Warum Glitzer hilft und was eine Psychologin rät

So sollten Sie mit Ihrem Kind über das Coronavirus sprechen

23. März 2020 - 20:38 Uhr

Kinder richtig über das Coronavirus aufklären

Kitas und Schulen werden geschlossen, Eltern achten plötzlich penibel darauf sich die Hände zu waschen, im Netz kursieren viele falsche Informationen – auch Kinder kriegen die Auswirkungen des Coronavirus auf unseren Alltag mit. Doch wie erklärt man ihnen das Virus, ohne Panik zu verbreiten? Wir haben eine Psychologin gefragt. Außerdem können Sie Ihrem Kind mithilfe von Glitzer spielerisch beibringen, wie gründliches Händewaschen mit Seife funktioniert. Diese Methode zeigen wir im Video.

Abstrakte Erklärversuche vermeiden

Egal ob die Eltern, Lehrer oder Freunde – alle reden momentan über das Coronavirus. Das bekommen natürlich auch die Kleinsten mit. Sie spüren, dass in Zeiten von Corona vieles anders ist. Doch wie erkläre ich meinem Kind, was das Coronavirus eigentlich ist?

"Es ist sehr altersabhängig, wie eine Erklärung sinnvoll erfolgen kann. Es macht auch keinen Sinn, über ein abstraktes Virus zu sprechen - hier verlieren die Eltern ihre Kinder sofort", mahnt Diplom-Psychologin Sabine Werner-Kopsch im Gespräch mit RTL: "Das Virus interessiert uns nur am Rande - es geht um die Krankheit." Man solle den Kindern sachlich vermitteln, dass es sich bei dem Coronavirus um eine neue Krankheit handelt, die unser Körper noch nicht kennt und gegen die es auch noch keinen Impfstoff oder Medikamente gibt - dass es aber auch keinen Grund gibt, in Panik zu verfallen.

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Dieses Video erklärt Corona besonders kindgerecht

Eltern und Kinder sollten Hygienemaßnahmen beachten

Da viele Menschen – und auch Kinder – Angst haben, selbst an Covid-19 zu erkranken, liegt es auf der Hand, mit ihnen vor allem über die richtige Vorbeugung zu sprechen. Vermitteln Sie ihnen, dass etwa das Husten und Niesen in die Armbeuge und regelmäßiges Händewaschen momentan besonders wichtig sind. Mit den richtigen Hygienemaßnahmen kann jeder dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und Forscher haben Zeit, ein Gegenmittel zu finden. "Wenn einem dreijährigen Kind erklärt wird, dass es sich und andere durch die Hygienemaßnahmen schützt, dann wird das Kind regelmäßig darauf achten und sehr stolz sein, wenn es dafür auch gelobt wird", sagt Psychologin Werner-Kopsch.

Wichtige Fakten: Wie Eltern ihre Kinder, sich selbst und andere vor dem Coronavirus schützen können.

Die wichtigste Botschaft aber lautet: Kinder müssen sich keine Sorgen machen. Sie gehören zu der am wenigsten gefährdeten Gruppe. Anfälliger dagegen sind Vorerkrankte, medizinisches Personal mit viel Patientenkontakt und vor allem ältere Menschen. Und selbst wenn es passieren sollte: Erklären Sie Ihrem Kind, dass die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit in den meisten Fällen ähnlich verläuft wie eine normale Erkältung. Sie werden sich sicherlich an Ihre letzte Erkältung erinnern. Diese Erfahrung beruhigt.

Wie erkenne ich, ob mein Kind Angst vor Corona hat?

Haben Kinder Angst, formulieren sie diese nicht immer direkt. Das es ihnen in Zeiten von Corona nicht gut geht, merkt man häufig daran, dass Kinder sich entweder zurückziehen oder übermäßig oft das Thema ansprechen. Auch extreme Gegenmaßnahmen wie beispielsweise übertriebenes Händewaschen oder sogar das bekannte Einnässen können Anzeichen dafür sein, dass Ihr Kind momentan unter Ängsten leidet.

Je ängstlicher die Eltern sind, desto mehr Angst hat auch das Kind

"Kleine Kinder haben Angst, wenn sie in ihrer Umgebung Angst wahrnehmen", erklärt Werner-Kopsch. Daher sollten Eltern, aber auch Erzieher und Lehrer sich selbst reflektieren und beobachten, wie sie als Sender die Informationen an das Kind weitergeben. Es sei wichtig, einen konstruktiven Zugang und Umgang mit seiner Angst zu finden und darauf zu achten, dass die Angst vor dem Coronavirus nicht allgegenwärtig ist und das Leben kontrolliert.

"Angst haben Menschen immer vor etwas Abstraktem, an dessen Ende der Gedankenkette das eigene Leid oder sogar der Tod steht", so die Psychologin. Daher ist es wichtig, sich selbst ausreichend zu informieren. Das beruhigt die Erwachsenen nicht nur selbst, sie können auch wahrheitsgemäß und kindgerecht auf die Fragen der Kleinen eingehen.

Wie kann ich den Medienkonsum meines Kindes steuern?

Kinder lieben Smartphones
Nicht alles, was in den sozialen Medien zum Coronavirus verbreitet wird, ist korrekt.
© iStockphoto, iStock, BrianAJackson

Auch in den sozialen Netzwerken dominiert das Thema Corona aktuell. Auf Instagram und TikTok werden Videos millionenfach aufgerufen, manche davon enthalten Falschinformationen. Auch das kann Kindern Angst machen. Es ist ratsam, den Medienkonsum von Kindern allgemein zu beschränken – es wird jedoch unmöglich sein, diese Informationen gänzlich von Kindern fernzuhalten.

"Es ist generell wichtig, dass Kinder es lernen, die Nachrichten einzuordnen. Der unreflektierte Konsum von Informationen ist für kleine Kinder etwas Normales - deshalb ist es wichtig, den Realitätsbezug zu überprüfen", erklärt die Psychologin. Hier erfahren Sie, wann Sie Ihr Kind an die Nutzung von Tablets, Smartphones & Co. heranführen sollten.