Ohne Wenn und Aber und ohne Ausnahmen - aber ist das realistisch?

Kinder- und Jugendärztechef Fischbach fordert: Kein Smartphone vor 11 Jahren!

Kinder lieben Smartphones, aber es beeinträchtigt ihre Entwicklung - aber ab wann sollten sie eins benutzen dürfen?
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30. Oktober 2019 - 14:22 Uhr

Viel zu bunte Welt für Kinderhirne

Experten sind sich einig: Smartphones und Kinder sind keine gute Kombination. Denn die bunte und schnelle Welt der Smartphones, mit all den Apps, Tools, Social Media und Messenger überfordert das kindliche Gehirn und hemmt damit dessen Entwicklung. Auch Kinder- und Jugendärztechef Thomas Fischbach fordert jetzt in einem Interview ausdrücklich: "Kein Handy vor elf Jahren!" - ohne Wenn und Aber! Doch wie realistisch ist diese Forderung?

Je später die Nutzung beginnt, desto besser für die Entwicklung des Kindes

Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes Kinder- und Jugendärzte
Kinder- und Jugendärztechef Thomas Fischbach hat eine klare Haltung: "Je länger man die Smartphone-Nutzung der Kinder rausschiebt, umso besser ist es für sie!"
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In einem Interview mit der Osnabrücker Zeitung sagte Fischbach weiter: "Wenn Kinder mit dem Argument kommen: 'Mein Kumpel darf das aber auch!', dann muss man auch mal sagen: Was andere dürfen, spielt bei uns keine Rolle. Eltern müssen ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen." Fischbach geht sogar noch weiter: Je länger man die Smartphone-Nutzung der Kinder rausschiebe, umso besser sei es für sie. Die Folgen verfrühter Smartphone-Nutzung sind für Fischbach verheerend: "Die Jüngsten werden schon auf permanente Reizüberflutung konditioniert. Das ist einer der Gründe, aus denen Kinder immer häufiger an Konzentrationsschwäche leiden."

Viele andere Experten stützen diese Forderung. "Kinder unter zwölf Jahren sollten keine eigenen Geräte haben", rät zum Beispiel auch der Psychologe Christian Montag von der Universität Ulm. Kinder seien in der Selbstregulation noch nicht so gut wie Erwachsene und verstehen daher nicht, wann es an der Zeit ist aufzuhören. Insbesondere weil viele Apps so konzipiert sind, Nutzer möglichst lange zu halten.

Spracherwerb wird gestört

Eine US-Studie habe zudem gezeigt, "dass zu viel Bildschirmzeit zu Verzögerungen in der Sprachentwicklung führen könnte." Denn Kinder lernen in der direkten Kommunikation sowohl ihre Sprachfähigkeiten als auch Mimik und Gestik zu verstehen. Wenn aber sowohl Kind als auch Eltern nur auf ihren Bildschirm starren, fehlt dieses wichtige Training, so Montag im Juni gegenüber RTL.de.

Wie können Elten das umsetzen?

Spätestens bei Schuleintritt wird es schon kritisch. Denn die Grenze von 11 Jahren wird beileibe nicht von allen Eltern eingehalten. Der soziale Druck für die Kinder wird hoch - und gleich an die Eltern weitergereicht. Wie realistisch ist es dann, einem Kind keinen dauerhaften Zugang zu einem Smartphone zu erlauben? Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative "Schau Hin! Was dein Kind mit Medien macht" erklärt, wie ein Übergang zum eigenen Handy gestaltet werden kann und welche Regeln zur Benutzung beachtet werden müssen.

IM VIDEO - Neuropsychologe Spitzer fordert sogar: Smartphone erst ab 18!

Der Neuropsychologe Professor Manfred Spitzer ist für seine noch kritischere Haltung bekannt. In seinem Buch "Die Smartphone-Epidemie" machte er das Smartphone als Kinder-Feind aus und wettert gegen Bildschirme in Kinderhand. Seine Meinung lautet: Smartphones erst ab 18 jahren! Wieso er dies fordert, sehen Sie im Video!