Am 17. November ist Weltfrühgeborenentag

370 Gramm purer Lebenswille: Frühchen Pia darf endlich nach Hause

17. November 2019 - 11:02 Uhr

Dreieinhalb Monate zu früh

Ein viel zu kleiner Körper, viel zu früh in eine viel zu große Welt geworfen: Die kleine Pia ist eines von rund 60.000 Babys, die in Deutschland jedes Jahr zu früh geboren werden. In ihrem Fall waren es ganze dreieinhalb Monate vor dem eigentlichen Termin - gerade einmal 370 Gramm wog sie damals bei einer Größe von 27 Zentimetern. Wie winzig und zerbrechlich das Mädchen damals war, sehen Sie im Video. Doch jetzt, nach sieben langen Monaten des Wartens und Hoffens, ist es endlich geschafft: Pia darf nach Hause zu ihren Eltern.

„Wir haben geheult und gelacht“

Die ersten sieben Monate ihres Lebens verbrachte Pia in der Uniklinik Bonn. Da die Eltern über so lange Zeit nicht rund um die Uhr bei ihren Babys sein können, ermöglichen ihnen dort Webcams, die Winzlinge trotzdem zu sehen, wann immer sie möchten. Aber nicht nur die Technik gab Mama Nadine und Papa Peter in dieser schweren Zeit Kraft: "Die Klinik, die Ärzte und das Pflegepersonal haben uns so unglaublich geholfen. Wir haben miteinander gelacht und geheult. Sie haben 24 Stunden am Tag alles für Pia gegeben", erklärt Nadine dankbar.

Frühgeborenes Baby Pia
Mit der Liebe ihrer Eltern und der Unterstützung von Ärzten und Pflege-Team hat sich Pia ins Leben gekämpft.
© Nadine Stüsser

Familie bekommt schönstes Weihnachtsgeschenk

Ein Einsatz, der sich gelohnt hat: Inzwischen hat sich die tapfere Kleine auf gute 2.500 Gramm Körpergewicht und eine Größe von 44,5 Zentimetern hochgekämpft. "Noch hat sie einen künstlichen Darmausgang, damit kann sie aber gut umgehen. Die Operation ist für Ende Januar angesetzt", so Nadine. Trotz der Einschränkungen bekommt die Familie aber das allerschönste Weihnachtsgeschenk, das sie sich vorstellen kann: "Nächste Woche dürfen wir unsere Kleine endlich nach Hause holen!" Anfangs kümmert sich dafür noch zweimal am Tag ein Pflegedienst um Pia. Wenn alles gut läuft, sollen die Besuche dann schrittweise reduziert werden.

Frühgeborenes Baby Pia im Kinderwagen
Auf so etwas Normales wie einen Spaziergang im Freien mussten Pia und ihre Eltern lange warten.
© Nadine Stüsser

Eltern-Kind-Beziehung extrem wichtig für die Entwicklung

Der Kontakt zwischen Eltern und Baby, auch "Bonding" genannt, ist insbesondere für die Entwicklung von Frühchen enorm wichtig – vor allem auf körperlicher Ebene. Wenn der Zustand der zerbrechlichen Wesen es zulässt, wird deshalb in kostbaren Momenten das Kuscheln von Haut zu Haut möglich gemacht. Aber auch, wenn Mama und Papa nicht da sind, gibt es inzwischen neue Möglichkeiten: So überträgt etwa eine Hightech-Matratze für das Baby den Herzschlag und die Atmung der Mutter in den Brutkasten.

Ab wann sind Frühchen überlebensfähig?

Durch die intensive Pflege und Behandlung im Brutkasten haben sich die Überlebenschancen von Frühgeborenen enorm verbessert. Bei einer Frühgeburt ab der 24. Schwangerschaftswoche hat das Baby heute bei intensivmedizinischer Betreuung mit 80 Prozent gute Chancen zu überleben. Ab der 28. SSW liegen sie in Deutschland sogar bei annähernd 100 Prozent.

In den meisten Fällen entwickeln sich die Frühgeborenen zu gesunden Kindern. Sie können zwar in ihrer Entwicklung im Vergleich zu anderen Kindern noch über Jahre zurück sein, schließen aber meist irgendwann auf. Kinder die zwischen der 32. und 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, holen meist in ihrer Entwicklung schnell auf und unterscheiden sich selten von reif geborenen Babys.

Im Video: Frühchenstation in den USA hat ehrenamtliche „Babyknuddler“