7. Januar 2019 - 10:06 Uhr

Digitales System vermittelt Frühchen Körperkontakt

Wird ein Kind zu früh geboren und muss in einem Brutkasten überwacht werden, ist die körperliche Bindung zur Mutter bis auf wenige kostbare Momente unterbrochen - eine schwierige Zeit für beide. Eine spezielle Matratze soll es den Frühchen nun ermöglichen, Herzschlag, Stimme und Atem ihrer Mama trotzdem zu spüren und so den wichtigen Körperkontakt in den ersten Lebenswochen ersetzen.

Eltern können nicht rund um die Uhr bei ihrem Kind sein

Etwa 8.000 Babys kommen in Deutschland vor der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt - also mehr als zehn Wochen zu früh. Und auch, wenn der Brutkasten - medizinisch Inkubator - ein technischer Segen und lebenswichtig für die Kleinen ist: Für Eltern und Kind ist diese Zeit der körperlichen Trennung extrem schwer. Direkter Körperkontakt ist nur selten möglich. Oft hat die Mutter auch selbst noch mit den Folgen der Geburt zu kämpfen und kann deshalb nicht zu ihrem Neugeborenen.

Aus diesem Grund hat das Stuttgarter Start-up "Babybe" eine besondere Gelmatratze entwickelt: Sie überträgt Herz- und Atemrhythmus der Mutter in Echtzeit in den Inkubator und überbrückt so die schmerzhafte Distanz. Aufgenommen werden die Bewegungen und Töne über ein Gerät in Form einer Schildkröte, das sich die Mutter auf die Brust legt.

Matratze überträgt Herzschlag, Atem und Stimme in Echtzeit

Ein Empfangsgerät außerhalb des Brutkastens vermittelt diese dann per Funk an die bionische Matratze und versetzt sie in Bewegung. So bekommt das Baby das Gefühl von Wärme und Nähe. Auch der Vater und Familienmitglieder können die "Schildkröte" benutzen. Die Daten können auch aufgezeichnet und später abgespielt werden, sodass der Kontakt nie abreißt.

Enger Körperkontakt ist gerade für die Entwicklung enorm wichtig, etwa durch das sogenannte "Känguruhen". Dabei liegt das Baby über längere Zeit auf dem Bauch von Mutter oder Vater. Dass die Hightech-Matratze ähnlich förderlich für die Neugeborenen ist, zeigen erste Erhebungen einer Studie der Techniker Krankenkasse: Frühchen, die auf der Babybe-Matratze lagen, hatten über 48 Stunden einen regelmäßigere Atmung und nahmen schneller an Gewicht zu.