist.
Neben ihm steht seine Mutter Ayla, die nun schon seit über 27 Jahren auf eine Nachricht ihrer verschwundenen Tochter hofft. Sie kann die Tränen kaum noch zurückhalten.
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„Immer wieder herzzerreißend”, seufzt Abbas, als er den Koffer langsam öffnet. Darin sind Kleidungsstücke, alle liebevoll gefaltet. Dann entdeckt er neben Pullovern und Hosen die alten Schulsachen – einen Turnbeutel und auch Hilals Hausaufgabenheft. Als er ein bisschen darin blättert, fällt ihm der letzte Eintrag auf, vom 27. Januar 1999.
„Wir haben immer gewartet, dass sie zurückkommt, aber sie ist nicht gekommen“ sagt ihre Mutter Ayla heute. Sie hat nach so langer Zeit längst aufgegeben zu hoffen, ihre Tochter noch mal lebend zu sehen. Sie hofft nur noch darauf, Hilal endlich begraben zu können, hofft auf einen Ort zum Trauern. Sie sagt: „Das ist mein Wunsch. Nur das. Sonst nichts.“
Verwendete Quellen: Stern

































